Leuchtturm

Lasst uns zu Beginn Römer 5,20 lesen. Wir wollen uns mit der Frage beschäftigen, welche Rolle das Gesetz Gottes dabei spielt, dass wir allein durch Jesus Christus Gerechtigkeit erlangen.

Röm 5,20 [Alle Texte ELB] Das Gesetz aber kam daneben hinzu, damit die Übertretung zunehme.

Anders gesagt:

Röm 3,20 Durchs Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.

Wozu ist das Gesetz in erster Linie da? [Versammlung: Um uns zu zeigen, was Sünde ist.] Damit die Sünde „zunehme“, damit wir die Sünde erkennen. Also „das Gesetz kam hinzu, damit die Übertretung zunehme“, damit die Sünde sichtbar wird, damit sie so erscheint, wie sie ist.
Lesen wir weiter in Römer 5:

Röm 5,20 Das Gesetz aber kam daneben hinzu, damit die Übertretung zunehme. Wo aber die Sünde zugenommen hat, ist die Gnade überreich geworden.

Ist das Gesetz nur gekommen, damit die Sünde erscheine? [Versammlung: Nein.] Es hat noch einen anderen Zweck; es soll über die Sündenerkenntnis hinaus noch ein anderes Ziel erreichen. Wo wird die Gnade überreich? [Versammlung: Am selben Ort.] Genau dort? [Versammlung: Ja.] Aber steht dort: „Wo die Sünde zugenommen hat, hat die Gnade zugenommen“? [Versammlung: Nein, sie ist überreich geworden.] Wenn es heißen würde: „Wo die Sünde zugenommen hat, hat die Gnade zugenommen“, wäre schon das ziemlich gut. Aber so arbeitet unser Herr nicht; er arbeitet immer herausragend – nicht weniger, als Gott es vermag.
Also dann, „wo die Sünde zugenommen hat, ist die Gnade überreich geworden“. [Versammlung: Amen.] Wenn also der Herr uns durch sein Gesetz Sündenerkenntnis geschenkt hat, ist im selben Moment die Gnade noch viel reicher als die Sündenerkenntnis. Dann ist es gar nicht mehr möglich, beim Anblick von Sünden entmutigt zu werden, oder? [Versammlung: Nein.] Ihr seht: Sündenerkenntnis kann uns nicht mehr niederdrücken. Denn egal, wie viele Sünden mir bewusst werden, ist ja genau dann, in diesem Augenblick meines Erlebens, Gottes Gnade noch viel reichlicher als alle Sündenerkenntnis. Brüder, möchte der Herr nicht, dass wir guten Mutes sind? [Versammlung: Amen!] Nun, in Johannes 16,7.8 kommt das Gleiche zum Vorschein:

Joh 16,7 Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen.

Wer wird nicht kommen? [Versammlung: Der Beistand.] Der Beistand? Ist das sein Name? [Versammlung: Ja.]

Joh 16,8 Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde.

Ist er der Beistand, wenn er das tut? [Versammlung: Ja.] Ist er der Überführer, wenn er das tut, und irgendwann später der Beistand? [Versammlung: Nein.] Es ist der Beistand, der überführt – dem Herrn sei Dank! Was soll uns das Überführen von Sünde dann bringen? [Versammlung: Beistand.] Wie können wir dann noch entmutigt sein, wenn wir Sünde erkennen?
Könnt ihr sehen, dass wir einen ewigen Sieg über Satan haben? Kann Satan einen Menschen in die Ecke drängen, der Gott glaubt? Satan kommt und sagt: „Schau nur, was für ein Sünder du bist.“ Dem Herrn sei Dank: „Wo die Sünde zugenommen hat, ist die Gnade überreich geworden!“ [Versammlung: Amen!]
„Nun“, sagt ein anderer, „ich fühle mich zutiefst sündig. In meinem ganzen Leben stand mir die Sünde nicht so klar vor Augen.“ Dem Herrn sei Dank, jetzt haben wir mehr Trost und Beistand als je zuvor in unserem Leben! Aber es steckt noch mehr in Römer 5,20. Wir haben festgestellt, dass das Gesetz die Sünde zunehmen lässt, damit die Gnade umso reicher wird und diese Gnade uns zu Christus führen kann. Wozu sollen diese beiden Dinge jetzt dienen? Das Gesetz lässt die Sünde zunehmen, und wir empfangen umso reicher Gnade,

Röm 5,21 damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrscht.

