Der Apostel Johannes sagt: „Der Drache trat an den Strand des Meeres und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern 10 Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen.“

Um diesen Text zu verstehen, müssen wir die Bedeutung der Symbole beachten.

Die Bedeutung der Symbole

  1. Das Meer. Ein Engel erklärte: „Die Wasser, die du gesehen hast, … sind Völker und Scharen und Nationen und Sprachen.“ (Offenbarung 17,15)
  2. Das Tier. In Daniel 7,17 steht: Die Tiere sind Königreiche – Mächte –
  3. Die Hörner, „die du gesehen hast, das sind zehn Könige“ (Offenbarung 17,12 )
  4. Die Häupter „sind sieben Berge, und sieben Könige“ (Offenbarung 17,9)
  5. Der Drache ist eine die Gemeinde Jesu verfolgende Macht. (Offb 12,3.4.17)

Die Anwendung der Symbole

Da das Tier nach Offb. 13,2 seine Macht, seinen Thron und große Gewalt vom Drachen verliehen bekam und es ohne den Drachen das Tier nicht gäbe, müssen wir zunächst den Drachen kennenlernen und identifizieren. Dabei werden wir erkennen, dass der Drache zunächst in zweifacher Weise in Erscheinung tritt.

Die zwei Erscheinungsformen des Drachen

Die erste Erscheinungsform wird uns in Offb. 12,7-9 beschrieben. Die Triebkraft aller Verfolgung der Gemeinde Jesu ist der Satan. Der Urdrache – Satan – überblickt das Völkermeer und hält Ausschau nach Mächten, die er als Werkzeuge für seinen Kampf gegen die Gemeinde Jesu und zur Verführung der Gläubigen benutzen kann.

Satan bedient sich der Weltmächte und Religionen als Werkzeuge so völlig, dass auch diese als Drachen dargestellt werden. Doch werden sie durch Nennung von Kennzeichen von Satan dem Urdrachen unterschieden. Wenn wir Offb. 12,3.4 genau beachten, so fällt es uns nicht schwer, den roten Drachen zu bestimmen. „Der Drache stellte sich vor die Frau; denn er wollte ihr Kind verschlingen, so bald es geboren war.“ (V. 4) „Aber das Kind wurde gerettet und zu Gott vor seinen Thron gebracht.“ (V. 5 Hfa) Der Drache ist also eine Macht, die in den Tagen der Geburt und Himmelfahrt Jesu regierte. Die Geschichte bestätigt, dass es sich um das Römische Imperium handelt. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass die Römischen Legionen im 2.-5. Jahr neben dem Adler am häufigsten einen roten Drachen als Feldzeichen verwandten.

In der Gottheit der Römischen Kaiser und in der heidnischen Religiosität des Römischen Reiches demonstrierte und manifestierte Satan in den Tagen Jesu seine Macht als Gott dieser Welt. Durch das heidnische Religionssystem schuf er sich ein Meisterwerk der Verführung und Machtausübung.

Wie sehr die heidnische Religiosität ein Instrument Satans ist, geht aus einer Beurteilung des Apostel Paulus .hervor. Er sagt: „Was die Heiden opfern, das opfern sie dem Teufel.“ (1.Kor.19,20) Das Heidentum ist also die dritte Erscheinungsform des roten Drachen.

Nachdem die Gemeinde Jesu sich im ganzen Römischen Reich mächtig ausbreitete und sich viele Bewohner von den Götzen und der Vergottung der Kaiser zu Gott bekehrten, benutzte der Teufel die Macht des Römischen Reiches, um die Gemeinde Christi immer stärker .zu bedrängen, zu verfolgen und auszurotten. Offb.12,13: „Als der Drache merkte, dass er auf der Erde war, verfolgte er die Frau, die den Sohn geboren hatte.“

Doch das Schwert der Christenverfolgung wurde stumpf. Die Römischen Kaiser mussten erkennen, dass die Gemeinde Jesu mit Gewalt nicht zu vernichten war. Schließlich gab Konstantin der Gr. den Widerstand auf und billigte den Christen die gleichen Rechte wie den Heiden zu. Mit staatlicher Hilfe wurde aus der armen und verfolgten Gemeinde bald eine reiche, angesehene Kirche, die sich mit dem Staat verbündete und den christlichen Glauben mit heidnischen Kulten und Gedanken vermischte, um die Massen leichter zu gewinnen. Schließlich begann die neu geschaffene Reichskirche damit, anders denkende Christen zu verfolgen. Diese Entwicklung wird in Offb. 13 unter dem Tiersymbol beschrieben.

