islamIn den letzten Jahren hat die islamische Religion wieder weltweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil ihre radikalsten Vertreter versuchen, das politische, wirtschaftliche und religiöse Gefüge der globalisierten Welt von heute zu zerstören. Viele Christen und auch Moslems stehen ratlos vor den kaltblütigen Terrorakten von Menschen, die angeblich an Gott glauben, und fragen sich: Enthält die biblische Prophetie nicht Aussagen über eine Religion, die unter den Arabern entstanden ist und zur Identität dieses Volkes gehört? Die Antwort ist ja. Die Nachkommen Ismaels, leibliche und „geistliche“ (so nennt man mitunter Nichtaraber, die sich zum Islam bekehren), haben ihren Platz im Wort Gottes.

I. Im Alten Testament

Die Welt war noch jung und die Möglichkeit, Stammvater einer großen Nation zu werden, greifbar nahe. Abraham konnte davon träumen, dass sein Same einmal allen Generationen der Erde zum Segen sein würde (1Mo 12). Aber seine Frau war unfruchtbar, und auf ihren Vorschlag hin dachte er, eine Magd könne ihm zu einem Erben verhelfen. Gott sagte ihm jedoch, dass der Erbe Isaak heißen und von Sara, seiner rechtmäßigen Ehefrau, kommen würde. So kam es zur Jahrtausende alten Rivalität zwischen Dienerin und Herrin sowie zwischen den zwei Söhnen, die der Patriarch von diesen beiden Frauen hatte. In diesem Zusammenhang stoßen
wir auf die erste Verheißung über Ismael, den Sohn von Abraham und Hagar. Gott nimmt sich der Magd an und sagt über ihren Sohn: 1Mo 16,12 Und er, er wird ein Mensch wie ein Wildesel sein; seine Hand gegen alle und die Hand aller gegen ihn, und allen seinen Brüdern setzt er sich vors Gesicht. Etwas später sagt Gott zu Abraham (vgl. 1Mo 25,13-16; 1Chr 1,29ff.): 1Mo 17,20 Aber auch für Ismael habe ich dich erhört: Siehe, ich werde ihn segnen und werde ihn fruchtbar machen und ihn sehr, sehr mehren. Zwölf Fürsten wird er zeugen, und ich werde ihn zu einer großen Nation machen. 21 Aber meinen Bund werde ich mit Isaak aufrichten
…

Zwei konkurrierende Samen

Beide Söhne Abrahams sollten Väter großer Völker werden. Aber Gottes Bund, der Plan zur Erlösung der Welt, die Offenbarung göttlicher Herrlichkeit, die gute Nachricht für die Menschheit, die geistlichen Segnungen der Erstgeburt – sie würden allein durch den legitimen Erben Isaak kommen (siehe Joh 4,22; Röm 2,17-20; 3,1-2; 9,4-5). Unter diesen Umständen war klar, dass die beiden Samen nicht zusammenwohnen konnten. Als die Rivalität zwischen den Söhnen zutage trat, wurde die Magd mit ihrem Sohn weit weg in die Wüste geschickt (1Mo 21,8ff.). Seine Nachfahren lebten dort „all ihren Brüdern zum Trotz“ (wörtlich: in Feindschaft;
1Mo 16,12; so auch z. B. in 2Chr 21,16). Das bringt auch Paulus zum Ausdruck, wenn er sagt, dass Gal 4,29 ELB der nach dem Fleisch Geborene den nach dem Geist Geborenen verfolgte …
Der Geist der Weissagung schreibt über Ismael: PPe 146 Sara sah in Ismaels unbändigem Temperament einen ständigen Auslöser für Streitereien PPe 173f. Der mangelnde Glaube von Abraham und Sara hatte zur Geburt von Ismael geführt, zur Vermischung des gerechten Samens mit dem gottlosen. Dem Einfluss des Vaters wurde
durch die götzendienerische Verwandtschaft der Mutter und durch Ismaels Eheschluss mit heidnischen Frauen entgegengewirkt. Die Eifersucht Hagars und der Ehefrauen, die sie für Ismael wählte, umgab seine Familie mit einer Mauer, die zu überwinden Abraham sich vergeblich mühte … Abrahams frühe Erziehung war nicht ohne Wirkung auf Ismael geblieben, aber durch den Einfluss seiner Ehefrauen hielt der Götzendienst Einzug in seine Familie. Die Trennung von seinem Vater und die Verbitterung durch den Zank und Streit in einem Heim ohne die Liebe und Furcht Gottes trieben Ismael in das wilde, räuberische Leben eines Wüstenrebellen, „seine Hand gegen jedermann und jedermanns Hand gegen ihn“ (1Mo 16,12 SCH). In seinen späteren Jahren bereute er diesen bösen Lebenswandel und kehrte zum Gott seines Vaters um, doch die charakterliche Prägung, die er an seine Kinder weitergegeben hatte, blieb. Die mächtige Nation, die aus ihm hervorging, war ein stürmisches, heidnisches Volk, das Isaaks Nachkommenschaft immer wieder Ärger und Trübsal brachte.