Wird Gott nicht dafür sorgen, dass der Reichtum der Gnade in unserem Leben genauso bestimmt herrscht wie zuvor die Sünde in der Welt? Aber beachten wir: Die Freiheit ist „überreich“ – viel mehr als die Knechtschaft vorher war. Betrachten wir jetzt die ganze Geschichte. „Das Gesetz kam hinzu, damit die Übertretung zunehme.“ Wozu kam das Gesetz? [Stimme: Um uns zu Christus zu bringen.] Ja. Wenn also ein Sünder die Zehn Gebote zu irgendeinem anderen Zweck gebraucht, als Christus zu finden, was für ein Zweck ist das dann? Es ist ein Missbrauch, denn dazu hat Gott das Gesetz nicht gegeben. Das Gesetz bringt uns also zu Christus. Wozu? [Versammlung: Damit wir gerechtfertigt werden.] Wenn das Gesetz uns findet, will es dann etwas von uns? [Versammlung: Es will Gerechtigkeit.] Was für eine? [Versammlung: Vollkommene Gerechtigkeit.] Wessen? [Versammlung: Gottes.] Allein die Gerechtigkeit, die Gott in seinem eigenen Leben zeigt, in seinem Handeln und Vorgehen. Wird sich das Gesetz mit weniger zufriedengeben, mit einem Haarbreit weniger? Wenn wir bis auf Haaresbreite heranreichen könnten – es wäre immer noch zu wenig.
Paulus spricht davon, was das Gesetz von uns will, und auch, was es in uns will.

1Tim 1,5 SCH Das Endziel [die Absicht, der Zweck, der Sinn] des Gebotes aber ist Liebe …

Was für eine Liebe?

1Tim 1,5 SCH … aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.

Das ist es, was das Gesetz in dir und mir vorfinden möchte. Nun, das ist nichts anderes als Vollkommenheit.
Nun, hat irgendein Mensch auf der Welt dem Gesetz Gottes solch eine Liebe vorzuweisen, solch ein Gewissen, solch einen Glauben? Nein. Das Gesetz verlangt dies von jeder Person, die in diesem Moment auf der Erde lebt, von jedem von uns, von den Menschen in Afrika und den Menschen weltweit, und es wird bei keiner einzigen Person einen Kompromiss machen. Das Gesetz kommt also zu dir und mir und sagt: „Ich will Liebe, ich will vollkommene Liebe – die Liebe Gottes. Ich möchte sie ununterbrochen in deinem Leben sehen. Und ich möchte sehen, dass sie aus einem reinen Herzen kommt und aus einem guten Gewissen und durch ungeheuchelten Glauben.“
„Nun“, sagt jemand, „das habe ich nicht. Ich habe einfach mein Bestes gegeben.“ Aber das Gesetz wird sagen: „Das ist nicht, was ich will. Ich will nicht dein Bestes, ich will Vollkommenheit. Und überhaupt ist es nicht dein Tun, das ich will, sondern Gottes; ich bin nicht auf deine Gerechtigkeit aus; es ist nicht dein Tun, das ich will, sondern Gottes Tun in deinem Leben.“ Ist das nicht, was die Schrift sagt: „damit jeder Mund verstopft werde“ (Röm 3,19)? Und so geschieht es auch, nicht wahr?
Aber dann kommt eine sanfte, leise Stimme und spricht: „Hier ist vollkommenes Leben, hier ist das Leben Gottes, hier ist ein reines Herz, hier ist ein gutes Gewissen, hier ist ungeheuchelter Glaube.“ Ah, der Herr Jesus Christus, der kam und dort stand, wo ich stehe, in dem Fleisch, in dem ich lebe. Dort lebte er, dort zeigte er die vollkommene Liebe Gottes, dort offenbarte er vollkommene Herzensreinheit, dort zeigte er ein gutes Gewissen, und dort ist der ungeheuchelte Glaube der Gesinnung, wie sie in Jesus Christus war.
Er kommt einfach und sagt mir: „Hier, nimm dies.“ Das Leben, das Jesus Christus führte, das wird das Gesetz zufriedenstellen; die Herzensreinheit, die Jesus Christus schenkt, wird das Gesetz zufriedenstellen; das gute Gewissen, das er schaffen kann, wird es zufriedenstellen; der ungeheuchelte Glaube, den er gibt, wird es zufriedenstellen.
Ist es nicht das, was das Gesetz ständig will? Es ist Jesus Christus, den das Gesetz will, nicht wahr? [Versammlung: Ja.] Und das Gleiche fordert es in Römer 5, nicht wahr? Es verlangt nach Christus in mir, denn das Gesetz möchte diese Sache in mir sehen. Ist dann nicht das Ziel des Gesetzes Gottes das Evangelium von „Christus allein“? „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kol 1,27)? Gerechtfertigt aus Glauben,

Röm 5,1 haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus,

und

Röm 5,5 die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.