Das Tier aus dem Meer

J.A. Bengel, ein evangelischer Prälat und Vater der Adventerwartung im Pietismus, der ein gründlicher Kenner und Ausleger biblischer Prophetie war, schrieb: „Wenn man das Tier, auf das die Weissagung eigentlich zielt, verfehlt, so muss die irrige Meinung viel gefährliche und schädliche Folgen haben. Denn man wird sich am bösen Tage gar leicht durch Macht und viel List zu der hoch verbotenen Anbetung des Tieres bereden und bewegen lassen.“

Wir müssen also eine sehr gründliche Betrachtung vornehmen und zu klaren Beweisen kommen, welche Macht durch dieses Meertier dargestellt wird. Die Bibel macht es uns leicht, das Tier zu identifizieren, in dem es uns seine wesentlichen Kennzeichen steckbriefartig mitteilt.

  1. es empfängt seine Macht und seinen Thron vom Drachen
  2. es ist eine weltweite Macht
  3. es übt 42 Monate -1260 Tage (Jahre) lang eine besondere Macht aus
  4. es lästert Gott
  5. es erhält eine tödliche Wunde
  6. es trägt die geheimnisvolle Zahl 666
  7. es ist eine religiöse Institution
  8. es ist eine Macht, die Zwang und Verfolgung anwendet

Um das Geheimnis dieses Tieres zu enthüllen, werden wir jedes der acht Merkmale sorgfältig betrachten.

1. Das Tier empfängt seine Macht und seinen Thron vom Drachen

Die durch das Tier veranschaulichte Macht sollte dadurch an Einfluss gewinnen, dass ihr der Drache seinen Thron und große Gewalt verlieh. Wenn der Drache das heidnische, Römische Reich darstellt, so müssen wir fragen: Welche Macht folgte dem Römischen Reich, d.h. der römischen Religion? Welche Macht empfing von Rom Autorität? Welche Macht erbte und beanspruchte den freigewordenen Thron der Cäsaren?

Der kath. Klrchenhistoriker Döllinger gibt folgende Antwort: „Aus dem Chaos der Völkerwanderung und den Ruinen des Römerreiches erhob sich allmählich eine neue Staatenordnung, deren Mittelpunkt der päpstliche Stuhl wurde….das neue christliche Kaisertum des Abendlandes wurde durch die Päpste geschaffen und erhalten.“

Prof. Adolf von Harnack erklärte: „Die römische Kirche war seit der Völkerwanderung das ins Religiöse umgekehrte, weströmische Reich, ihr Bischof aber der heimliche, weströmische Kaiser. Die römische Kirche…schob sich an die Stelle des Römischen Weltreiches und wurde dessen Erbe. Der Papst…ist der Nachfolger Cäsars.“

Als Kaiser Konstantin seinen Regierungssitz von Rom nach Konstantinopel verlegte und die Römischen Kaiser nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reiches nur noch über Ostrom regierten, gewannen die Päpste in Rom größere Kraft und Freiheit und konnten dadurch ihre geistige, religiöse und politische Herrschaft über Europa ausbreiten und festigen.

A.C. Flick bemerkt in seinem Werk „Das Aufkommen der mittelalterlichen Kirche“:

„Aus den Ruinen des politischen Roms, erhob sich das große moralische Empire in der päpstlichen Form der römischen Kirche.“ Signobo schrieb in seiner Geschichte des römischen Volkes: Das Papsttum ist in vieler Hinsicht Erbe des Römischen Weltreiches geworden. Der Papst ist weitgehend Nachfolger der Kaiser auf dem Thron des Augustus oder Konstantin.“

La Blanca, Prof. für Geschichte an der Universität in Rom erklärte: „Zur Nachfolge  der Cäsaren kam die Nachfolge der Bischöfe von Rom.“ Die Kirche bildete ein weltliches Reich. Sie gründete den Kirchenstaat.

Die Geschichte bestätigt, dass das Papsttum jene religiöse und politische Weltmacht ist, die das heidnische Rom ablöste und in der dieses in gewandelter Form fortbesteht.