Die Kinder des Ostens

Nachdem Abraham verwitwet war, nahm er sich Ketura zur Frau, doch auch ihre Söhne sandte er weit weg von dem rechtmäßigen Erben, um möglichst jedem Konflikt aus dem Weg zu gehen, der den göttlichen Plan behindern könnte (1Mo 25,1-6). Später verband sich Esau, der sein geistliches Erbe verachtete, mit einer Tochter
Ismaels und siedelte sich in den Weiten der Wildnis östlich des verheißenen Landes an (1Mo 36,1-19). Alle diese Beduinen-oder Nomadenvölker (das bedeutet der Begriff „Araber“) bildeten schließlich „die Söhne des Ostens“, wie die Bibel sie nennt (1Mo 29,1; Ri 6,3; 1Kön 4,30). Als die Grenze von Gottes Langmut für Moab und die Kinder Ammon überschritten war, überließ Gott ihr Gebiet diesen Völkern des Ostens (Hes 25,4.10 etc.). Einige haben versucht, Bileams Herkunft bei den Kindern des Ostens zu finden, doch diese Verbindung ist unsicher. Offensichtlich aber befand sich Bileam irgendwo zwischen dem rechtmäßigen und dem gottlosen Samen, denn obwohl er ein Prophet war, war er bereit, Isaaks Nachfahren zu verfluchen und zu verderben (4Mo 22,21; 31,16). Andere Ausleger möchten auch Hiob, Moses Schwiegervater Jethro, die Sulamitin aus dem Hohelied, die Königin von Saba, die Salomo besuchte, den Ismaeliter Obil, Hüter der königlichen Kamele (1Chr 27,30), und die Weisen aus dem Osten, die kamen, um Jesus in der Krippe zu salben (Mt 2), zu legitimen Erben Abrahams machen. Tatsächlich ist es jedoch schwierig, den Ursprung von Hiob, der Sulamitin und der Weisen, die Jesus salbten, zu bestimmen. Die biblischen Schilderungen zeigen uns deutlich, dass Gottes Prophezeiungen nicht willkürlich irgendwelche Personen und Völker betrafen, sondern sich einfach nach der Erbfolge richteten (2Mo 20,5; 5Mo 23,3.5.8). Die Tore zu Gottes Reich stehen allerdings jedem offen, der sich aus den gefallenen Generationen bekehrt, denn Gott „erweist Gnade an Tausenden von Generationen“ derer, die ihn lieben und seine Gebote halten (2Mo 20,6). Was die Söhne des Ostens angeht, bezeugt die Mehrheit der historischen Berichte ihren Götzendienst und ihre Feindschaft gegenüber dem wahren Samen und bestätigt damit die göttlich-prophetische Vorausschau. Schon früh in der Geschichte sehen wir, wie die Ismaeliter (auch Midianiter genannt) Joseph keine Gnade zeigten, als sie ihn als Sklaven erwarben (1Mo 37,28.36; 39,1). Selbst Mose musste – obwohl die Midianiter das Volk seiner Frau und seines Schwiegervaters waren, der von Ketura abstammte (1Mo 25,1.2) – sie verurteilen, weil sie die Israeliten in Baal-Peor zur Hurerei verführt hatten (4Mo 25). Zur Zeit der Richter kamen die Midianiter gemeinsam mit den Amalekitern und allen anderen Völkern des Ostens „wie Heuschrecken“ über Israel, um sie zu drangsalieren und schließlich aufzureiben (Ri 6-7). In der Zeit der Könige fielen die Araber erneut in das Land ein. Gott entzog dem abtrünnigen Volk seinen Schutz, und der Zerstörer begann sein Werk durch diese feindseligen „Brüder“ (2Chr 21,16; 26,7). Auch zu Esras und Nehemias Lebzeiten ist einer der Widersacher der Juden Geschem, ein Araberkönig mit Sitz in Kedar (Esra 4; Neh 2,19; 6,1.2.6).