Apg 15,9 [Gott] machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, da er durch den Glauben ihre Herzen reinigte.

Da ist die Liebe Gottes aus einem reinem Herzen!

Heb 9,14 Wie viel mehr wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist als Opfer ohne Fehler Gott dargebracht hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, damit ihr dem lebendigen Gott dient!

Da ist die Liebe Gottes aus einem guten Gewissen! O, dann bringt uns die Botschaft der Gerechtigkeit Gottes durch Glauben an Jesus Christus zur vollkommenen Erfüllung des Gesetzes Gottes, und sie bringt die vollkommene Erfüllung zu uns! Das ist der Zweck und der eine große Punkt der dritten Engelsbotschaft, nicht wahr? Christus in seiner Gerechtigkeit, Christus in seiner Reinheit, Christus in seiner Liebe, Christus in seiner Sanftmut, Christus in seinem ganzen Wesen und er als gekreuzigt. Was für eine Freude!
Und wenn das Gesetz dann vor uns steht oder wir vor dem Gesetz, und es fordert diese wundersame Liebe, dann können wir sagen: „Hier ist sie – sie ist in Christus, und Er ist mein!“ Wie Schritte zu Jesus uns sagt: Wir können zu Jesus kommen und geläutert werden und ohne das kleinste bisschen Scham oder schlechtes Gewissen vor dem Gesetz stehen. Brüder, wenn ich habe, was mich in vollkommene Übereinstimmung mit Gottes Gesetz bringt, dann bin ich zufrieden.
Gehen wir nun zu Römer 3, und wir erfahren die ganze Geschichte ohne weiteres Studium, einfach durch Lesen der Verse 19 – 22. Jetzt können wir zu jedem Wort Amen sagen, ohne Umschweife.

Röm 3,19 Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei.

Das, was mir sagt, dass ich ein Sünder bin, kann mir nicht sagen, dass ich gerecht bin.

21 Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit offenbart worden.

Die Sünde hat uns so verblendet und verdorben, dass wir die Gerechtigkeit im Gesetz gar nicht wahrnehmen – und wenn wir es könnten, würden wir sie nicht erlangen, weil nichts Brauchbares in uns ist, worauf sie aufbauen könnte – wir sind hilflos.

Röm 3,21 SCH Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar
gemacht worden …

22 nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die zu allen und auf alle kommt, die glauben.

Was bedeutet das Wort „glauben“? Was ist echter Glaube? Ihm das Herz zu übergeben, sich innerlich auf ihn auszurichten. Glauben heißt aufnehmen, was Gott sagt. So steht es in Johannes 1,12:

Joh 1,12 So viele ihn [„das Wort“] aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.
Röm 3,22 SCH Nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die zu allen und auf alle kommt, die glauben. Denn es ist kein Unterschied.

Gottes Gerechtigkeit in Christus kann also uns gehören. Wenn das stimmt, was ist dann die Aufgabe des Gesetzes? [Versammlung: Es bezeugt.] Genau.

Röm 3,21 Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit offenbart worden, bezeugt durch das Gesetz.

Wenn das Gesetz zu Sündenerkenntnis führt, damit wir den Reichtum der Gnade erkennen, die die Sünde wegnimmt, dann herrscht die Gnade durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus – und das Gesetz hat bewirkt, dass diese Gerechtigkeit Gottes durch Glauben an Christus uns gehört, weil die Sündenerkenntnis uns zu Christus gebracht hat und wir Ihn haben, sodass alle Ansprüche des Gesetzes an uns erfüllt sind.
Wenn das Gesetz Forderungen an uns gestellt hat, denen wir durch nichts anderes nachkommen können als durch Jesus Christus, der in uns gegenwärtig ist, wird dann Gottes Gesetz, solange wir dort [in Christus] bleiben, dabeistehen und sagen: „Das ist recht, und ich bin zufrieden damit“? [Versammlung: Ja.] Wenn nun jemand das infrage stellt und sagt: „Es ist nicht so“, haben wir also Zeugen dafür, richtig?