2. Das Wesen und die Ansprüche des Tieres

Johannes sah das Tier in einer Mischgestalt, die an die Tiere aus Daniel 7 erinnert. Das Tier hat einen Pantherleib, Bärenfüße und ein Löwenmaul. In Daniel 7 wird gesagt, dass der Löwe das babylonische, der Bär das persische und der Panther das griechische Weltreich darstellt. Bei einem Vergleich von Dan. 7,2-11 mit Offb. 13,1.2 fällt auf, dass die Aufzählung der Tiere in umgekehrter Reihenfolge erfolgt.

In Daniel 7 ist die Reihenfolge: Löwe, Bär, Parder, greuliches Untier. In Offb. 13 ist die Reihenfolge: Greuliches Untier, Pantherleib, Bärenfüße, Löwenmund. Was bedeutet diese unterschiediche Reihen-folge? Daniel lebte zurzeit des Löwen und sah die folgenden Tiere zukünftig. Johannes dagegen lebte zurzeit des greulichen Tieres und sah dessen Vorgänger bereits in der Vergangenheit.

Warum sieht Johannes das bei Daniel als greuliches Untier auftretende Wesen in einer Mischung und Zusammenstellung von Panther, Bär und Löwe? Johannes sieht mehr die religiöse Entwicklung und Bedeutung. Im Römischen Weltreich wurden alle kulturellen und religiösen Kräfte der vergangenen Weltreiche wie in einem Sammelbecken zusammengefasst. Die in Offb.13 geschilderte Macht muss also von diesen Mächten bestimmte Merkmale übernommen und in sich aufgenommen haben. Dies trifft In der Tat zu.

Diese Macht übernahm von den Griechen die Philosophie. Aristoteles und Plato, zwei bedeutende griechische Philosophen, beeinflussten in vielfältiger Weise die katho- lische Theologie. Das Kennzeichen Babylons war die Selbstvergötterung, das Merk- mal Persiens die Unterdrückung. Der Führungsstil vieler Päpste entspricht diesen Merkmalen. Das Papsttum übte politische und religiöse Macht aus und beherrschte das Gewissen der Menschen.

Das Meertier erbte von Rom aber nicht nur den Thron, sondern auch die sieben Häupter und 10 Hörner. Die 10 Hörner bedeuten, wie bereits von Gott in Daniel 7 erklärt wurde, 10 Reiche, die auf dem Boden des untergegangenen weströmischen Reiches entstehen sollten. Auf dem Kopf des roten Drachen erscheinen die Hörner ohne Kronen. D.h. zurzeit des Römischen Reiches hatten sie ihre Herrschaft noch nicht angetreten. Darum sind die Kronen beim Drachen auf den sieben Köpfen, welche die sieben Regierungsformen Roms darstellen. Als Rom unterging wech- selten die Kronen von den sieben Häuptern auf die 10 Hörner. D.h. das Papsttum kam zur Macht, als die europäischen Staaten entstanden.

Dass die Hörner auf dem Kopf des Tieres mit Kronen erscheinen, bedeutet, dass sie ihre Herrschaft nicht selbständig, sondern nur in Verbindung mit dem Tier ausüben. Genau dies trifft auf die Beziehungen der europäischen Staaten zum Vatikan zu. Jahrhunderte hindurch waren sie vom Papst abhängig, während sie gleichzeitig die Macht und das Ansehen des Papsttums förderten, indem sie willfährige Diener der päpstlichen Kirche wurden.

Die göttliche Prophetie sagt in Offb. 17,12.13 (Hfa): „Die zehn Hörner bedeuten zehn Könige… sie stellen sich mit ihrer Macht und ihrem Einfluss dem Tier zur Verfügung“. Ich erinnere z.B. an die innige Verbindung der französischen Krone zum Papsttum. Papst Innozenz III. rief voller Stolz aus: „Ist der König von England nicht mein Leibeigener?“ Der Historiker Gibbon schrieb, dass Papst Innozenz III. in der Welt mächtiger war als irgendein Imperator, der die Welt regiert hatte. Könige legten ihre Krone zu Füßen des Papstes und ließen sich von ihm krönen. Sie küssten die Schuhe des Papstes, um ihre Unterwürfigkeit zu bekunden.

Papst Bonifatius VIII. stellte die Frage; „Hat mich Gott nicht zum Fürsten über alle Völker gesetzt‘? Aus der Hand des Papstes erhielten viele Könige Europas ihre Kronen. Die gekrönten Hörner, getragen vom Tier, genauer und bildhafter hätte die göttliche Vision die geschichtliche Entwicklung nicht beschreiben können.

