Das Thema Papst und Kirche hat seit dem Tod Johannes Paul II. in der Gesellschaft und den Medien großes Interesse gewonnen.
Schon wenige Wochen nach dem Tod des alten und der Wahl des neuen Papstes gab es mehr als hundert Bücher über diese beiden Päpste.
Wer ist der neue Mann an der Spitze der weltgrößten Kirche?

1. DAS KONKLAVE

Frühestens 15 und höchstens 20 Tage nach dem Tod eines Papstes tritt in der Sixtinischen Kapelle das Konklave zusammen. Es besteht aus allen Kardinälen bis zum Alter von 80 Jahren (2005 waren dies 117 Kardinäle). Für die Wahl eines neuen Kirchenoberhauptes ist eine Zweidrittel- Mehrheit erforderlich. Erst nach 30 bzw. 34 erfolglosen Wahlgängen genügt die absolute Mehrheit.
Streng verboten sind die Mitnahme von Handys, Tonband- oder Abhörgeräten sowie das Lesen von Zeitungen, Fernsehen oder Kontakt mit der Außenwelt. Bei Zuwiderhandlungen droht Exkommunikation.
Nach einem erfolglosen Wahlgang werden die Stimmzettel zusammen mit etwas Pech verbrannt, und über der Sixtinischen Kapelle steigt schwarzer Rauch auf. Bei erfolgreicher Abstimmung steigt weißer Rauch auf. Der ranghöchste Kardinal tritt mit dem neuen Papst auf die Loggia des Petersdoms und verkündet auf Lateinisch: „Ich verkünde euch große Freude. Habemus papam – wir haben einen Papst!“
Beim Konklave 2005 kamen 117 wahlberechtigte Kardinäle zusammen, davon 58 aus Europa, 21 aus Süd- und Mittelamerika, 14 aus Nordamerika, 11 aus Afrika, 11 aus Asien und 2 aus Ozeanien. Aus Deutschland waren die Kardinäle Joseph Ratzinger, Friedrich Wetter, Walter Kasper, Joachim Meisner, Georg Sterzinsky und Karl Lehmann vertreten.
Das Konklave begann am 18. April 2005 und war mit 26 Stunden eines der kürzesten der Geschichte. Bereits nach dem vierten Wahlgang wurden die bedeutsamen Worte gesprochen: „Habemus papam – Kardinal Joseph Ratzinger!“
Ein Sprichwort sagt: „Wer als Papst in das Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus!“ Dieses Mal stimmte es nicht. Kardinal Ratzinger war der im Vorfeld am häufigsten genannte Papst-Kandidat. Und er konnte in sehr kurzer Zeit die große Mehrheit der Kardinäle für sich gewinnen.

Warum wurde Ratzinger gewählt?benedikt xvi

1. Als engster Vertrauter von Papst Johannes Paul II. steht er für Kontinuität und Fortsetzung der bisherigen Politik.
2. Wegen seines relativ hohen Alters ist für ihn nur eine kurze Amtszeit zu erwarten. Nach dem sehr langen Pontifikat seines Vorgängers ist dies durchaus erwünscht.
3. Da die Mehrheit der Kardinäle zum konservativen Flügel gehört, sollte der neue Papst ein konservativer Vertreter wie Ratzinger sein.
4. Joseph Ratzinger ist einer der besten und brillantesten Theologen der katholischen Kirche.

2. STATIONEN IM LEBEN BENEDIKTS XVI.

Joseph Ratzinger wurde am 16.04.1927 in Marktl am Inn, einem kleinen Ort mit heute 2700 Einwohnern, geboren und verbrachte dort die ersten zwei Jahre seines Lebens. Er war ein zartes, sensibles Kind und in der Schule Klassenprimus. 1943 wurde er Luftwaffenhelfer und kam gegen Ende des Krieges in amerikanische Gefangenschaft.
1946 begann er an der Theologischen Hochschule Freising sein Studium der Theologie und Philosophie, später ging er an die Universität München. 1951 wurde er zum Priester geweiht, 1957 erfolgte die Promotion zum Doktor der Theologie. Als Dogmatikprofessor hielt er Vorlesungen in Freising / Bonn (1959), Münster (1963), Tübingen (1966) und Regensburg (1969). Auf dem 2. Vatikanischen Konzil war er 1962 offizieller Konzilstheologe.
1977 wurde er Erzbischof von München und Freising. Im selben Jahr erfolgte die Ernennung zum Kardinal durch Papst Paul VI. Ratzinger ist Autor mehrerer Bücher.
In Rom war er in zahlreichen Ämtern und Funktionen tätig: 1981 Präfekt der Glaubenkongregation und Präsident der Päpstlichen Bibelkommission, Mitglied der Kongregation der Bischöfe sowie Mitglied des Rates für Öffentliche Angelegenheiten der Kirche. 1984 Mitglied der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, 1986 Präsident der Kommission für den Katechismus, 1993 Kardinalsbischof und 2002 Dekan des Kardinalskollegiums.