Die Weissagung in Jesaja 60 aus christlicher Sicht

In Jesaja 60,1-7 finden wir die letzte Verkündigung des Evangeliums beschrieben, die die ganze Welt umspannt. In Jerusalem, der Hauptstadt des Königreichs Juda, kommt es zu einer großartigen Wiedervereinigung der Erlösten aus allen Nationen. Dabei werden unter den heidnischen Völkern auch die Nachkommen Ismaels (Nebajot: 1Mo 25,13; 28,8.9; 36,2.3; 1Chr 1,29-31) und weitere Völker des Ostens erwähnt, die zur Ehre des Herrn Weihrauch bringen. Viele haben eine Erfüllung dieser Weissagung in den Weisen gesehen, die aus dem Osten kamen, um den Sohn Gottes aufzusuchen. Andere träumen davon, dass die Araber sich am Ende dem Evangelium zuwenden werden. Wie lässt sich diese Prophezeiung aus christlicher Sicht verstehen? Galater 4,28-31 beschreibt Ismaels Linie als Feinde von Isaaks Linie. Aus christlicher Sicht zählen jedoch nur die geistlichen Nachfahren Abrahams („das Israel Gottes“; Gal 6,16). Der Apostel Paulus zeigt nämlich auf, dass die fleischlichen Nachkommen Saras die Segnungen der Erstgeburt letztendlich verwarfen und ebenso zu Gegnern der geistlichen Nachkommen wurden. Darum ist der einzige Same Abrahams, der im christlichen Zeitalter als Erbe der göttlichen Verheißungen gelten kann, der geistliche, der aus allen Menschen besteht – Juden wie Heiden –, die sich zum Evangelium bekehren. Aus dieser neutestamentlichen Warte erfüllt sich alles, was im Alten Testament je einem Volk als Segen oder Fluch angekündigt worden ist, auf geistliche oder symbolische Weise im christlichen Zeitalter (siehe Off 11,8; 17). Die 144 000 aus allen Stämmen Israels (von denen die
meisten zur Zeit von Johannes gar nicht mehr existierten) repräsentieren entsprechend die geistliche Armee der Erlösten aus allen Nationen, Stämmen, Sprachen und Völkern, die Gott in einer rebellischen Welt bewahrt hat, um die letzte Glaubensschlacht zu schlagen (Off 7,4-8; 14,1-12). Erlösung ist global, aber die  etymologische [Wortherkunft] und symbolische Verbindung geht nach wie vor auf die Kinder Israel zurück. Sogar die Tore des Neuen Jerusalem sind mit den Namen der zwölf Patriarchen beschriftet, die Grundsteine mit denen der zwölf Apostel (Off 21,12.14). Wie lässt sich nun aus dieser christlichen Sicht die Weissagung in Jesaja 60 verstehen, wo Erlöste aus allen Nationen nach Jerusalem ziehen (siehe auch Jes 2,2-5; Mi 4,1-3)? Sie erfüllt sich auf einer geistlichen Ebene durch die Bekehrung der Heiden zum Evangelium – einschließlich der Bewohner Arabiens (Apg 2,11). Deshalb beschreibt die Offenbarung die Versammlung der erlösten Völker nicht im alten Jerusalem, sondern im neuen, „dem himmlischen“ (Heb 11,16), ohne die Namen der Völker zu nennen (Off 21,24.26). Zwar werden auf der Neuen Erde tatsächlich viele Nationen unter den Erlösten vertreten sein, die ihre Herrlichkeit zur Stadt des großen Königs bringen, doch wird das erst nach der Auferstehung jener Toten möglich sein, die sich aus diesen Nationen bekehrt haben (siehe Jes 19,19-25). Auch Ellen White deutete die Erfüllung von Jesaja 60,1-7 aus christlicher Perspektive. Sie sah darin eine Schilderung, wie Heiden sich am Ende der Welt bekehren (DA 34; GW 28; HP 313). RH, 24. Juni 1915 Diese Vorhersagen einer großen geistlichen Erweckung in einer Zeit dichter Finsternis erfüllen sich heute in der wachsenden Anzahl von Missionsstationen, die in die dunklen Gebiete der Erde vordringen. Die missionarischen Gruppen in heidnischen Ländern hat der Prophet mit Bannern verglichen, die zur Orientierung von Menschen aufgerichtet werden, die nach dem Licht der Wahrheit suchen. (Siehe auch 3MR 284f.; 12MR 399; LS 295; Ev 706 etc.) Manche ziehen die Rettung eines überrestes des Alten Israel in Hosea 2,1.25 sowie 3,4.5 heran und meinen, diese Vorhersage sei nicht nur geistlich zu verstehen. Doch in diesen Abschnitten geht es vor allem darum, dass die zehn Stämme Israels nicht länger Gottes Volk sind (siehe auch Jes 7,8). Die Ankündigung, dass sie einmal erneut Gottes Volk sein werden, erfüllt sich in der Bekehrung von Menschen, die wie sie nicht Gottes Volk sind (Röm 9,25-33; 1Pe 2,9.10). Das Gleiche trifft auf die Bekehrung der Ägypter und Assyrer zu, die Jesaja prophezeit (Jes 19,18-24). Die antiken Ägypter und Assyrer fallen ebenso unter diese symbolische Kategorie wie die übrigen aus anderen Völkern. Dazu kommen die Erlösten aus diesen Nationen, die sich schon in alten Zeiten zum Herrn bekehrt hatten, nach dem Licht, das sie hatten, und die auferweckt und Teil der Völker sein werden, die als Erlöste das Neue Jerusalem betreten, um Gott zu loben und aus seinem Gesetz zu lernen (der einzigen göttlichen Offenbarung). (Siehe Jes 2,1-4; Off 21,24-26 in Verbindung mit Röm 2,14-16) Diese Position vertritt auch der Geist der Weissagung in Propheten und Könige, Seite 210f. Ellen White beschreibt dort die Erfüllung von Hoseas Verheißung,
dass es einen überrest des Alten Israel geben wird, aber sie bezeichnet die Prophezeiung als „symbolische Sprache“ und erklärt, dass sie sich mit der Wiederkunft Christi erfüllen wird. Passend dazu sagt sie an anderer Stelle, dass 1SG 107 einzelne Juden sich bekehren werden; aber als Nation hat Gott sie endgültig verlassen.
EW 75 Das alte Jerusalem [mit seinem Tempel und der Herrlichkeit Gottes in dessen Mitte] wird nie mehr aufgebaut werden. Das Gleiche ließe sich über Ismael als Volk und über jede andere Nation sagen. Erlösung geschieht auf persönlicher Ebene, und nur ein überrest des geistlichen Samens wird am Ende gerettet werden (Off 12,17). Die Verheißung in Römer 9 und 11 bezieht sich auf die einzelnen Juden, die sich zu Christus bekehren, und buchstäblich auf ganz Israel am Weltende, wenn die Angehörigen aller Stämme, die sich je zu Gottes Gesetz bekehrt haben, auferstehen werden.