Wie sehr die europäischen Saaten das Papsttum unterstützen sollten, wird in Offb. 17,12.13 beschrieben. „Die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind  zehn Könige, die ihr Reich noch nicht empfangen haben; aber wie Könige werden sie Macht empfangen eine Stunde mit dem Tier. Diese haben einerlei Meinung und geben ihre Kraft und Macht dem Tier.“ Der Hinweis, dass die 10 Reiche eine Stunde lang zusammen mit dem Tier Macht empfangen sollten, bedeutet, dass sie gleichzeitig mit dem Tier herrschen würden. Der griechische Urtext sagt: „Mian Horan“, dies bedeutet genau übersetzt: „in derselben Zeit“. Dieser Hinweis beschreibt genau die Entwicklung. Die europäischen Staaten und das Papsttum sind mitein- ander nach dem Untergang des weströmischen Reiches entstanden.

James Conroy, ein katholischer Schriftsteller, schrieb in der Vierteljährlichen Rund- schau amerikanischer Katholiken: „Als Rom durch die Versäumnisse der Regenten des Westens der Gnade barbarischer Horden ausgeliefert war, wandten sich die Römer um Schutz und Hilfe an eine Person und baten sie, über sie zu herrschen. Auf diese einfache Weise und mit allen königlichen Rechten ausgestattet, begann die zeitliche Oberherrschaft des Papstes. Indem sich der Stellvertreter Christi demütig auf den Thron des Cäsars setzte, ergriff er das Zepter, dem die Kaiser und Könige Europas viele Jahrzehnte huldigen mussten.“

Der Abt Regino von Prüm schrieb in der Chronik über Papst Nikolaus I: „Den Königen und Tyrannen gebot er, und er beherrschte sie durch sein Ansehen, als ob er der Herr des Erdkreises wäre.“ Papst Gregor VII (1073-1085) verkündete am 14.2.1076:

„Ich verbiete König Heinrich, der sich in törichtem Hochmut gegen die Kirche erhoben hat, das Königreich Deutschland und Italien zu regieren; ich entbinde jeden davon, ihn als König anzuerkennen.“ Das war noch nie da gewesen; der Papst setzt einen König ab!

Der Geschichtswissenschaftler Daniel-Rops schrieb über Papst Innozenz II. (1130- 1143): „In Vertretung dessen, dem die Erde und alles, was sich auf ihr befindet, gehört, und alle, die sie bewohnen gehören, als Bevollmächtigter dessen, durch den die Könige herrschen und die Fürsten regieren, der die Königreiche nach seinem Wohlgefallen vergibt, hat der Papst die Macht, zu stürzen, zu zerstören, zu zerstreuen, zu vertreiben, zu errichten und einzurichten…Der Papst wird keine Gewaltenteilung mit jemandem hinnehmen.“

Und über Papst Innozenz III. (1198-1216) urteilte er: „Seine Amtszeit war eine der strahlendsten der christlichen Geschichte. Er vertrieb den Kaiser aus Italien, stellte Sizilien unter seine Vormundschaft und England unter seine Schutzherrschaft, bestimmte über die germanische Krone, übte über Ungarn, Aragon und Kastilien Kontrolle aus, führte die Christenheit in die Kreuzzüge und warf die Ketzerei mit Waffengewalt nieder.“

In Offb. 13,7 lesen wir: „Das Tier herrschte uneingeschränkt über alle Völker und Nationen, über die Menschen aller Rassen und Sprachen.“ Ein Gemälde von Vasari zeigt den Machtkampf zwischen Papst und Kaiser. Papst Gregor IX. bannt Kaiser Friedrich II. (1227) und tritt den Kaiser mit Füßen.

Dass es sich um eine religiöse Macht handeln muss, wird an dem mehrfachen Hinweis auf die Anbetung sichtbar.

3. Die Lästerungen, die Werke und die Zahl des Tieres – Offb. 13,5.6.18

„Es führt prahlerische und lästerliche Reden ... es tat sein Maul auf zu Lästerungen wider Gott, um seinen Namen zu lästern.“ Wie sind diese Lästerungen zu verstehen? Worin bestehen sie? Nach Markus 2,7 wird Gott gelästert, wenn sich Menschen anmaßen, Sünden vergeben zu können. Und in Johannes 10,36 wird erklärt, dass Menschen Gott lästern, wenn sie behaupten Gottes Stellvertreter zu sein. Und was bedeutet es, den Namen Gottes zu lästern?

