In diesen Tagen wird vor dem Obersten Gericht der Vereinigten Staaten ein einzigartiger Fall angehört. Zum ersten Mal in der Geschichte muss das höchste Gericht der USA zwischen der Rede- und Religionsfreiheit auf der einen Seite und Antidiskriminierungsgesetzen abwägen. Hintergrund ist die Klage eines homosexuellen Paares gegen den christlichen Konditor Jack Phillips, weil der 61-Jährige es aus Gewissensgründen abgelehnt hatte, eine spezielle Hochzeitstorte für sie herzustellen.

Die Geschichte begann 2012 im US-Staat Colorado, als zwei Homosexuelle Phillips’ Masterpiece Cakeshop betraten und eine Torte für ihre Hochzeit bestellen wollten. Phillips lehnte freundlich ab – wie er es schon oft zuvor getan hatte, wenn Kunden Motive wie Halloween, Alkohol oder unsittliche Bilder gewünscht hatten –, bot ihnen aber Alternativen wie eine Geburtstagstorte oder Gebäck an. Die Männer stürmten auf der Stelle unter Beschimpfungen aus dem Geschäft.

Nicht einmal eine halbe Minute hatte der Vorfall gedauert, doch sollte er das Leben der Familie Phillips für immer verändern. Nach 20 Minuten begann eine Flut bösartiger Anrufe aus dem ganzen Land. Sogar eine Morddrohung ging ein. In den nächsten Monaten überfüllten Zehntausende garstiger E-Mails Phillips Posteingang. Manche Protestierende kamen direkt zu seinem Geschäft.

Die American Civil Liberties Union (ACLU) schaltete sich ein und verklagte die kleine Vorstadt-Konditorei. Obwohl „Homoehen“ in Colorado selbst illegal sind, wurde Phillips durch mehrere Instanzen hindurch aufgrund von Antidiskriminierungsgesetzen verurteilt. Phillips wurde verpflichtet, zukünftig auch homosexuellen Paaren Hochzeitstorten zu liefern. Außerdem musste er seine Angestellten einer „Umerziehung“ unterziehen und vierteljährlich Berichte abliefern, wann und warum ein Hochzeitstortenauftrag abgelehnt worden ist.

Phillips entschied daraufhin, das profitable Geschäft mit Hochzeitstorten lieber ganz einzustellen, als gegen sein Gewissen zu handeln – ein Verlust von jährlich 100 000 Dollar bzw. 40 % des Umsatzes. „Aber Gott hat bisher für alles gesorgt, was wir brauchen“, bekennt er.

Nicht nur die Trump-Regierung sprach sich für das Anliegen des gläubigen Tortenkünstlers aus. Interessanterweise erhielt Phillips auch von Schwulen und Lesben Unterstützung. 2015 erzählte er:

Es gibt Dutzende oder Hunderte Schwule, die sagen, das sei nicht richtig und politisch motiviert. „Es ist dein Recht, unsere Bestellung abzulehnen, und diese Leute hinterlassen den Eindruck, als wären wir alle Terroristen … Aber das stimmt nicht. Wir möchten einfach nur unser Leben führen.“

Als das Oberste Gericht von Colorado im April 2016 eine Anhörung seines Falls ablehnte, appellierte die Alliance Defending Freedom (ADF), deren Anwälte Jack Phillips unterstützen, an das US-Verfassungsgericht, das schließlich eine Anhörung am 5. Dezember 2017 zusagte.

Aus biblischer Sicht lassen sich zwei Grundsätze anführen, die in diesem Fall eine Rolle spielen. Der erste stammt aus der Bergpredigt; dort sagt Jesus:

Mt 7,12 Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!

Das bedeutet praktisch, dass der Freiraum und die Toleranz, die ich von anderen erwarte, ich ihnen ebenso gewähren muss. Wer Freiheit zum Ausleben der eigenen Werte fordert, sollte nicht andere dazu zwingen, ihren persönlichen Werten zuwiderzuhandeln.

Der zweite Grundsatz lautet:

Apg 5,29 Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen.

Keine Regierung hat das Recht, Dinge zu fordern oder zu verbieten, die in den Bereich des Glaubens hineingehen. Das Gewissen muss allein Gott verpflichtet bleiben.

Dieser Artikel hat 0 Kommentare

  1. Bettina Antworten

    Bewundernswert! Dieser Mann wir von Gott einmal eine grosse Belohnung bekommen weil er ihm treu geblieben ist. Gott segne ihn!

  2. Peter Eichwald Antworten

    Ich finde es gut, daß der Bäcker seiner biblisch begründeten Meinung treu bleibt. Wie kann ich von von jemand anderem verlangen, daß er gegen seine Vorstellungen handelt, wenn ich selbst das auch nicht tue. Es gibt ein schönes Sprichwort: “Was du nicht willst, daß man dir tu, das füg auch keinem Andern zu“. Wenn sich die Ankläger das vor Augen halten würden, dann würden sie einfach die Meinung des anderen akzeptieren.

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