II. Im Neuen Testament

In früheren Zeiten versprach Gott seinem Volk seinen Beistand, sollte es mit irdischen Mächten konfrontiert werden, die es vernichten wollen (1Mo 12,3; 5Mo 28,7; 30,7). Kriegsposaunen sollten geblasen werden, um sie aus der Bedrängnis durch andere Königreiche zu retten (4Mo 10,9; Ps 79,6-12; Jer 51,27.35.36). Aber in diesem
kriegerischen Machtkampf der Nationen würde Gott seinem eigenen Charakter treu bleiben (siehe Jes 10,5-7; Jer 51,20). Er war der Lenker aller Schicksale. Er würde Kriege zulassen, aber so steuern, dass sie letztlich dem Schutz seines Volkes dienten. Doch wie sollte Gott seine Gemeinde im neuen Heilszeitalter bewahren, wo es nur noch ein „geistliches Reich“ gab? Durch wen würde er die letzte unterdrückende Macht in Schach halten, die in ihren verschiedenen Formen und Phasen die Boten der göttlichen Offenbarung bedrängen sollte? (Off 1,9; 6,9.10; 11,3; 12,17; 14,12; 17,6; 20,4) Die Offenbarung gibt die Antwort. Auch in der christlichen Ära sollten unter Gottes Aufsicht Kriegsposaunen geblasen werden, um Roms Macht in die Schranken zu weisen. In diesen Kriegsrufen sollten die Kinder des Ostens lange Zeit eine wichtige Rolle spielen, was allerdings nicht heißt, dass Gott speziell den Nachkommen Ismaels eine Verheißung gegeben hätte.

Die Posaunen in der Offenbarung

Im späten Mittelalter erkannten die Protestanten, dass es im Grunde nur zwei Invasionen in der Geschichte gab, die das römische Joch erschüttert hatten: erstens die Einfälle der Barbaren, die das alte Weströmische Reich zu Fall brachten, wie Gott es in den ersten vier Posaunen der Offenbarung vorhergesagt hatte; zweitens die mittelalterlichen Muslime als Erfüllung der Gerichte in der fünften und sechsten Posaune, die zum endgültigen Untergang des Oströmischen Reiches führten und mehr als ein Jahrtausend lang das Heilige Römische Reich bedrängten, das im Westen den Platz der römischen Cäsaren eingenommen hatte. (Da ich mich dieser Thematik ausführlich in mehreren Büchern gewidmet habe, siehe www.adventistdistinctivemessages.com, beschränke ich mich hier auf die wichtigsten Punkte.)

Die fünfte Posaune

Die fünfte Posaune (Off 9,1-11) ruft zum Krieg gegen das mittelalterliche Rom. Sie ist voll von typisch östlicher Wüstensprache, weswegen auch große Einigkeit unter den Auslegern des zweiten christlichen Jahrtausends herrschte (besonders unter Protestanten), dass hier die islamischen Invasionen beschrieben werden. Johannes
sieht einen vom Himmel gefallenen Stern, was auf einen östlichen Ursprung dieses Strafgerichts hindeutet, da die Sterne aus dem Osten kommen (der Stern in der dritten Posaune, Hunnenkönig Attila, kam auch aus dem Osten). Der gefallene Stern erhält den Schlüssel zum Abgrund, aus dem Rauch und Reiterarmeen aufsteigen, sich wie Heuschrecken ausbreiten und wie Skorpione schmerzen. Löwenzähne veranschaulichen ihre Wildheit. Ihr König ist der Engel des Abgrunds namens „Verderber“. Die Bibel gibt uns viele Hinweise zur Deutung der Symbolik, z. B.: Menschen werden in der Bibel mitunter Engel genannt, um die enge Verbindung zwischen
Himmel und Erde hervorzuheben (siehe Off 2,1.8.12; 9,14f.; Jes 24,21f.). Eine andere Stelle, wo ein Mensch „Verderber“ heißt, ist Jesaja 54,16. „Abgrund“ ist der Ort des Todes, symbolisch das Totenreich (vgl. Hiob 26,6; 28,22; 31,12; Ps 88,11; Spr 15,11; 27,20). Anderthalb Jahrhunderte nach dem Fall Westroms unter den Barbarenkönigen begannen die muslimischen Invasionen das Oströmische Reich und das nun „Heilige Römische Reich“ im Westen zu drangsalieren. Das islamische Reich aus den Wüsten des Ostens tauchte plötzlich und wie aus dem Nichts auf. Es wäre nie zu einem Einmarsch gekommen, hätte nicht Mohammed eine flammende Rede gegen das götzendienerische und abgefallene römische Christentum gehalten. Mit Blick auf die Bedeutsamkeit dieses neuen Propheten für die Vereinigung der Araber sahen viele Christen bereits im Mittelalter in ihm den vom Himmel gefallenen Stern, der die Hölle geöffnet hatte, um die gottlose Welt zu peinigen – auch wenn das Gericht dieser Posaunen erst nach Mohammeds Tod begann, mit der ersten militärischen Eroberungswelle des Islam.