Der Name Gottes wird durch den Propheten Jesaja folgendermaßen erklärt. Jesaja 63,16: „Du Herr, du bist unser Vater, unser Erlöser, so hast du von jeher geheißen!“ Durch den Propheten Maleachi fragt Gott: „Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre?“ Die Apostel haben keinem Menschen den Titel „Heiliger Vater“ gegeben und keinen aus ihrer Mitte als religiöse Vaterfigur verehrt. Dagegen haben sie Gott stets als den alleinigen Vater aller Gläubigen bezeugt. Petrus schrieb den Gläubigen in 1. Petrus 1,17: „Ich bete zu Gott als eurem Vater!“ In Hebräer 12,9 werden wir darauf hingewiesen, die Erziehung unseres göttlichen Vaters anzunehmen. Im Brief an die Epheser schreibt der Apostel Paulus von Gott, dem Vater, dem alle Herrlichkeit gehört. (Eph.1,17) Und in Kap. 3,14.15 bezeugt der Apostel, dass er seine Knie nur vor Gott, dem Vater, beugt und ihn allein anbetet.

Im Gegensatz  dazu  schrieb Papst Bonifatius VIII. in der Bulle „Unam sanctam“:  „Wir behaupten deshalb, bestimmen und verkündigen, dass es zur Seligkeit erforderlich ist, zu glauben, dass jedes menschliche Geschöpf dem Papst zu Rom unterworfen ist.“

Nachdem sich die Päpste als legitime Nachfolger der Römischen Kaiser verstanden, übernahmen sie auch deren Titel und die damit verbundenen Machtansprüche. Der Römische Kaiser Domitian benutzte Staatspapiere mit dem lästerhaften Titel: „Kaiser Domitian unser Herr und unser Gott!“ Dieselbe Anmaßung finden wir bei den Päpsten. Auf dem 5. Laterankonzil (1512) wurde der Papst mit den Worten betitelt: „Du bist ein anderer Gott auf Erden.“ Die „Catholik National“ behauptete in der Juli Ausgabe von 1895: “Der Papst ist nicht nur der Stellvertreter Jesu Christi, sondern er ist selbst Jesus Christus, verborgen in der Hülle des Fleisches.”

Während des Konzils von 1870, auf dem das Unfehlbarkeitsdogma der Päpste verkündigt wurde, predigte Erzbischof Dubrevil u.a.: „Die Fleischwerdung Gottes findet dreimal statt: in der Krippe zu Bethlehem, am Meßaltar und im Vatikan.“ Als Papst Clemens VIII. dem Bischof Duperron den Kardinalshut überreichte, dankte ihm dieser mit den Worten: „Ich habe eure Heiligkeit allezeit als Gott auf Erden verehrt.“ Innozenz III. behauptete, der Papst nimmt im kanonischen Recht die Stellung des wahrhaftigen Gottes auf Erden ein. Am 20. Juni 1894 erklärte Papst Leo XIII: „Wir nehmen auf Erden den Platz des allmächtigen Gottes ein.“

In den Anmerkungen zu den „Extravangantes“ Papst Johannes XXII finden sich im

  1. Abschnitt des 4. Kapitels, das die Überschrift „Declaramus“ trägt, folgende lateinischen Worte: „Dominum Deum nostrum Papam“, was übersetzt heißt:

„Unserem Herr Gott, dem Papst“. Nach dem Attentat auf Johannes Paul II. schrieb die Zeitschrift „Time“ am 25.5.1981: „Es ist so, als ob man Gott erschießen wollte.“

„Es lästert Gottes Zelt“ Offb 13,6 „Es verhöhnte sein Heiligtum“ (Hfa) d.h. das Heiligtum Gottes, wo Christus als der rechte Hohepriester für alle Gläubigen die Verdienste seines einmaligen Versöhnungsopfers wirksam macht. Indem die Auf- merksamkeit der Gläubigen, auf irdische Tempel, auf eine irdische Priesterschaft, einen irdischen Pontifex Maximus und ein tägliches Versöhnungsopfer für Lebendige und Tote in der Messe gelenkt wird, wird die unmittelbare Beziehung der Gläubigen zu Christus und die Gewissheit ihrer bereits vollbrachten Versöhnung gestört. Die Heilige Schrift gibt über den himmlischen Tempel und den Priesterdienst Christi im Hebräerbrief folgende Botschaft: „Wir haben einen Hohenpriester, der sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel und ist ein Diener am Heiligtum, das der Herr aufgerichtet hat und nicht ein Mensch.“ (Hbr. 8,1.2) „Er ist … durch sein eigenes Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erlangt.

