Quelle: CC-BY-SA, www.wikimedia.org, User: Superikonoskop

Am neunten November jährte sich der Fall der Berliner Mauer zum 30. Mal. Anlass genug für die breite Medienlandschaft, in verschiedensten Rückblicken zu erörtern, wie weit die Wiedervereinigung tatsächlich vorangeschritten ist. Während Deutschland einer Studie zufolge etwa in Sachen Bildung oder Konsum weiter zusammenwächst, existieren in anderen Bereichen noch immer gravierende Unterschiede zwischen den Alten und den Neuen Bundesländern. Im Osten verdient man weniger, die Kaufkraft ist entsprechend geringer, es gibt mehr Arbeitslose und mehr Vorbehalte gegen Ausländer.

Doch schon einmal ist in Ostdeutschland eine historische Wende eingeleitet worden. Vor etwa 500 Jahren waren es Städte wie Eisenach, Magdeburg oder Leipzig, in denen zuerst das Mittelalter begraben wurde. Es war die Zeit der Reformation, die nach Ansicht der meisten Historiker die Epoche der Neuzeit einläutete.

Im heutigen Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg fasste die Reformation Fuß und breitete sich von dort in alle Teile des Landes aus. Über Jahrhunderte hinweg sollte der Osten Deutschlands die Hochburg des Protestantismus sein.

Doch was ist heute davon übrig? Mehr als die Hälfte der Ostdeutschen bezeichnen sich als Atheisten. Nur noch jedes achte Kind wird religiös erzogen. Im Westen ist es immerhin jedes Dritte. Dort zählt man auch fünfmal (!) weniger Atheisten als im Osten. Einst die Spitze der Reformation ist das Gebiet der ehemaligen DDR heute die gottloseste Gegend der Welt. Die erschütternde Wahrheit: Nirgendwo sonst in der westlichen Zivilisation glauben so wenige Menschen an Gott wie in Ostdeutschland.

Quelle: Germany with States – Single Color by FreeVectorMaps.com

Man mag meinen, dieses Phänomen sei lediglich auf die sozialistische Religionsfeindschaft des DDR-Staates zurückzuführen. Und in der Tat sagten vor dem Bau der Mauer 1961 noch 90 Prozent der Ostdeutschen, sie würden an einen persönlichen Gott glauben. Doch die Ursache für die ostdeutsche Gottesferne auf die Umstände in der DDR zu reduzieren, wäre zu kurz gedacht. Denn tatsächlich hat sich mit zunehmendem zeitlichem Abstand zur DDR deren Atheismus sogar verschärft. Das ehemals hochprotestantische Ostdeutschland durchläuft einen unnachahmlichen Säkularisierungsprozess, der durch die DDR-Zeit zusätzlich beschleunigt wurde.

Zwar ist diese Tendenz in fast allen Industrienationen zu erkennen, doch ist sie im Osten Deutschlands besonders akut. Von der Speerspitze der Reformation zum Herz des Atheismus: Der Osten braucht eine Rückbesinnung auf seine reformatorischen Wurzeln. Was der Osten jetzt braucht, ist eine neue Erweckung.

Dieser Artikel hat 6 Kommentare

  1. Bernd Dannigkeit Antworten

    Ich bin Siebenten-Tags-Adventist, und habe festgestell , das auch in unserer Gemeinschaft (STA) eine Verdrossneheit was den Glauben an JESUS CHRISTUS betrifft sich breit macht . Ein Beispiel , ich bin Glied der Berlin-Mitteldeutschen-Vereinigung (BMV) . In den lezten 10 Jahren haben annähernd 50% meiner Gemeinde – Geschwister , sich abgewand, kommen nicht mehr in den SHABBAT-GOTTESDIENST. Das habe ich in der Gemeinde angesprochen, und erfuhr nur gleichgültiges Schweigen. Ich bin traurig über die Geschwister, über den Trent. Antwortet mir blos nicht, da mußt du mehr beten. Mein Heiland JESUS CHRISTUS kennt diesen Abfall . (Omega 2 Die Gemeinde GOTTES vor dem Abgrund) von Lewis R. Walten.

  2. Marcela Jurica Antworten

    Ja, leider eine schreckliche Bilanz. Es ist überall. Unsere Gemeinden sind tief im Schlaf. Aber die Leute draußen die wachen auf. Sind auf der Suche.
    Gehe raus mit Missionstisch. Lade die Leute zu Jesus. Bilde Hauskreis. Jesus kommt sehr, sehr bald. Unser Heiland wird Segnen.

  3. Rita Laub Antworten

    Da wißt Ihr ja nun, wo Ihr das Evangelium Jesus Christi hinbringen könnt….In den Osten!!!

