Die Beziehung zwischen der christlichen Nachrichtenagentur idea und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist eine lange und spannungsvolle. Nun scheint der Bruch endgültig zu sein. Vor einer Woche entschied die Synode der EKD, die Subvention für idea von jährlich 132 000 Euro 2018 auf 90 000 zu kürzen, 2019 auf 60 000 und 2020 die Zahlung ganz einzustellen. Dass nicht alle Landeskirchen damit einverstanden sind, zeigte der Beschluss der sächsischen Synode nur wenige Tage später, idea eine einmalige Zuwendung von 15 000 Euro zukommen zu lassen. Doch was ist eigentlich der Hintergrund des Konfliktes?

idea ist ursprünglich die Abkürzung für „Informationsdienst der Evangelischen Allianz“. Der Dienst entstand 1970 als Antwort auf eine mangelhafte Behandlung konservativer Themen in der kirchlichen Medienlandschaft. Zuerst wurden die immer wieder auch kirchenkritischen Beiträge ignoriert, dann bekämpft, dann bot 1978 die EKD idea hohe Subventionen an, deren Preis allerdings die Eigenständigkeit gewesen wäre, weshalb die Agentur ablehnte.

Im Jahr 1979 startete das Wochenmagazin ideaSpektrum, das „Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt“ bot und wurde mit fast 100 000 Lesern bald das auflagenstärkste Blatt seiner Art. Ab 1982 erhielt idea von der EKD den bis heute bestehenden, relativ bescheidenen Zuschuss von rund 130 000 Euro mit der Begründung, dass die Kirche nicht nur den weitaus größeren Evangelischen Pressedienst (epd) brauche, sondern auch die ergänzenden Informationen von idea.

idea-Chef Helmut Matthies schreibt:

Das Verhältnis der EKD zu idea änderte sich mit der seit 2015 amtierenden Synode. Ihr Ende 2016 einstimmig (!) gefasster Beschluss gegen Judenmission offenbarte, dass es nur noch wenige theologisch konservative Synodale gibt. Es mangelt derart an Opposition – wie ich es in den 40 Jahren, in denen ich die EKD journalistisch beobachte, nie erlebt habe.

Selbst die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) sprach von der „politischen Einseitigkeit kirchlicher Äußerungen“.

Offenbar blieb der Kirchenleitung dennoch – oder gerade deshalb – der Mediendienst idea ein Dorn im Auge. Eine konkrete Begründung für die sukzessive Streichung der Zuschüsse wurde nicht genannt, nur vage Worte wie „Neuausrichtung des Förderschwerpunkts“. So kann man nur vermuten: War es die islamkritische Haltung von idea? Oder reichte schon der Umstand, dass bei der Vorstellung der Parteien vor der Bundestagswahl 2017 auch ein Kandidat der AfD zu Wort kam? Matthies’ Fazit lautet jedenfalls: „idea geht seinen Weg unbeirrt weiter.“

Weniger gelassen reagierte Peter Hahne, selbst langjähriges EKD-Mitglied. Der bekannte Fernsehmoderator und Buchautor bezeichnete den Vorfall als „feigen Anschlag auf die Pressefreiheit“ und fuhr fort:

Über 20-mal habe ich erlebt, wie es beim Thema „idea-Zuschuss“ auf den Synoden knallte. Immer wieder gab es Stimmen, die das Geld streichen wollten. Immer wieder gelang es besonnenen Leuten …, das abzuwenden … Damit ist es jetzt vorbei! Die EKD zeigt ihr wahres Gesicht. Der Mainstream duldet niemanden, der den Gleichschritt stört.

Die Bremer CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann kritisierte den Beschluss als Ausgrenzung konservativer Positionen und Doppelmoral: „Man bekennt sich zum Pluralismus, aber das gilt für alle anderen – nicht für die Evangelische Kirche in Deutschland.“ „Man kann nur hoffen“, so die Politikerin, „dass die EKD ihren Beschluss noch einmal überdenkt und korrigiert.“ Auch die ehemalige Ministerpräsidentin von Thüringen, Christine Lieberknecht, bedauerte die Entscheidung. Andere wie die Pforzheimer Dekanin Christiane Quincke stellten sich hinter die EKD. Der Berliner Journalist Benjamin Lassiwe nannte den Schritt „überfällig“.

Macht korrumpiert, sagt das Sprichwort. Zweifellos sind Kirchen dabei keine Ausnahme. Jesus selbst bekam den Gegenwind der religiösen Führer seiner Zeit zu spüren, die alles versuchten, um seinen wachsenden Einfluss auf das Volk zunichte zu machen. Vergessen wir nicht, dass die eigentlichen Auseinandersetzungen hinter den menschlichen Kulissen stattfinden. Paulus schreibt an die Epheser, dass „unser Kampf nicht gegen Fleisch und Blut ist“, sondern gegen die Mächte der Finsternis (Epheser 6,12). Er fordert uns auf: „Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes … betet allzeit .. und wachet“! (Epheser 6,13.18)

 

Dieser Artikel hat 1 Kommentare

  1. Bernhard Boms Antworten

    Die Katholische Kirche hat sich der evangelischen Seite so lieb zugewandt, dass keine Äußerungen geduldet werden, die der anderen Seite schaden könnte. Doch was bleibt zum Schluss übrig, um eine Einheit zu werden, muss jede Seite von seiner Überzeugung ablassen. Was bleibt hinterher von Luthers Thesen übrig? Wer hat noch den Mut einzugestehen, dass die evangelische Lehre torpediert wird. Mein Respekt an alle, die die Fahne hochhalten und Luther nicht nur als Symbol zum Feiern sehen.

  2. Matthias Stock Antworten

    Die ideologisch motivierte Ausgrenzungssucht schreitet in dieser unserer Kirche unaufhörlich voran. Und die Austrittswelle rollt weiter und weiter über das Land…..
    Es ist nur noch zum heulen.

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