Der Engel des Abgrunds

Beim „Engel des Abgrunds“ handelt es sich nicht um Christus oder den Engel, der am Ende den Teufel im Abgrund einschließt (Off 1,18; 20,1-3). Weder Christus noch gute Engel werden in der Bibelals vom Himmel gefallen dargestellt – im Gegensatz zu Luzifer (Jes 14,12; Lk 10,18). Der Abgrund ist in der Bibel der Aufenthaltsort
Satans und seiner aufrührerischen Engel, aus dem sie hervorkommen, um die Völker zu täuschen und zu vernichten (Jes 14,12.15-19; Lk 8,27.29.31; Jud 6.13; 3Mo 16,10.21f.; Off 20,1-3). Deshalb deuten viele den Engel des Abgrunds in der fünften Posaune auf Satan, der durch Mohammed die Hölle öffnet, um einen weitreichenden Rachefeldzug gegen die gottlose römische Christenheit zu führen. Bedenken wir auch, dass in der Bibel nicht nur der Menschensohn, sondern auch Engel, Menschen und selbst die Pharisäer Schlüssel haben (Mt 16,19; 18,18; Lk 11,52). Die Gemeinde zum Beispiel kann mit dem Schlüssel des Wortes Gottes einen unbußfertigen, bösen Menschen auf geistlicher Ebene „dem Satan überliefern“, bis er am Ende bei der Wiederkunft des Herrn umkommt (1Kor 5,4ff.). Ein „Schlüssel“ steht daher für Macht und Autorität. Die Macht über den Tod war nach dem Sündenfall in der Hand Satans (Heb 2,14). Christus entrissihm diese Macht (Off 1,18; Jud 9), doch kann der Teufel sie zum Teil noch immer ausüben, wenn nämlich Menschen ihm gestatten, sein Gefängnis zu verlassen und über sie herzufallen, um sie auszulöschen (Mt 12,43-45). Vollständig im Abgrund gebunden wird Satan also erst am Weltende sein, wenn er die Nationen nicht mehr verführen kann (Off 20,1-3).

Die nicht das Siegel Gottes an ihrer Stirn haben

Dass die fünfte Posaune ein göttliches Strafgericht gegen das abtrünnige christliche Rom war, zeigt sich auch darin, dass nur diejenigen betroffen waren, die nicht das Siegel Gottes an ihrer Stirn hatten. Dieses Siegel ist Gottes Gesetz (Jes 8,16), und das Siegel im Gesetz ist der Sabbat (2Mo 20,8-11; 31,13-17; Hes 20,12.20). Da
„der Menschensohn Herr des Sabbats ist“ (Mk 2,28), gehört der Sabbat ihm (Jes 58,13). Wer also den Sabbat hält (was praktisch bedeutet, das ganze Gesetz zu halten; Jak 2,10), gehört zu Gott und empfängt sein Siegel an der Stirn (5Mo 6,8; Heb 8,10). Schon bald nach seinem Machtaufstieg über Westrom hob das Papsttum
den wahren Tag des Herrn auf, indem Sonntagsgesetze erlassen wurden, die den ersten Tag der Woche ehrten statt des siebten, des Herrentages. Zuwiderhandlungen wurden bestraft. Zur selben Zeit tauchten die arabischen Sarazenen am Horizont auf, um die zu quälen, die das Siegel des göttlichen Gesetzes gebrochen hatten. In seinem ersten Feldzug gab Abu Bakr sogar Befehl, mit dem Säbel den Kopf von Christen zu spalten, die eine Tonsur trugen [Mönche].

War Mohammed ein echter Prophet?