Wir brauchen Zeugen aus mehreren Gründen. Wenn Gott spricht und wir es glauben, dann wissen wir, jeder für sich, dass Gottes Gerechtigkeit uns gehört, dass wir Anspruch auf sie haben, dass wir darüber vollkommenen Frieden haben können. Aber es gibt auch andere Menschen, die darüber Gewissheit brauchen. Ist es ausreichend für sie, wenn ich ihnen sage, es ist so und darum ist es so? Ist das Beweis genug für sie? [Versammlung: Nein.] Sie brauchen etwas Besseres sogar als mein Wort. Könnt ihr sehen, dass der Herr uns Zeugen gegeben hat, an die sie sich wenden können? Sie können zu diesen Zeugen gehen, wann immer sie wollen, und fragen, ob das, was wir haben, echt ist oder nicht.
Wir können sagen: Ich habe einige Freunde, die mich von Geburt an bis heute kennen. Sie kennen mich besser als ich mich selbst, und wenn ihr mehr wollt, als ich euch sagen kann, dann geht zu ihnen und fragt – sie werden es euch sagen. Wie viele von ihnen gibt es? [Versammlung: Zehn.] Hat ihr Wort Gewicht? Sie sind die Wahrheit (Ps 119,142). Wenn sie sagen, der Anforderung sei Genüge getan, dann ist jeder im Universum zufrieden, oder?
Reicht es also der Welt, wenn ein Mensch behauptet, an Jesus zu glauben – wenn er Gottes Gerechtigkeit beansprucht [Versammlung: Nein.] „Aber ja, wir glauben an den Heiland. Auch ich habe das Recht, seine Gerechtigkeit in Anspruch zu nehmen, die vollkommene Heiligkeit und vollkommene Heiligung, und ich habe seit zehn Jahren nicht gesündigt und bin jenseits jeder Versuchung, und ich weiß es auch.“ Und wie weißt du es? „Na ja, ich spüre es in meinem Herzen; ich spüre es in meinem Herzen, seit Jahren schon.“
Nun, das ist überhaupt kein Beweis, denn „trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es“ (Jer 17,9). Mehr als Satan sogar? [Versammlung: Ja.] Ist das Herz wirklich trügerischer als alles andere? [Versammlung: Ja.] Es ist trügerischer als selbst Satan, nicht wahr? Das Herz täuscht mich noch schneller und häufiger, als Satan es tut.
Wenn jetzt diese Person es in ihrem Herzen spürt, ist das ein guter Beweis?
Wenn das Herz mir sagt, ich sei gut, was tut es dann? [Versammlung: Es trügt.] Salomo sagte:

Spr 28,26 SCH Wer sich auf sein eigenes Herz verlässt, ist ein Narr.

Deshalb können wir es uns nicht leisten, in einer so wichtigen Frage darauf zu vertrauen. Wir brauchen bessere Beweise als das menschliche Herz, wenn jemand behauptet, Gottes Gerechtigkeit zu haben und für das Gericht bereit zu sein und seit zehn Jahren nicht gesündigt zu haben, wenn jemand sagt, er sei heilig, geheiligt und sei jenseits von Versuchungen usw. Wir brauchen etwas Besseres, und außerdem ist es doch eine Tatsache, dass Jesus eine ganze Weile auf dieser Welt war und in dieser Zeit nie „jenseits von Versuchungen“ war. Und Christen sind es auch nicht, solange sie hier leben.
Wenn jemand Gottes Gerechtigkeit durch Glauben an Jesus Christus beansprucht und nur das Besagte als Zeugen anführen kann, wenn sein Zeugnis nur so weit reicht: Wie viel ist dann sein Anspruch wert? Es ist eine Täuschung. Deshalb hat uns der Herr mehr zur Verfügung gestellt. Wenn wir in unserem Glaubensleben Sicherheit über etwas brauchen, dürfen wir sie nicht in uns suchen, sondern müssen zu Gottes Wort gehen – und wenn Er es sagt, dann ist es auch so! Wenn wir Jesus Christus gefunden haben, dann möchte der Herr nicht, dass wir in uns hineinschauen, um zu sehen, ob er da ist. Er hat uns Zeugen zur Seite gestellt, die uns unaufhörlich bestätigen, dass er da ist, und das auch jedem anderen bezeugen werden. Gottes Gerechtigkeit ist jetzt offenbart worden, die Gerechtigkeit durch den Glauben Jesu Christi, und wenn sie da ist, wird sie „bezeugt durch das Gesetz“ (Röm 3,21).
Das Gesetz soll uns also zu Christus bringen. Erstens, um Sündenerkenntnis zu bewirken, und zweitens, um „Gottes Gerechtigkeit durch den Glauben“ (V. 22) zu bezeugen. Wer Gottes Gesetz für etwas anderes als diese zwei Dinge benutzt, benutzt es für Zwecke, die Gott nie gewollt hat.
Woher kommt unsere Gerechtigkeit?