3. DAS PROGRAMM BENEDIKTS XVI.

3.1. Die Bedeutung seines Namens.

Benedikt heißt „der Gesegnete“. Viele hatten erwartet, er würde sich Johannes Paul III. nennen. Die Namenswahl eines Papstes hat immer eine Bedeutung. Kardinal Ratzinger könnte seinen Namen von folgenden Vorgängern abgeleitet haben:

• Benedikt von Nursia (480-547) – Gründer des Benediktiner-Ordens und Patron des Abendlandes und Europas.
• Benedikt XIV. (1740-1758) – einer der größten Papstgelehrten, der u. a. die Kirchenverwaltung modernisierte.
• Benedikt XV. (1914-1922) – Papst während des 1. Weltkriegs und als Friedenspapst bekannt.

3.2. Vom Reformer zum Konservativen

Joseph Ratzinger gehört ursprünglich zu den Reformern, die auf zahlreiche Änderungen innerhalb der katholischen Kirche drängen. Zu ihren Anliegen gehört die Aufhebung des Zölibats, freie Geburtenkontrolle, eine neue Sexualmoral, die Befreiungstheologie, die Ökumene, eine Neubewertung der Unfehlbarkeit des Papstes sowie die Frauenordination.
Auf dem 2. Vatikanischen Konzil vertreten Joseph Ratzinger und Hans Küng die Reformtheologen.
1968 wechselt Ratzinger ins konservative Lager. Die Studentenrevolten haben ihn so entsetzt, dass er zu der Meinung gekommen ist, dass die Kirche sich niemals der Welt anpassen dürfe, wenn sie nicht in Anarchie versinken wolle. Küng bleibt dagegen auf der Seite der Reformer.
1979 verliert Küng seine kirchliche Lehrerlaubnis, weil er die Unfehlbarkeit des Papstes anzweifelt. Sein wichtigstes Programm ist das Projekt Weltethos (siehe Punkt 3.4.).
Ratzinger wird 1981 als konservativer Spitzentheologe Präfekt der Glaubenskongregation. Welchen Kurs verfolgt er als Benedikt XVI.?

3.3. Das Ziel Benedikts XVI.

In seiner ersten Ansprache als neuer Papst am 20.04.2005 sagt Ratzinger:
„Der neue Nachfolger (von Petrus) übernimmt als erste Verpflichtung diejenige, mit aller Kraft an der Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit all derer zu arbeiten, die Christus folgen … Er ist sich bewusst, dass dafür guter Wille allein nicht reicht. Konkrete Taten sind notwendig … Der neue Nachfolger von Petrus … ist entschlossen, alles in seiner Macht stehende zu tun, um die fundamentale Sache der Ökumene zu fördern. Auf dem Weg seiner Vorgänger ist er entschlossen, jede Initiative zu pflegen, die hilfreich erscheint, um die Kontakte und die Übereinstimmung mit den Vertretern der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zu fördern … Ich wende mich an alle, auch an diejenigen, die anderen Religionen folgen oder einfach eine Antwort auf grundlegende Fragen der Existenz suchen und sie noch nicht gefunden haben. Ich wende mich mit Einfachheit und Zuneigung an alle, um zu versichern, dass die Kirche mit ihnen einen offenen Dialog fortsetzen will, auf der Suche nach dem wahren Guten des Menschen und der Gesellschaft … Ich erbitte von Gott Einheit und Frieden für die Menschheitsfamilie und erkläre die Bereitschaft aller Katholiken zur Zusammenarbeit für eine authentische soziale Entwicklung, die die Würde jedes menschlichen Wesens respektiert.“ (Heilbronner Stimme, 21.04.2005)

Das Ziel Benedikts XVI. ist die sichtbare Einheit aller Kirchen durch die Ökumene und die Zusammenarbeit und Zusammenführung aller Religionen! Wahrheit und Einheit sind zwei wichtige Werte. Welcher ist wichtiger? Die Ökumene praktiziert Einheit auf Kosten der Wahrheit.
Das ist nicht biblisch. Nach der Bibel steht die Wahrheit über der Einheit. Wie kommen wir zur Einheit? Der Heilige Geist führt in alle Wahrheit (Johannes 16,13), und diese Wahrheit schafft Einheit.