Christus ist nicht eingegangen in das Heiligtum, das mit Händen gemacht ist, … sondern in den Himmel selbst, um jetzt zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns.“ Hebr. 9,12.24) „Denn mit einem einzigen Opfer hat er für immer die vollendet, die geheiligt werden Wo aber Vergebung der Sünde ist, da geschieht kein Opfer mehr für die Sünde.“ (Hebr. 10,14.18)

Entgegen dieser klaren Aussage beschrieb der Erzbischof von Salzburg, Johannes Katschthaler, in einem Hirtenbrief vom 2. Febr.1905 die kath. Messe auf folgende Weise: „Machen die Priester den Leib, das Blut des Herrn nur gegenwärtig? Nein! Sondern sie opfern, sie bringen dem himmlischen Vater das Opfer dar. Es ist dasselbe, was Christus blutigerweise auf Kalvaria und unblutigerweise beim letzten Abendmahl getan hat. Hier in der heiligen Messe tut er dasselbe durch seine Stellvertreter, die kath. Priester. Die Priester hat er an seine Stelle gesetzt, damit sie dasselbe Opfer, das er dargebracht, fortsetzen. Ihnen hat er das Recht über seine heilige Menschheit übertragen, ihnen gleichsam Gewalt über seinen Leib gegeben. Der kath. Priester kann ihn nicht bloß auf dem Altar gegenwärtig machen, ihn im Tabernakel verschließen, ihn wieder nehmen und den Gläubigen zum Genusse reichen, er kann sogar ihn, den Mensch gewordenen Gottessohn für Lebendige und Tote als unblutiges Opfer darbringen, Christus, der das ganze Weltall trägt, ist dem kath. Priester hierin zu Willen “

Die Zahl des Tieres ist 666 – Offb. 13,18

Offenbarung 13,17.18 fordert uns auf, die Zahl des Tieres zu bedenken. Es wird uns gesagt, „es ist die Zahl eines Menschen“. Der Zusammenhang macht klar, dass es sich bei diesem Menschen nur um den obersten Repräsentanten des in der  Prophetie vorhergesagten religiös-politischen Systems handeln kann. Wer diesen Zusammenhang nicht beachtet, muss zu einer spekulativen Fehldeutung kommen. Einer der offiziellen Titel des Papstes lautet im Lateinischen „Vicarius Filli Dei“ – d.h. übersetzt: Stellvertreter des Sohnes Gottes. Die römischen Zahlenwerte seines Namens ergeben die Zahl 666.

Dr. Martin Luther brachte das Papsttum mit der Zahl 666 in Verbindung. Sprachwissenschaftler haben die Namen von 400 Königreichen untersucht, um herauszufinden, ob in ihnen die Zahl 666 enthalten sei. Aber sie konnten nicht einen Namen finden. Die katholische Bibel in der Übersetzung von Douay sagt in einer Fußnote zu Offb. 13,18: „Die Buchstaben seines Namens, die einen Zahlenwert haben, ergeben diese Zahl.“ Dies trifft zu Recht auf die Buchstaben des Titels

Vicarius Filii Dei“ zu.

„Es streitet gegen die Gläubigen. Es führt Krieg gegen sie“ – Offb. 13,7

Wer denkt dabei nicht an die Kreuzzüge gegen die als Ketzer angesehenen Bibel- christen, wie z.B. die Waldenser in Norditalien und die Albigenser in Südfrankreich?

Der  Historiker  Gibbon   behauptet   in   seinem   Werk   „Geschichte   des Römischen Reiches“, dass, indem allein in den Niederlanden mehr als 100.000 Protestanten durch Henkershand hingerichtet wurden, die Verfolgungssucht des päpstlichen Roms die des heidnischen weit übertroffen habe.