2Kor 4,6 Gott, der gesagt hat: „Aus Finsternis wird Licht leuchten!“, er ist es, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.
2Kor 3,18 Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht.

Was sehen wir im Angesicht Jesu Christi?[Versammlung: Die Herrlichkeit des Herrn.] Was ist die Herrlichkeit des Herrn? Der Geist Gottes sagt uns, dass die Botschaft der Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben Jesu Christi der Beginn der Herrlichkeit ist, die die ganze Erde erleuchten wird.
Wo halten wir Ausschau nach Gerechtigkeit? Im Angesicht Jesu Christi. Dort werden wir alle „verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“, von Gerechtigkeit zu Gerechtigkeit, von Charakter zu Charakter, von Güte zu Güte, „wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht.“
Könnt ihr sehen, wie Gottes Gerechtigkeit und der Heilige Geist Hand in Hand gehen? Wenn wir die Gerechtigkeit durch den Glauben Jesu Christi erlangen, kann der Heilige Geist nicht von uns ferngehalten werden; man kann die beiden nicht trennen, sie gehören zusammen. Wir haben dann ein Recht, um den Heiligen Geist zu bitten und ihn auch zu empfangen.
Die Gerechtigkeit Gottes und der Heilige Geist sind daher unmöglich auseinanderzuhalten. Wenn nun Gottes Bild in Jesus Christus in uns vorhanden ist, dann ist das die Prägung, das Siegel Gottes. Wenn wir das Angesicht Jesu Christi betrachten und dadurch Gottes Gerechtigkeit durch den Glauben an ihn empfangen haben – haben, ist das Ergebnis, dass wir in dasselbe Bild verwandelt werden, dass Gottes Bild in uns wiederhergestellt und vollendet wird, durch das Wirken von Gottes Geist im Menschen. Und wenn das geschehen ist, ist derselbe Geist Gottes da, um das Siegel des lebendigen Gottes aufzubringen, den ewigen Abdruck seines eigenen Bildes.
Wohin schauen die Engel im Himmel? Schauen sie nicht ins Gesetz, um zu sehen, ob sie richtig oder falsch liegen? „Ihre Engel … schauen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.“ (Mt 18,10) Woher kommt dann die Gerechtigkeit der Engel? Von Gott, durch Jesus Christus. Und wozu ist das Gesetz im Thron Gottes, das Fundament seines Thrones, was tut das Original seines Gesetzes dort? Wenn die Engel in das Angesicht dessen schauen, der auf dem Thron sitzt, bezeugt das Gesetz die Gerechtigkeit Gottes, die sie ohne das Gesetz erlangen.
Dies ist immer das wahre Verständnis davon gewesen, wozu Gottes Gesetz da ist. Wenn die Israeliten gegen die Gebote des Herrn gesündigt hatten, mussten sie das Blut eines Opfertieres vergießen und erfuhren so Versöhnung und Vergebung. Und damals wie heute waren die Gebote Zeugen für die Gerechtigkeit, die sie aus dem Glauben an Jesus erhielten. Deshalb wurde die Stiftshütte auch „Zelt des Zeugnisses“ genannt (Apg 7,44; 4Mo 17,7.8; 18,2). Die Bundeslade war die Lade des Zeugnisses, weil sie die Tafeln des Zeugnisses enthielt. Die Gesetzestafeln waren die Zeugnistafeln, denn sie waren nach Gottes Plan Beweis und Zeuge seiner Gerechtigkeit, die „ohne Gesetz“ kommt, allein durch den Glauben Jesu Christi. Darum ist dies eine ewige Wahrheit im gesamten Universum:

Gal 2,21 Wenn Gerechtigkeit durch Gesetz kommt, dann ist Christus umsonst gestorben.