3.4. Das Projekt Weltethos

Mit seinem Projekt Weltethos möchte Hans Küng die gemeinsamen moralischen Grundwerte aller Religionen definieren, die dann als Grundlage einer neuen Weltreligion dienen könnten. Es ist interessant, dass diese Grundwerte (Toleranz, Freiheit, Nächstenliebe u.a.) auch die Grundlagen des Humanismus darstellen.
Zum Buch Projekt Weltethos von Hans Küng äußert der Verlag:
„Zwanzig Jahre Beschäftigung mit dem Thema Religion haben den Theologen Hans Küng zu der Überzeugung gebracht, dass die Menschheit nur dann überleben kann, wenn die Weltreligionen in einen Dialog treten. Trotz unterschiedlicher Dogmen teilen die Religionsgemeinschaften wesentliche ethische Grundsätze. Aus Verantwortung vor Gott und den Menschen sollten nach Meinung Küngs die Vertreter aller Religionen an der Schaffung des Weltethos mitwirken, das Glaubende und Nichtglaubende verbindet.“

Im Verlagstext zum Buch Dokumentation zum Weltethos von Hans Küng ist zu lesen:
„Weltethos bedeutet keine neue Weltanschauung und erst recht nicht die Herrschaft einer Religion über alle anderen. Mit einem Weltethos ist die Verpflichtung auf einen Grundkonsens verbindlicher Werte gemeint, der als weltweiter Maßstab für politische und wirtschaftliche Entscheidungen gelten darf. Hans Küngs These von einem universalen Menschheitsethos und sein daraus entstandenes ‚Projekt Weltethos’ haben mittlerweile Kreise gezogen.“

Am 30. Juni 2000 ist Tony Blair zu Gast an der Universität Tübingen. Das Thema seiner Rede ist: Die geplante Weltregierung, die Weltreligion und der Weltethos.
Am 23.02.2005 steht auf der Internetseite www.spirithit.com: „Buddhistischer Friedenspreis für Schweizer Theologen. – Der bekannte Schweizer Theologe Hans Küng bekommt diese Auszeichnung von der Japanischen Niwano-Friedensstiftung. Die Übergabe des Preises wird am 11. Mai 2005 in Tokio stattfinden. ‚Sein Einsatz für den interreligiösen Dialog und Zusammenarbeit wie auch sein Modell der globalen Ethik als einen Weg zur Realisierung von Frieden hat ihm weltweite Anerkennung gebracht’, sagte die Niwano-Stiftung am Dienstag.“

Am 24.09.2005 treffen sich Benedikt XVI und Hans Küng in Castelgandolfo. Die Süddeutsche Zeitung schreibt dazu am 27.09.2005:
„Papst empfängt Kirchenkritiker Küng. – Völlig überraschend hat Papst Benedikt XVI. den Tübinger Theologen und Kirchenkritiker Hans Küng empfangen, dem der Vatikan 1979 die Lehrbefugnis entzogen hatte. Das Treffen in Castelgandolfo, der Sommerresidenz des Papstes, fand am Samstagabend statt und dauerte mehrere Stunden. Das Gespräch habe in freundschaftlicher Atmosphäre stattgefunden. Beide Seiten hätten aber auf einen Disput über Lehrfragen der Kirche, die damals zu dem Zerwürfnis von Amtskirche und Küng geführt hatten, verzichtet, sagte Vatikansprecher Joaquin Navarro- Valls am Montag in Rom. Das Treffen wird in Kirchenkreisen als Sensation gewertet … In dem Gespräch sei es zunächst um das Verhältnis von Naturwissenschaft und Religion gegangen, danach über die Frage, wie ein den Religionen gemeinsames ‚Weltethos’ aussehen könnte … Der Papst habe ‚positiv das Bemühen von Professor Küng’ gewürdigt, ‚im Dialog der Religionen wie in der Begegnung mit der säkularen Vernunft zu einer erneuerten Anerkennung der wesentlichen moralischen Werte der Menschen beizutragen.’“

Unter www.weltethos.org ist dazu am 26.09.2005 im Internet zu lesen: „Professor Küng stellte heraus, dass es bei dem Projekt Weltethos keineswegs um eine abstrakte intellektuelle Konstruktion gehe. Es werden vielmehr die moralischen Werte ins Licht gesetzt, in denen die großen Religionen der Welt bei allen Unterschieden konvergieren und die sich von ihrer überzeugenden Sinnhaftigkeit her auch der säkularen Vernunft als gültige Maßstäbe zeigen können.“