Ein weiterer Beweis sind die von den Päpsten seit 1215 eingesetzten Inquisitionsgerichte. In seiner Geschichte der spanischen lnquisition gibt Llorente, der frühere Sekretär der Inquisition, die Zahl der in Spanien bis 1783 verurteilten und dem Flammentod ausgelieferten Ketzer mit 31.912 an. Unermüdlich propagierte lnnozenz III, die Ketzerbestimmungen des Römischen Rechts auf alle im Widerspruch zur kath. Lehre stehenden Gläubigen anzuwenden. In der Verfolgung und Hinrichtung von Gläubigen erfüllte sich eine Vorhersage Jesu, die wir in Johannes 16,2 finden. „Es wird so weit kommen, dass man meinen wird, Gott einen Dienst zu tun, wenn man euch tötet.“ Nur so ist zu verstehen, dass ein Kapuzinerpater die gesegneten und geheiligten Flammen der Scheiterhaufen pries. Die Encarta Encyclopädie von Microsoft sagt dazu unter dem Stichwort

„Ketzerverfolgung“: „Von der offiziellen Römisch-katholischen Lehre abweichende Gläubige, so genannte Ketzer, wurden von der Kirche ausgeschlossen und von der Inquisition verfolgt, gefoltert und hingerichtet.“

Zur Verfolgung und Ausrottung der Bibelchristen gehört auch die jahrhundertlange Unterdrückung und Vernichtung der Heiligen Schrift. Das Konzil, das während des Kreuzzugs gegen die Albigenser In Toulouse tagte, entschied: „Wir untersagen auch, dass man den Laien gestatte, die Bücher des Alten und des Neuen Testamentes zu besitzen. . . Wir verbieten ihnen auf das Nachdrücklichste, die oben erwähnten Bücher in der Volkssprache zu besitzen. Die Wohnungen, die elendsten Hütten und selbst die verborgensten Zufluchtsstätten jener Menschen, bei denen derartige Schriften gefunden werden, sollen vollständig vernichtet werden. Diese Leute sollen bis in die Wälder und Höhlen verfolgt werden, und wer ihnen Obdach gewährt, hat strenge Strafe zu erwarten.“ Das Konzil zu Taragona (1234) bestimmte: „Niemand darf das Alte oder Neue Testament lesen oder verbreiten … oder … er würde der Ketzerei angeklagt werden.“

Dass heute katholische Christen die Bibel in Freiheit lesen und besitzen können, ist ein Wunder Gottes vor unseren Augen. Hat doch Papst Pius IX. 1866 die Bibel- gesellschaften zusammen mit Sozialismus, Kommunismus und heimlichen Vereini- gungen liberaler Geistlicher als Pest verdammt. Dieses Verhalten steht im krassen Gegensatz zur Lehre der Apostel. Du bist von frühester Kindheit an mit der Heiligen Schrift vertraut. Sie zeigt dir den einzigen Weg zur Rettung, den Glauben an Jesus Christus. Denn die ganze Heilige Schrift ist von Gottes Geist eingegeben. Sie lehrt uns, die Wahrheit zu erkennen, unsere Schuld einzusehen, uns von Grund auf zu ändern und so zu leben, dass wir vor Gott bestehen Können. (2. Tim. 3,15-17)

4. Die Zelt der absoluten Vorherrschaft des Tieres – Offb. 13,5

„Es wurde ihm Macht gegeben, es zu tun zweiundvierzig Monate“. Hochinteressant ist, dass der Abt Joachim, den die Päpste baten, seine apokalyptischen Erklärungen aufzuschreiben, und der 1202 im Rufe eines Heiligen und Propheten starb, in dieser Zeitangabe prophetische Jahrtage sah, nach deren Ablauf das ewige Evangelium aller Welt verkündigt würde.

42 Monate sind 1260 Tage, d.h. 1260 Jahre, da in der biblischen Prophetie ein Tag ein Jahr ist. In Offb. 12,6 wird darum die Verfolgungszelt der Gemeinde Jesu mit 1260 Tagen angegeben. Die 1260 Jahre päpstlicher Vorherrschaft in Europa über Politik, Religion und Gewissen der Menschen begannen 538, als der oströmische Kaiser Justinian den römischen Bischof durch einen Erlass zum Haupt aller Priester und Züchtiger der Ketzer erklärte, und sie endeten 1260 Jahre später, als die französische Revolution dem Papst 1798 diese Macht entriss und Papst Pius den VI. gefangen nahm.