Für immer und überall „kommt ihre Gerechtigkeit von mir, spricht der HERR“ (Jes 54,17; Fußnote). Nun, das ist die Vorbereitung für das Siegel Gottes: die Gerechtigkeit Gottes, damit wir dadurch von Herrlichkeit zu Herrlichkeit in dasselbe Bild verwandelt werden. Und wenn das vollbracht ist, wird das Gesetz Zeugnis ablegen von diesem vollendeten, vollständigen Werk. Es ist die Gegenwart Christi, die etwas heilig macht. Was ist das Zeichen der Heiligung? [Versammlung: Der Sabbat.] Und völlige Heiligung ist Gottes Werk im Menschen. Wenn also Gottes Werk im Menschen vollständig ist, wird Gottes Gesetzes vollständig bezeugen. Aber welcher spezielle Teil von Gottes Gesetz ist speziell dafür ein Zeuge, für die vollständige Heiligung seines Volkes? [Versammlung: Der Sabbat des Herrn.] Er steht als Zeuge da, als Kronzeuge, und legt mit Zeugnis ab. Und dann wird das Siegel aufgedrückt, weil das Werk vollendet ist. Brüder, ist uns das Siegel Gottes nicht sicher? Und sind wir nicht schon jetzt in der Zeit der Versiegelung? [Versammlung: Ja.] Und zwar durch Gottes Gerechtigkeit, die aus dem Glauben Jesu Christi kommt, nicht wahr? Wer dieses Siegel empfängt, wem es aufgedrückt wird, der kann die Zeit der Plagen durchstehen, all die Versuchungen und Prüfungen Satans, wenn er mit aller Macht und Zeichen und Lügenwundern arbeitet. Denn die Verheißung lautet:

Off 3,10 Weil du das Wort von meinem Ausharren bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, die auf der Erde wohnen. [Zitiert nach Fußnote]

Und wenn das vorbei ist, dann kommt der Einzug in die himmlische Stadt. Brüder, wenn wir diese Gerechtigkeit Christi haben, haben wir, was jede Prüfung besteht!
An jenem Tag wird es zwei Gruppen geben. Es wird einige geben, die vor verschlossener Tür stehen und hinein wollen, und sie sagen: „Herr, öffne uns, wir möchten hereinkommen.“ Und jemand kommt und fragt: „Was habt ihr getan, dass ihr hereinkommen solltet? Welchen Anspruch habt ihr, in die Stadt einzutreten? Was gibt euch das Recht dazu?“
„O, wir kennen dich gut! Wir haben in deiner Gegenwart gegessen und getrunken, du hast auf unseren Straßen gelehrt. Ja, außerdem haben wir in deinem Namen geweissagt, in deinem Namen Teufel ausgetrieben und in deinem Namen viel Wunderbares getan. Wirklich, viele wunderbare Dinge haben wir getan! Herr, ist das nicht Beweis genug? Mach uns auf.“
Wie lautet die Antwort? „Weicht von mir, ihr Gesetzlosen.“ (Mt 7,23 SCH) Was haben sie gesagt? „Wir haben viele wunderbare Dinge getan, wir haben sie getan, wir sind in Ordnung, wir sind gerecht, wir sind aufrichtig.“ Aber „wir“ spielt jetzt keine Rolle, oder?