4. DER PAPST IN KÖLN

In einem Bericht auf www.wdr.de vom 19.08.2005 zum XX. Weltjugendtag vom 16.-21.08.2005 in Köln heißt es:
„Bei einem ökumenischen Treffen sagte Benedikt XVI., die Wiedererlangung der vollen Einheit der Christen habe er zu einer Priorität seines Pontifikats erhoben. Diese Einheit bestehe unverlierbar in der katholischen Kirche. Sie bedeute jedoch nicht Einheitlichkeit in allen Ausdrucksformen der Theologie und der Spiritualität, in den liturgischen Formen und in der Disziplin.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, sah nach dem Treffen mit dem Papst ‚hoffnungsvolle Signale für Fortschritte im ökumenischen Gespräch.’ Bei der ‚von geschwisterlicher Nähe geprägten Begegnung’ habe der katholische Oberhirte die Gemeinsamkeit der Gläubigen, die sich aus dem Evangelium speise, betont. Zuvor schon hatte Huber Fortschritte bei den entscheidenden theologischen Streitfragen angemahnt. ‚Die Bereitschaft zu tiefgehender theologischer Arbeit ist vonnöten, um sich über das Verständnis von Amt und Abendmahl, von apostolischer Sukzession oder der Bedeutung von Frauen im geistlichen Amt aufrichtig und wahrhaftig auszutauschen. Wenn die Ökumene eine Zukunft haben soll, ist das unerlässlich.’“ (Hervorhebung hinzugefügt)

Die WAZ schreibt auf www.waz.de am 09.08.2005: „Eine Woche vor dem Weltjugendtag in Köln hat Papst Benedikt XVI. den Pilgern eine ungewöhnliche Zusage gegeben: Er will ihnen einen vollständigen Ablass gewähren. Das teilte der Vatikan per Dekret mit. Voraussetzungen seien Beichte, Abkehr von Sünden, Kommunionsempfang und Gebete. Bei einem Ablass wird die Strafe für Sünden aufgrund von guten Werken – Almosen oder Pilgerfahrt – erlassen.“ (Hervorhebung hinzugefügt)

Es ist eine ungeheuerliche Provokation, dass Benedikt XVI. ausgerechnet in Deutschland – dem Land, in dem der Ablasshandel zur Kirchenspaltung und Reformation führte – einen Generalablass verkündet. Um so erstaunlicher ist, dass es keinen öffentlichen Protest der Protestanten in Deutschland gibt.

5. DIE BIBLISCHE PROPHETIE

Die Erfüllung biblischer Prophetie beweist die Existenz eines allwissenden Gottes und bestätigt die Bibel als Gottes Wort. Sie zeigt, dass die Geschichte kein Zufall ist, und offenbart einen Gott, der sich um uns Menschen kümmert. Sie gibt uns Hoffnung für die Zukunft.
Das prophetische Wort sagt voraus, dass der letzte Kampf auf dieser Erde zwischen einer widergöttlichen Weltregierung und Gottes Volk stattfinden wird.
Sind Papst Benedikts XVI. Bestrebungen zur Vereinigung aller Kirchen und Religionen Wegbereiter eine solchen Weltregierung? Das Bild des Tieres aus Offenbarung 13 und die Füße des Standbildes aus Daniel 2 werfen Licht auf diese Frage.

5.1. Das Bild des Tieres

In Offenbarung 13,14-17 heißt es: „… und [das zweite Tier] sagt denen, die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild machen sollen dem Tier, das die Wunde vom Schwert hatte und lebendig geworden war. Und es wurde ihm Macht gegeben, Geist zu verleihen dem Bild des Tieres, damit das Bild des Tieres reden und machen könne, dass alle, die das Bild des Tieres nicht anbeteten, getötet würden. Und es macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.“

Was ist ein Bild?

Ein Bild ist ein Abbild der Wirklichkeit, nicht die Wirklichkeit selbst. Wenn also dem ersten Tier aus Offenbarung 13 ein Bild gemacht wird, müssen wir uns fragen: Was verkörpert denn das erste Tier? Die Verbindung von Kirche und Staat! Dieses „Bild des Tieres“ hat folgende Merkmale:
1. Es wird angebetet (Vers 15), ist also eine religiöse Macht.
2. Es verhängt Wirtschaftssanktionen und Todesstrafe (Verse 15-17), ist also eine staatliche Macht.
3. Es ist eine weltweite Macht (Vers 16). Fügt man diese drei Merkmale zusammen, kann man deutlich erkennen, dass hier eine kommende religiös-politische Weltregierung beschrieben wird. Diese religiös- politische Weltregierung wird Gesetze erlassen, um den Menschen ihre religiösen Vorstellungen aufzuzwingen. Amerika wird seine Macht zugunsten dieser Weltregierung aufgeben. Es ist erstaunlich, wie genau die biblische Prophetie sich heute vor unseren Augen erfüllt!