Dass die Offenbarung Mohammed als vom Himmel gefallenen Stern darstellt, hat eine ganze Anzahl von Auslegern zu dem Schluss geführt, Mohammed sei ein echter Prophet gewesen, der später jedoch abfiel. In Jesaja 14,12 jedoch wird die Geschichte des thronraubenden Fürsten dieser Welt ähnlich nachgezeichnet: als Stern, der vom Himmel fällt. Vordergründig geht es in dieser Geschichte um den König von Babylon, der nie ein Prophet gewesen ist, dessen Charakter aber eindrucksvoll den rebellischen Engel verkörpert, der vom Himmel fiel und versuchte, das abtrünnige Volk Israel zu vernichten. Ähnliches taten Mohammeds Nachfolger, als er den Abgrund geöffnet hatte: Ihre ganze schreckliche Wut richtete sich gegen Rom, um es zu quälen, ohne es jedoch auslöschen zu können. Die Offenbarung sagt: Off 9,6 In jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und ihn nicht finden; und sie werden begehren zu sterben, und der Tod wird von ihnen fliehen.
Mohammed hat Großes geleistet. Er rottete den Götzendienst aus und machte sein Volk zu Monotheisten. Auf der anderen Seite stellte er sich über Christus und die anderen biblischen Propheten (Sure 33,40; 61,6; 7,156) und lehnte sowohl Jesu Göttlichkeit ab (Sure 5,77.78 und viele andere) als auch seine Menschwerdung
als Sohn Gottes. „Es geziemt Gott nicht, einen Sohn zu zeugen“ (Sure 19,35). Zwar glaubte er an Jesu Jungfrauengeburt, sah es aber einfach als Machtbeweis Gottes, dass ein Mensch ohne Zutun eines Mannes geboren werden kann (Sure 19,21), so wie auch Adam und Eva nicht gezeugt worden sind. Der „Geist von Gott“, der laut
Mohammed Marias Empfängnis bewirkt hat, hat nichts mit einer Person der Gottheit zu tun, denn Mohammed verwarf die Dreieinigkeit. Auch der Engel Gabriel ist im Islam ein „Geist von Gott“ (Sure 2,81; 26,193; 42,52). Mohammed behauptete, seine „Offenbarung“ vom Engel Gabriel empfangen zu haben, den er in einer Vision
kurz beschreibt (Sure 53,4-9; vgl. 2,97). Das stellt uns vor die Frage, ob es wirklich Gabriel war, der ihm seine Offenbarung brachte, oder ein rebellischer Engel, der sich gern als „Engel des Lichts“ verstellt und seine Anhänger als Apostel des Herrn und Diener der Gerechtigkeit ausgibt (2Kor 11,14.15). Wie können wir das
beantworten? Hätten wir nur den Koran, wäre es schwierig und davon abhängig, ob wir Mohammed für glaubwürdig halten. Für den Christen jedoch „ist das Wort Gottes der große Lügendetektor“ (CTr331). Und es ist nicht zu leugnen, dass das heilige Buch des Islam zwar von der Bibel spricht, den Koran jedoch darüberstellt. Denken wir daran, dass alle wahren Propheten stets das Zeugnis der Propheten vor ihnen bestätigt haben. Nach der Offenbarung war der Grund für die Märtyrer in den folgenden Jahrhunderten nicht, dass sie Mohammed bezeugten, sondern „das Wort Gottes [Altes Testament] und das Zeugnis Jesu [Neues Testament]“ (Off1,9; 6,9.10; 12,17; 14,12; 17,6; 20,4). In den islamischen Invasionen ist davon nichts zu finden, denn die Moslems verbreiteten nicht die Bibel, sondern den Koran mit dem Ziel, ihn der ganzen Welt und jeder Religion aufzudrücken (Sure 48,28; 61,9). Und welchen Inhalt hat der Koran? Es ist eine Vermischung des gerechten Samens
mit dem gottlosen, wie sie auch in Ismael existierte. Seien wir also vorsichtig, denn der aufsässige Fürst liebt es, Menschen durcheinanderzubringen, indem er Wahrheit und Irrtum zusammenmixt. Schwester White schreibt: 8T 184 Der Feind ist entschlossen, Irrtum mit Wahrheit zu vermischen. Ev 589 Irrtum kann nicht für sich bestehen und würde schnell aussterben, würde er sich nicht wie ein Parasit an den Baum der Wahrheit krallen. Der Irrtum bezieht sein Leben von Gottes Wahrheit. Menschliche Traditionen heften sich wie Bazillen an die Wahrheit Gottes und werden von den Leuten als Teil der Wahrheit angesehen. Wer den Koran liest, kann nicht übersehen, dass es kaum eine Seite gibt, wo nicht mit irgendwelchen Horrorszenen von der Hölle gedroht wird, manchmal zusätzlich zu Aussagen, wie leicht Gott vernichten kann (Sure 4,169). Es fällt darum nicht schwer, in dem Rauch aus dem Abgrund, den Mohammed geöffnet hat, ein Bild der Hölle zu erkennen, mit der
die muslimischen übergriffe die abgefallene römische Christenheit im gesamten Mittelalter bedrohten und quälten (1Mo 19,29; Jud 7). Zu diesem prophetischen Schreckensbild passt auch das Symbol des zähnefletschenden Löwen, denn die Bibel sagt, dass Satan „umhergeht wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann“ (1Pe 5,8). Der Wüstenskorpion (5Mo 8,15) ist zudem ein passendes Bild dafür, auf welche Weise er peinigte und terrorisierte (1Kön 12,14; 2Chr 10,11.14): Es war arabische Militärtaktik, den Feind unerwartet zu überfallen (Neh 4,11), wodurch die Menschen in ständiger Angst lebten und nie wussten, wann „der nächste Stich“ kommen würde (Hes 2,6).

Die Zeitangabe

Zweimal wird in der fünften Posaune eine Invasionszeit von fünf prophetischen Monaten angegeben, was perfekt zu den zwei Eroberungswellen der arabischen Sarazenen und osmanischen Türken passt. Von Mohammeds sprühender Rede im Jahr 612 bis zur Gründung Bagdads als „Haus des Friedens“ 762 liegen 150 wörtliche Jahre. Nehmen wir Abu Bakrs ersten Feldzug 632 als Ausgangspunkt, befinden wir uns 150 Jahre später im Jahr 782, als Harun ar-Raschid bis an die Tore Konstantinopels kam und sich trotz seiner Erfolge für einen Friedensvertrag entschied, der den bis dahin vorherrschenden Eroberungshunger beendete. 1299 wurde in Sögüt das Türkische Reich gegründet, und am 27. Juli desselben Jahres fand die erste bedeutsame Schlacht in Bapheus statt. 150 Jahre später (1449) wurde mit Erlaubnis des türkischen Sultans der letzte oströmische Kaiser gekrönt. Der wahre Herrscher all dieser Gebiete war damit der Sultan, der bald erfüllen sollte, was die sechste
Posaune angekündigt hatte. Lassen wir am Ende unserer Betrachtung der fünften Posaune moderne Historiker zu Wort kommen. Die islamischen Eroberungszüge führten zur Spaltung des Römischen Reiches in den ersten fünf Jahrhunderten der christlichen Ära. Zahlreich waren die Versuche des Byzantinischen Reiches und des Papsttums, Ost und West zu vereinen, doch die Trennung besteht nach wie vor, heute zwischen orthodoxem und katholischem Christentum. Zur Wiederherstellung der Einheit waren sie auf den Seeweg angewiesen, den die Moslems blockierten. Einer von vielen säkularen Geschichtsschreibern drückt es so aus:
Was die europäische Geschichte betrifft, muss der Aufstieg des Islam als destruktiver Faktor eingeordnet werden. (Hayes / Baldwin / Cole, History of Western Civilization, 137f.) Das entspricht ganz Johannes’ Schilderung der zerstörerischen Macht in der fünften Posaune.