Es wird noch eine andere Gruppe geben an jenem Tag – eine große Menge, die niemand zählen kann, aus allen Nationen, Stämmen, Sprachen und Völkern, und auch sie werden kommen, um einzutreten. Und wenn jemand sie fragen sollte: „Was habt ihr getan, dass ihr hereinkommen solltet?“, so wäre die Antwort:
„O, ich habe ganz und gar nichts getan, um das zu verdienen. Ich bin ein Sünder, ganz abhängig von der Gnade des Herrn. Ach, ich war so am Boden, so völlig gefangen und in Knechtschaft, dass niemand mich retten konnte als allein der Herr; so unglücklich, dass ich nur eines tun konnte: mich unablässig vom Herrn trösten lassen; so arm, dass ich ständig vom Herrn betteln musste; so blind, dass der Herr allein mich sehend machen konnte; so nackt, dass niemand mich bekleiden konnte als der Herr selbst. Mein ganzer Anspruch ist, was Jesus für mich getan hat …
Aber der Herr hat mich geliebt. Als ich in meiner Nichtswürdigkeit nach ihm schrie, rettete er mich; als ich in meinem Elend Trost wollte, wurde er zu meinem Tröster. Als ich in meiner Armut bettelte, schenkte er mir Reichtum. Als ich ihn in meiner Blindheit bat, mir den Weg zu offenbaren, führte er mich, bis ich klar sah. Als ich so nackt war, dass niemand mich bedecken konnte, nun, da gab er mir dieses Gewand, das ich jetzt trage.
Und so ist alles, was ich bieten kann, alles, was ich bieten muss, was mir Eintritt verschaffen könnte, jeder Anspruch auf Einlass einfach nur das, was er für mich getan hat. Wenn das mich nicht durchbringt, muss ich draußen bleiben, und es wäre sogar nur gerecht. Bleibe ich draußen, habe ich dennoch keinen Grund, mich zu beklagen. Aber – gibt mir dies alles nicht Anrecht, einzutreten und das Erbe in Besitz zu nehmen?“
Doch der andere sagt: „Nun, einige hier nehmen es ganz genau; sie wollen ganz sicher sein, wer hier durchgelassen wird. Es gibt bei uns zehn Prüfer. Wenn sie einen Fall inspizieren und sagen, es gehe in Ordnung, kann er sofort herein. Seid ihr bereit, diese Leute rufen zu lassen, damit sie euch untersuchen?“ Dann werden wir antworten: „Ja, ja – denn ich möchte eintreten, und ich bin willens, mich jeder Prüfung zu unterziehen, denn selbst wenn ich abgelehnt werde, kann ich mich nicht beschweren. Auf mich selbst gestellt bin ich sowieso verloren.“
„Nun“, sagt er, „wir werden sie rufen.“ Und so werden die Zehn geholt, und sie sagen: „Jawohl, wir sind vollkommen zufrieden mit ihm. Nun, die Befreiung aus seinem Elend wurde von unserem Herrn bewirkt. Den Trost auf seinem ganzen Lebensweg, den er so nötig hatte, gab ihm der Herr. Seinen Wohlstand und was immer er besitzt, schenkte ihm der Herr. Und als Blinder ist alles, was er sieht, eine Gabe des Herrn, und er sieht nur, was dem Herrn gehört. Nackt, wie er war, trägt er doch ein Kleid, das der Herr ihm gegeben hat – der Herr hat es gewoben, und es ist ganz göttlich. Es ist alles nur Christus. Aber ja, er kann hereinkommen!“
[Versammlung beginnt zu singen: Jesus zahlte alles, alles schuld ich ihm, blutrot war der Sündenfleck, er wusch ihn weiß wie Schnee.]
Und dann, Brüder, wird von innen durch die Tore eine Stimme wie schönste Musik erklingen, erfüllt von der Sanftheit und dem Mitgefühl meines Heilands, und die Stimme wird sagen: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters. [Versammlung: Amen.] Warum steht ihr draußen?“ Und das Tor wird weit aufgestoßen werden, und uns wird reichlich gewährt der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus“ (2Pe 1,11).
Ja, er ist ein vollständiger Erlöser! Meine Seele erhebt den Herrn! Meine Seele jubelt heute Abend in dem Herrn, Brüder! Ja, mit David sage ich:

Ps 34,4 Erhebt den HERRN mit mir, lasst uns miteinander erhöhen seinen Namen!

Ist es nicht wahr, was in Jesaja 60 steht:

Jes 60,1 Steh auf, werde licht! Denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit des HERRN ist über dir aufgegangen.
2 Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften; aber über dir strahlt der HERR auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Brüder, er kann es tun, er will es tun – erlauben wir es ihm!

Quelle: General Conference Daily Bulletin, 27.2.1893. Gekürzt.

Über den Autor

Alonzo T. Jones

Alonzo T. Jones war Prediger, Redakteur und Autor. Er ist bekannt für seine Predigten auf der Generalkonferenz 1888 in Minneapolis. Mit seinem Freund und Kollegen Ellet J. Waggoner hatte er großen theologischen Einfluss auf die Kirche der Siebenten-Tags Adventisten.

hannes