5. Die Todeswunde des Tieres und seine Heilung – Offb. 13,3

„Und ich sah eines seiner Häupter, als wäre es tödlich verwundet, und seine tödliche Wunde wurde heil. Und die ganze Erde wunderte sich über das Tier.“ Wir sind überzeugt, dass sich diese Prophezeiung erfüllte, als der französische General Berthier mit seinen Truppen 1798 in Rom einzog, die politische Herrschaft des Papstes als beendet erklärte und den Papst als Gefangenen nach Frankreich entführte, wo er im August 1799 starb.

Die Welt war nun nicht nur zum ersten Mal ohne Papst, sondern auch das Kollegium der Kardinale wurde aufgelöst. 1808 nahm Napoleon den Vatikanstaat ein. 1809 wurde Pius VII. gefangen genommen und nach Savona gebracht. Im Mai 1814 kehrte er nach Rom zurück. Bis dahin hatte man ihn an jeglicher Ausübung seines Pontifikats gehindert. Leopold von Ranke gibt zu dieser Entwicklung in seinem Geschichtswerk „Die Päpste“ folgende Bemerkung: „In der Tat, es konnte scheinen, als ob es mit der päpstlichen Gewalt für immer aus sei.“

Eine weitere Verwundung erlitt die päpstliche Macht als das vereinigte Italien den Kirchenstaat auflöste und die politische Macht des Papstes über Italien beendete. Die Italiener wehrten sich gegen die politischen Machtbefugnisse des Papstes. Carlo Ademollo hielt in einem Gemälde den Moment fest, da am 20. September 1870 italienische Truppen die Stadt Rom stürmten. Zuvor hatte König Viktor Emanuel II. vergeblich versucht, mit Papst Pius IX. die „Römische Frage” auf friedlichem Weg zu lösen; schließlich willigte er in die militärische Besetzung Roms ein, vollendete so die Einigung Italiens und beendete die weltliche Herrschaft des Papsttums.

Als die italienischen Truppen Rom besetzten und zur Hauptstadt eines vereinigten Nationalstaates erklärten, wandten sich die empörten Volksmassen auch gegen den Vatikan, so dass der Papst in Schutz genommen werden musste. Der Papst bezeich- nete sich von nun an selbst als Gefangener des Vatikans. Bis 1929 hatte das Papsttum außerhalb der katholischen Kirche keine Macht. Die Verbindung von Kirche und Staat war vernichtet worden.

Doch seit Sept. 1929, als Kardinal Gaspari den Vertrag mit Mussolini unterzeichnete, ist der Vatikan wieder ein souveräner, international anerkannter Staat und der Papst wieder ein weltlicher König, gleichberechtigt unter den Herrschern der Erde. Der Papst wurde „zum souveränen Herrscher der Welt“ gekrönt. Seit jenem Tage wächst die Macht und das Ansehen des Papstes unaufhaltsam. Der offizielle Berichterstatter der Kirche beschrieb den historischen Moment der Unterzeichnung des Vertrages zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung mit folgenden Worten: „Wir sind nun Zeugen der Unterschrift des Dokuments. Während die Tinte aus der Feder fließt, heilt die Wunde von 59 Jahren.“ Gemeint sind die Jahre von der Auflösung des Kirchenstaates im Jahre 1870 bis zur Unterzeichnung des Staatsvertrages. Fast alle Staaten dieser Erde haben seitdem mit dem Vatikan diplomatische Beziehungen aufgenommen.

Kardinal J. Hergenröther schrieb über die Heilung der tödlichen Wunde in seinem Werk „Allgemeine Kirchengeschichte Bd. II: „Mehr als einmal, besonders 1798, 1808, 1859 und 1870 setzten die Feinde dem Leichnam der Römischen Kirche Grab- schriften, ohne sich auch nur die Möglichkeit einer Auferstehung träumen zu lassen; aber der voreilige Triumph wurde jedes Mal durch ein sichtbares Walten der Vorher- sehung zuschanden und das Gegenteil des Erwarteten trat ein.“

Brachte die französische Revolution die politische Verwundung des Tieres, so fügte die Reformation mit ihrer zentralen Lehre von der Gerechtigkeit durch Glauben Rom eine schwere religiöse Verwundung zu. Außerdem bezeichneten die Reformatoren durch ihr Verständnis von der biblischen Prophetie das päpstliche System als den Antichristen. Doch auch diese Wunde ist geheilt. Fast alle protestantischen Kirchen und Gemeinschaften anerkennen das Papsttum und denken bereits darüber nach, dem Papst eine leitende Hirtenfunktion über alle Christen einzuräumen.

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