Die sechste Posaune

Die sechste Posaune führt die wesentlichen Merkmale der vorigen Posaune fort, was darauf hinweist, dass sie dieselbe islamische Macht beschreibt. Die Art der Kriegsführung ist unverändert, weil sie auf der gleichen Theologie fußt. Während die fünfte Posaune quälte, ohne zu töten (sie war nicht in der Lage, das Byzantinische
Reich auszulöschen), erhält die sechste Posaune einen tödlichen Auftrag. Nach einer langen und zermürbenden Leidenszeit fällt das Oströmische Reich im Jahr 1453. Von da an stürmen die türkischen Horden in ihren Eroberungszügen nach Europa (Off 9,14; symbolisiert durch den Euphrat), und über das Heilige Römische Reich legt sich der Schatten des Todes. Aus den Mäulern der Pferde mit Löwenköpfen kamen Feuer, Rauch und Schwefel (Off 9,17). Diese Schilderung verweist eindeutig auf das bis dato unbekannte Schießpulver, das aus Schwefel, Holzkohle und Kaliumnitrat bestand. Die byzantinische Hauptstadt fiel am 12. April 1453 unter dem Feuer der türkischen Kanonen. Selbst die drei kräftigen Farben Rot, Blau und Gelb in der Kleidung der türkischen Reiter wurden vom Apostel Johannes mit erstaunlicher Genauigkeit beschrieben. Ihre Zahl „zweimal 10 000 mal 10 000“ steht für eine unzählbare Kriegsschar (ähnlich werden auch die unzähligen Engel am himmlischen Hof beschrieben; Dan 7,10; Off 5,11), die sich die Eroberung der ungläubigen Welt auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Hauptphase der sechsten Posaune

Manchmal definiert Gott eine Zeitspanne über mehrere Rechenwege. Eine weit anerkannte Methode zur Berechung prophetischer Zeitangaben ist, einen Tag als ein Jahr anzusehen. „Eine Zeit, [zwei] Zeiten und eine halbe Zeit“ ist der glei-che Zeitraum wie 1260 Jahre (siehe Off 12,6.14). In der sechsten Posaune hat Gott die Zeitdauer als einen Tag, einen Monat und ein Jahr angegeben (Off 9,15), was nach dem obigen Rechensystem 391 Jahre bedeutet. Der letzte byzantinische Kaiser wurde mit Billigung des türkischen Sultans 1449 gekrönt. Das führte viele zu dem Schluss, das Ende der türkischen Vorherrschaft auf das Jahr 1840 zu setzen (= 391 Jahre später). Und so geschah es auch, dass am 11. August 1840 das Türkische Reich
sich freiwillig den europäischen Nationen unterstellte, die ihm ihren Schutz zugesagt hatten. Am selben Tag trat das europäische Ultimatum gegen den ägyptischen Pascha in Kraft, der sich das Türkische Reich einverleiben wollte. Der 11. August war für Konstantinopel entscheidend, weil der türkische Sultan den Schutz der europäischen Nationen annahm, die ihn wissen ließen, dass sie nun die Herren der Lage waren. Er war auch für Beirut bedeutsam, weil der Statthalter des ägyptischen Paschas den Befehl erhielt, sich aus dem Gebiet zurückzuziehen, ohne auf Order desselbigen Paschas aus Alexandrien zu warten. Der Pascha verließ Alexandrien zwei Tage vor Ankunft des Konvois aus Konstantinopel, um dem europäischen Ultimatum auszuweichen, das seine Stadt am 11. August erreichte und für großes Aufsehen sorgte. Das Ultimatum wurde ihm schließlich einige Tage später in die Hände gelegt. Zwar lehnte er es ab, musste sich aber, noch bevor das Jahr 1840 verstrichen war, der Anordnung der Großmächte Europas beugen. Angesichts der engen Verzahnung der zwei Posaunen, die vom selben Türkischen Reich handeln – als einer Macht, die zuerst quält und später tötet –, haben viele die zwei Zeitangaben (150 Jahre und 391 Jahre) direkt zusammengefasst, was einen Zeitraum von 541 Jahren ergibt. Ausgangspunkt ist dabei die Schlacht von Bapheus, die am 27. Juli 1299 stattfand und die zweite islamische Angriffswelle über 150 Jahre unter den osmanischen Türken einläutete. Fügtman den beiden Zeitspannen noch die in der sechsten Posaune erwähnte prophetische „eine Stunde“ (= 15 buchstäbliche
Tage) hinzu, gelangt man als Enddatum zum 11. August 1840 – zur großen Verwunderung vieler, die diese exakte Erfüllung mit eigenen Augen erkannten. Andere Ausleger beginnen die 391 Jahre aus der sechsten Posaune mit dem endgültigen Fall des Byzantinischen Reiches 1453 und sehen den Abschluss im Toleranzedikt des Sultans vom 21. März 1844, das auf Druck Englands zustandekam. In diesem Erlass verpflichtete sich der Sultan, „Ungläubige“, die vom Islam zum Christentum übergetreten waren, nicht mehr zu töten. So liegen zwischen dem Zeitpunkt, wo sie zum Töten losgelassen wurden, und dem Beschluss, nicht länger zu töten, genau 391 Jahre.