    • JKR Antworten

      Liebe Rita Laub, „Diener des Evangeliums“ sollte zur Pflichtlektüre der leitenden Brüder der Siebenten – Tags – Adventisten erklärt werden. Deinen Frust und Erfahrungen kann ich nachvollziehen. Trotz alledem: JESUS CHRISTUS ist der Weg zu unserer Erlösung.
      GOTTES Segen
      JKR

  4. Stephan F. Antworten

    Hallo liebes AD-Team,

    ich habe als Erwachsener den Glauben gefunden und bin ein Adventist. Ich finde vieles an Ihrer Arbeit bei AD sehr lobenswert, aber diesen Artikel finde ich nicht gut und sehr unpräzise.

    1. „Deutschlands Osten bleibt gottloseste Gegend der Welt“ & „Nirgendwo auf der Welt glauben so wenige Menschen an Gott wie in Ostdeutschland“

    Geht es hier um den Glauben an „irgendeinen“ Gott oder an DEN einzigen wahren Gott der Bibel? Wen man letzteres Kriterium nimmt, wieviele Menschen glauben dann z. B. in Saudi Arabien an Gott? Aber Ostdeutschland soll „gottloser“ sein?

    2. „Im Osten gibt es mehr Vorbehalte gegen Ausländer“

    Gegen alle Ausländer oder gegen wen richten sich die Vorbehalte? Auch gegen Iren, Kanadier, Japaner, Argentinier und Finnen? Oder sind es vielleicht berechtigte Sorgen gegenüber einer engeren Gruppe mit einer ganz spezifischen Sozialisation?

    3. „Nur jedes achte Kind wird religiös erzogen“

    Ist es besser „irgendwie“ religiös erzogen zu werden als unreligiös? In Saudi Arabien wird bestimmt JEDES Kind „religiös“ erzogen. Ist das jetzt besser?

    Der Grund, warum u.a. im Osten immer weniger an einen Gott glauben, ist ,weil ihnen niemand den Unterschied zwischen dem Gott der Bibel und all den anderen falschen Göttern, Religionen und Bibelauslegungen erklärt! Weil aus Angst niemand Stellung bezieht… es ist ja so viel gefahrloser und einfacher auf Rockmusiker, Raucher und Ostdeutsche zu zielen.

    Wer in Massen Gläubige destruktiver Götzenreligionen in unsere christlichen Länder lässt und als christliche Kirche bei den dann entstehenden Problemen mit falschen Toleranzbegriffen a la Lessing argumentiert und die Theologie der Bibel auf einen weltlich geprägten und definierten (Nächsten)Liebesbegriff limitiert, der sollte sich nicht wundern, dass ein Atheist auf GAR KEINE Religion und GAR KEINEN Gott mehr bock hat. Auch nicht auf den einzig wahren!

    Was wir in der EU durch die Auflösung der Nationalstaaten und der gesteuerten moslemisch/afrikanischen Massenmigration erleben ist genau das, wonach das Parlamentsgebäude in Straßburg aussieht: Der neue Turmbau zu Babel! Das Propagieren der „Menschheitsfamilie“ ist die Erfüllung von Endzeitprophetie. Aber was sagt Jesus nochmal? Wer ist seine Mutter und wer ist sein Bruder? Jeder? Ich glaube nicht…

    Amen

    • AD / Redaktion Antworten

      Lieber Stephan,

      vielen Dank für deine konstruktive Kritik.

      1. In der Tat sind die zitierten Passagen nicht präzise genug, denn die Studie umfasst zwar 30 verschiedene Länder auf unterschiedlichen Kontinenten, insbesondere aber diejenigen, die man der westlichen Zivilisation zuordnen könnte (Europa, Nordamerika, Japan, Chile, Neuseeland oder die Philippinen). Der Kontext der Studie (Herkunft befragter Personen und Fragestellung) lässt darauf schließen, dass es sich um eine Befragung zum Glauben an den jüdisch-christlichen Gott der Bibel handelt. Ob auch Allah gemeint sein könnte, geht aus den Fragestellungen nicht explizit hervor.
      Daher vielen Dank für den Hinweis.

      2. Die Befragung bezieht sich allgemein auf die Meinung zu Ausländern. Eine Spezifizierung bzgl. der genauen Herkunft oder Sozialisation hat nicht stattgefunden. Ob die Sorgen vieler Ostdeutscher berechtigter Natur sind, sollte nicht Thema dieser News-Meldung sein.

      3. Du sprichst einen wichtigen Punkt an. „Irgendwie“ religiös erzogen zu werden, kann sicherlich kein Heilrezept sein, nicht einmal innerhalb des christlichen Kontextes. Die im Artikel genannten Statistiken sollen lediglich auf die schwindende Bedeutung aufmerksam machen, die der Glaube an Gott in der Gesellschaft und im Privatleben einnimmt.

      Ich hoffe, die Antworten können ein wenig Licht ins Dunkle bringen.

      Liebe Grüße und Gottes Segen!

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