Im Jahr des großen Reformationsjubiläums, 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag, sind die großen Kirchen bemüht, das Verdienst des Reformators zu würdigen und das ökumenische Miteinander zu vertiefen. Besonders die evangelische Kirche hat alles getan, um 2017 zu einem Jahr der Gemeinsamkeiten zwischen Katholiken und Evangelischen sowie der versöhnten Verschiedenheit zu machen.

Doch der Wunsch nach mehr sichtbarer Einheit mit der katholischen Religion muss immer wieder empfindliche Rückschläge hinnehmen, wenn hohe und höchste Vertreter des Katholizismus mit Worten oder Gesten deutlich machen, dass die Papstkirche an ihrem traditionellen Wahrheits- und Führungsanspruch unvermindert festhält. Jüngstes Beispiel ist der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der bis Juli 2017 Präfekt der Glaubenskongregation war, früher „Römische Inquisition“ genannt.

In einem Beitrag für die italienische Webseite „La Nuova Bussola Quotidiana“ bezeichnet Müller die protestantische Reformation als eine Revolution „wider den Heiligen Geist“ mit „desaströsen Folgen“. Über Luther werde aus Unkenntnis über seine Theologie viel „zu enthusiastisch“ gesprochen. Seine Bewegung habe „für Millionen Christen die Zerstörung der Einheit mit der katholischen Kirche“ nach sich gezogen, meinte Müller, und bezeichnete die protestantische Trennung von der Papstkirche als „Sünde“.

Dem Reformator sei es nicht nur um eine Erneuerung des Katholizismus gegangen sei, so der Kardinal, denn dessen Schriften zeigten „absolut klar, dass Luther sämtliche Prinzipien des katholischen Glaubens hinter sich gelassen hat“. Unter anderem habe er fünf Sakramente abgeschafft und ihre „objektive Wirksamkeit … durch einen subjektiven Glauben ersetzt“.

Müller beklagte auch die Verwirrung, dass private Aussagen des Papstes häufig als unfehlbar betrachtet würden, selbst wenn sie dem Standpunkt aller anderen Päpste in der Kirchengeschichte wiedersprächen.

Mit Blick auf den ökumenischen Dialog stellte der frühere Glaubenshüter klar, dass die Substanz katholischer Lehre unverhandelbar sei, da sie auf eine über 1000-jährige Tradition zurückgehe und „die Kirche in der Heilsweitergabe in den Sakramenten nicht irren kann“. Versöhnung sei möglich, dürfe aber „nicht auf Kosten der Wahrheit“ geschehen. Wie das praktisch aussieht, fasst die katholische Nachrichtenseite kath.net so zusammen:

Der Wunsch nach guten Beziehungen zu Nichtkatholiken könne nur das Ziel haben, zur vollen Gemeinschaft mit der katholischen Hierarchie unter Annahme der „apostolischen Überlieferung gemäß der katholischen Lehre“ hinzuführen.

Mit anderen Worten: Dialog und ökumenische Kontakte dienen allein dazu, das Christentum wieder geschlossen der Autorität des Papstes sowie dem Lehramt der römischen Kirche zu unterstellen. Und das ist wiederum nur konsequent, wenn man die eigene Kirche als unfehlbar und die Reformation als Sünde gegen den Heiligen Geist ansieht.

Eigenartig, dass der Protestantismus solche Stimmen notorisch überhört und nicht wahrhaben will, was die biblische Prophetie sehr deutlich sagt: Unter dem modernen, weltoffenen Auftreten des heutigen Papsttums lebt noch immer der alte, anmaßende Absolutheitsanspruch einer Macht, die sich an Gottes Stelle setzen will.

Quellen: domradio.de, kath.net

 

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