Die Folgen der islamischen Invasionen

Wer berief Mohammed und ließ die muslimischen Scharen auf die abtrünnige römische Welt los? War es Gott? Ja! In der Bibel wird das, was Gott zulässt, so dargestellt, als würde er es selbst bewirken, denn wenn er seinen Geist zurückzieht wie beim ägyptischen Pharao, ist der Teufel da, um die Leere zu füllen und das Herz zu verhärten (2Mo 7,3.4; 9,12; 10,20.27; Röm 9,17.18). Aber weshalb stellt der Teufel ein Reich im Osten auf, um ein anderes zu vernichten, das er selbst im Westen errichtet hat, um die Gläubigen zu töten (Off 6,9.10)? Zuerst einmal ist dies kein Einzelfall, denn das Gleiche geschieht später mit dem „Tier aus dem Abgrund“ (Off 11,7),
das aus dem Aufenthaltsort des Teufels hervorkommt (wie wir schon gesehen haben), um der römischen Macht eine tödliche Wunde zuzufügen. Bei diesem Tier handelt es sich um die atheistische Macht, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts aufkommt und die Welt miteinem neuen System ungläubiger Skepsis betrügt. Darüber hinaus lesen wir: „Satan liebt Krieg“ (GC 589), so wie manche Menschen sich für Kämpfe zwischen Hähnen, Hunden, wilden Tieren oder auch Boxern begeistern. Durch das römische Papsttum verhüllte der Teufel die Bibel, damit er die Welt leichter täuschen und selbst die Rolle von Christus und Gott einnehmen konnte. Er verfolgte außerdem die übrigen des wahren Samens des Christentums, die gezwungen waren, in unbewohnten Gegenden Zuflucht zu suchen (Off 12,6.14). Gleichzeitig bemühte er sich, die Bibel durch andere Offenbarungen zu verdrängen, die als Grundlage dienten, um die christliche Zivilisation möglichst auszulöschen.
Was war Gottes Rolle dabei? Durch die muslimischen Invasionen strafte Gott Roms Abfall und verschaffte den vom Papsttum Verfolgten eine Ruhepause: Um den islamischen Einfällen zu begegnen, mussten die Päpste ihre Pläne zurückstellen, die angeblichen Ketzer auszurotten, die die Bibel verbreiteten. Sie brauchten die Unterstützung der Protestanten, um den gemeinsamen Feind aufzuhalten, der den christlichen Glauben aus Europa gänzlich auszuradieren drohte. Als der Lenker aller Schicksale kann Gott sich jede Situation zunutze machen. Ed 173 Hinter, über und in allem Kräftespiel menschlicher Interessen, Mächte und Emotionen sehen wir das Wirken des Allbarmherzigen, der still und geduldig den Ratschluss seines eigenen Willens zustandebringt. [siehe Apg 4,27.28]

Schluss

Lasst uns nicht versuchen, den Islam in eine besondere prophetische Rolle für unsere Zeit zu pressen, sonst verlieren wir unsere Orientierung in prophetischen Fragen oder werden vom eigentlichen Sinn und Zweck der Weissagungen abgelenkt. Das muslimische Reich ist Vergangenheit. Es wird keine dritte islamische
Eroberungswelle geben, die zu einem vereinten Reich führt. Die muslimischen Länder haben sich 1840 den europäischen Ländern untergeordnet und im größeren Zusammenhang des nächsten Jahrhunderts den Vereinten Nationen. Die gewalttätigen Aktionen einiger radikaler Moslems heute können nicht ihren Widerwillen darüber verbergen, dass nach ihrer eigenen Aussage die muslimischen Länder sich lieber der UNO unterstellt haben als dem Koran. Jedenfalls liegt es nicht in ihrer Macht, sich die ganze Welt zu unterwerfen. Die siebte Posaune ist die Posaune des Herrn (Off 11,15-19), und es wird die letzte sein (1Kor 15,52). Die Engel werden sie bei seiner Wiederkunft blasen (Mt 24,31). Gott hat die Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten gegründet, damit sie die siebte und letzte Posaune verkündet. Das ist unsere Mission, jetzt und bis zum Kommen des Herrn. Erheben wir Jesus und die Bibel! Jeder Nachfahre Ismaels und alle übrigen Kinder des Ostens „nach dem Fleisch“ können zu geistlichen Nachfahren Abrahams werden, wenn sie sich zum Evangelium des wahren Samens bekehren: Jesus Christus (Gal 3,16). Ähnliches gilt für die Juden „nach dem Fleisch“. Jedem von ihnen stehen die Himmelstore offen. Sie können Teilhaber der Verheißungen werden, die Gott dem wahren Erben Israels gemacht hat. Ich bin überzeugt, dass noch viele aufrichtige Moslems die Stimme des vierten Engels hören werden, der die ganze Erde mit seiner Herrlichkeit erfüllt und ruft: Off 18,4 Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt!

Über den Autor

Alberto R. Treiyer

Prediger, Evangelist, Theologiedozent und Buchautor