5.2. Eisen und Ton

Das Standbild aus dem Buch Daniel

Babylon
604 – 538 v. Chr.

Medo-Persien
538 – 331 v. Chr.

Griechenland
331 – 168 v. Chr.

Rom
168 v. Chr. – 476 n. Chr.

Geteiltes Reich
476 n. Chr. – Jesu Wiederkunft

Daniel 2,41-44 beschreibt die Verbindung zwischen Eisen und Ton in den Füßen des Standbilds. Nachdem die bisherigen Reiche durch Gold, Silber, Kupfer und Eisen dargestellt worden sind, würden wir ein weiteres Metall erwarten. Aber es erscheint Ton (Vers 41: „Töpferton“).

Was bedeutet der Ton?

Eine biblische Deutung dieses Symbols finden wir in Jeremia 18,6: „Siehe, wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr in meiner Hand, Haus Israel.“ Gott ist der Töpfer, sein Volk ist der Ton.
Ton weist auf die religiöse Seite des Lebens hin. Das Eisen (Metall) steht für den Staat und der Ton für die Kirche. Bei den Füßen des Standbilds geht es also um die Beziehung zwischen Kirche und Staat.
„Die Zeit ist da, wo Gottes heiliges Werk durch die Füße des Standbildes dargestellt wird, wo Eisen mit schlammigem Ton vermischt war … Das Eisen und der Ton stehen für die Vermengung von Kirchen- und Staatswesen.“ (Ellen White, in: Adventist Bible Commentary, Bd. 4, S. 1168f)

Diese Staat-Kirche-Beziehung hat drei Epochen:

1. Vers 41: Das Reich ist zerteilt. Das ist die Teilung zwischen Staat und Kirche im Mittelalter.

2. Vers 42: Das Eisen ist stark, der Ton ist schwach. Das ist die Schwächeperiode der Kirche ab Ende des 18. Jahrhunderts.

3. Vers 43: Sie vermischen sich durch Heiraten (Grundtext: „verbünden sich“) miteinander, aber sie halten (Grundtext: „kleben“) nicht zusammen. Kirche und Staat gehen mit dem Ziel der Weltherrschaft ein Bündnis ein. Es geht also wieder um eine religiös-politische Weltregierung. Sie wird kommen, aber nicht lange halten. In Offenbarung 18 ist der Zerfall dieser Weltregierung, der Fall Babylons, in vielen Einzelheiten beschrieben.

Was kommt danach?

Jesu Wiederkunft

Jesu Wiederkunft

Ein Stein kommt ohne Zutun von Menschenhänden und zerschlägt das ganze Bild. In Vers 44 wird gesagt, dass dieser Stein Gottes Reich bedeutet. Gott wird sein ewiges Reich aufrichten. Wann? „Zur Zeit dieser Könige“. Wenn Kirche und Staat sich vereinigen, wird Gottes Reich kommen. Aus dem Neuen Testament wissen wir, dass das Jesu Wiederkunft bedeutet. Jesus Christus wird auf diese Erde zurückkommen. Die Zeiten, die Jesu Wiederkunft vorausgehen, werden schwierig sein. Paulus vergleicht sie mit den Wehen einer schwangeren Frau. Wehen sind sehr unangenehm und schmerzhaft, aber wenn das Baby geboren ist, ist aller Schmerz vergessen. So wird es auch bei Jesu Wiederkunft sein. Jesus wird kommen, um sein Volk zu befreien, und die diktatorische Weltregierung, die sich gegen Gottes Gesetz und sein Volk gewendet hat, wird untergehen. Jesus sagt uns:
„Und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde … Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,26.28)

 

Olaf Schröer, „Papst Benedikt XVI. und die Weltregierung“, Standpunkte (Ausg. 8, 2006), S. 18-24

Über den Autor

Olaf Schröer

ist Pastor der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten in Heilbronn. Im Mittelpunkt seiner Studienreihen und Vorträge stehen die prophetischen Aussagen der Heiligen Schrift, besonders in der Offenbarung und im Buch Daniel. Dabei wird klar, wie aktuell und bedeutsam diese Voraussagen gerade für unsere Generation sind.