Einhundert Jahre ist es her, dass in der Weimarer Republik die so genannte Weimarer Verfassung verabschiedet wurde. Sie gilt als die modernste Verfassung der Welt der damaligen Zeit. Und doch enthält sie einen Paragraphen, der alles andere als modern anmutet, sondern eher ein Relikt aus mittelalterlichen, gar spätantiken Zeiten ist. In Artikel 139 der Weimarer Verfassung heißt es: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“ Dieser Artikel ist auch Bestandteil des deutschen Grundgesetzes von 1949 und hat bis heute seine Gültigkeit nicht verloren.

Es wird weitläufig die Meinung vertreten, dass die Heiligung des Sonntags der Tradition der frühen Christenheit entspringt. Anders als viele meinen, hat die Sonntagsfeier keinen biblischen Ursprung. Gott selbst erklärte nicht den Sonntag für heilig, sondern den Sabbat, der in Deutschland als Samstag bezeichnet wird. Bereits in der Schöpfungsgeschichte lesen wir:

1. Mose 2,3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

Dasselbe wird auch in den Zehn Geboten noch einmal wiederholt:

2. Mose 20,11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.

Auch zu neutestamentlichen Zeiten pflegten es Jesus und Seine Apostel stets, den Sabbat zu heiligen. Genauso richteten sich ebenfalls die frühen Christen nach der biblischen Ordnung der Sabbatheiligung.

Der römisch-katholische Kaiser Konstantin war es schließlich, der im Jahr 321 n. Chr. entgegen der göttlichen Vorschrift den „ehrwürdigen Tag der Sonne“, den Sonntag, als verpflichtenden Ruhetag einführte. Verknüpft mit der Sonnenanbetung ist die Sonntagsheiligung also vielmehr heidnischen als christlichen Ursprungs. Dass die päpstliche Kirche den göttlichen Ruhetag verschoben hat, gibt sie auch offen zu: “Wir halten den Sonntag anstelle des Samstags, weil die katholische Kirche die Feierlichkeit vom Samstag auf den Sonntag verlegt hat.“ (Geiermann, Peter: The Convert’s Catechism of Catholic Doctrine, St. Louis 1957, S. 50)

Im Mittelalter vermehrten sich die römisch-katholischen Gebote bezüglich der Sonntagsruhe. Jeder war verpflichtet, der Hauptmesse und der Nachmittagsvesper beizuwohnen. Wer am Sonntag arbeitete, dem wurde das Seelenheil abgesprochen.

Zwar wurden nach der Reformation und besonders auch in der Zeit der Aufklärung viele Relikte kirchlicher Tradition über Bord geworfen, doch blieb auch im 19. Jahrhundert die Sonntagsruhe ein fester Bestandteil des öffentlichen Lebens. Im Jahre 1891 wurde im Deutschen Reich im Zuge des Arbeiterschutzgesetzes auch ein Verbot der Sonntagsarbeit erlassen – wie zu mittelalterlichen Zeiten. Und nach dem Ersten Weltkrieg war es dann ausgerechnet die sonst so fortschrittliche Weimarer Verfassung, die die Sonntagsfeier mit einer allgemeinen Verbindlichkeit ausstattete.

Heutzutage sind es bekennende Christen vieler Kirchen wie jüngst der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, die eine Ausweitung der Sonntagsheiligung fordern –  obwohl diese ihre Wurzeln in ganz anderen Religionen hat.

Auch wenn eine große Kirche sich anmaßte, den Sabbat auf den Sonntag zu verlegen, so bleibt das Wort Gottes dennoch unveränderlich. Es war Gott selbst, der den siebten Tag der Woche als ewigen Ruhetag einsetzte. Wer Ihm ernstlich folgen will, der hört auf Sein Wort:

Gedenke des Sabbattages und heilige ihn. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes.

2. Mose 20,8-10a

Dieser Artikel hat 2 Kommentare

  1. Bernd Dannigkeit Antworten

    Liebe SDA-Geschwister, die Ihr , das oben schreibt, kann ich gut nachvollziehen. Ihr möchtet das der SHABBAT von allen Christen beachtet wird gefeiert und respecktiert wird. Habt Geduld , das wird bald geschehen , nämlich dann , wenn JESUS CHRISTUS kommt „MARANATHA“ . Was ist denn schon die Zeit von 321 nach CHRISTUS bis zum Jahr 2019 , es ist nicht einmal ein Wimpernschlag , wenn wir die „EWIGKEIT“ , gegenüberstellen.
    Ich wünsche Euch GOTTES reichen Segen und SEINE Begleitung auch weiterhin.
    In JESU CHRISTI Namen AMEN. *

  2. Apache Antworten

    Das Christen-Tum ist im eigentlichen Sinn eine Sonnen-Religion. Zum Christus wird ein Mensch dann, wenn er die höchste Einweihungsstufe erreicht, die Sonnen-Einweihung oder eben Christus-Einweihung. Das Fische-Zeitalter, wird dadurch gekennzeichnet, daß während dieser Zeit vorrangig die Christus-Lehre in den Völkern ausgebreitet werden sollte. Der dazu passende wichtigste Wochentag ist eben der Sonnen-Tag, also der Sonntag und nicht der Sabbat, der dem Judentum gehört, was eine Menschen-Entwicklungs-Epoche zuvor gelebt wurde.

    Die Priester hatten die Idee, daß sich die Uhr des Raumes mit seinen Gesetzen auf die Entwicklung der Menschen auf der Erde abbilden sollte. Das Christentum und zuvor das Judentum und zuvor das Ägyptische Zeitalter sind also Teile einer umfassenden kosmischen Religion.

    Diese Idee ist meiner Ansicht nach erst einmal völlig in Ordnung. Die Umsetzung dieser Idee leidet aber leider an vielen verschiedenen Schwierigkeiten.

    Es ist völlig sinnlos, sich über den ‚heiligsten‘ Tag der Woche zu streiten, da diese Festlegung in Wahrheit nur eine Projektion und ein Symbol darstellt. Die Idee der Priester, dieses Symbol mit Sinn und Zweck aktiv zu gestalten und mit sinnvollem Leben zu erfüllen, ist auch eine gute Idee, die sich aus der Erfahrung der älteren Tempel-Zeiten zuvor nährt. Dazu gibt es jede Menge zu erzählen. Der Sonntags-Gottesdienst und die Feiertage sind ein Überbleibsel aus jenen älteren Zeiten.

    In den letzten tausenden Jahren wurden leider viele Fehler gemacht, was große Struktur-Probleme verursacht. Nicht nur das, es werden bis heute extrem schlimme Dinge getan und ich kann nur vermuten was ungefähr passiert ist und aktuell geschieht. Die Erklärungen im Wortlaut der Volks-Frömmigkeit sind nahezu sinnlos und helfen nicht wirklich weiter bei der Lösungsfindung. Es besteht die Gefahr, daß alles noch sehr viel schlimmer werden wird, denn die inneren Strukturen der Menschheit sind ernsthaft krank. Wie will man darauf ein gesundes und erfolgreiches neues Zeitalter aufbauen?

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