Die Themen Pornographie und Selbstbefriedigung gewinnen langsam, aber stetig an Aufmerksamkeit in der öffentlichen Debatte. Auch in den sozialen Medien wird sich immer offener damit auseinandergesetzt. Mit einer Masturbationsempfehlung hat die BARMER Krankenkasse erst kürzlich im Netz für Aufsehen gesorgt. In einem Facebook-Post hieß es:

„Wenn du mal wieder nicht schlafen kannst, dann leg einfach mal selbst Hand an oder hol dir ein Spielzeug dazu, dann kommt der Schlaf ganz von alleine.“

BARMER, 25.07.2019

Eine Kostenübernahme der Sexspielzeuge seitens der Krankenkasse dürften Versicherte jedoch nicht erwarten; dies stellte die BARMER im Kommentarbereich des Facebook-Posts klar. Laut BARMER-Sprecher Daniel Freudenreich bezweckte man mit dieser Aktion, das oftmals verschwiegene Thema Selbstbefriedigung aus der Tabuzone zu holen.

In der Tat ist in den letzten Jahren eine steigende Sexualisierung in Film- und Werbebranchen deutlich erkennbar gewesen. Im Zuge dessen erscheint auch die erfolgte Enttabuisierung von Masturbation wenig verwunderlich. Ohnehin scheint regelmäßige Selbstbefriedigung für den Großteil der Männer wie auch der Frauen in Deutschland selbstverständlich zu sein.

Doch was ist dran an der Behauptung der BARMER? Kann Masturbation eine geeignete Einschlafhilfe sein? Professor Peter Young, Schlafmediziner und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin, bestätigt gegenüber dem MDR die schlaffördernde Wirkung, die aus Muskelentspannungen resultiert. Gleichzeitig betont er jedoch, dass Selbstbefriedigung auf viele Menschen einen Einfluss hat, der häufig sogar zu einer Verschlechterung des Einschlafens führe.

In der medizinischen Forschung wird das Masturbieren sehr unterschiedlich bewertet. Während häufig der gesundheitsfördernde Effekt der Selbstbefriedigung betont wird, belegen etliche Studien, dass vermehrter Gebrauch von Internet-Pornographie zu verminderter Gehirnleistung führen kann. Insbesondere in den Arealen der Motivation, der Entscheidungsfindung und der Impulskontrolle sei mit Beeinträchtigungen zu rechnen. Erst im Mai hatte die Weltgesundheitsorganisation zwanghaftes Sexualverhalten als Krankheit eingestuft. Eine solche psychische Störung läge beispielsweise dann vor, wenn es zu übermäßigem Pornokonsum komme.

Dass sexuelles Verlangen und Verhalten nur unzureichend kontrolliert werden könne, ist bei deutlich mehr Menschen der Fall, als man bisher annahm. Die Auswertung einer Studie durch Forscher der University of Minnesota in Minneapolis ergab, dass sich bei rund 9% der Befragten ein zwanghaftes Sexualverhalten feststellen ließe. Die Wissenschaftler gaben außerdem an, dass diese Entwicklung möglicherweise mit der kulturellen Entwicklung und der gestiegenen sexuellen Selbstbestimmung der Frauen erklärt werden könnte.

Es fällt auf, dass Internetseiten mit explizit sexuellen Inhalten besonders häufig besucht werden. Unter den Top 10 der weltweit meistgeklickten Websites finden sich gleich zwei Seiten mit pornographischem Content.

Die Konfrontation mit sexuellen Inhalten wird in der heutigen Gesellschaft immer intensiver. Wirklich tabu sind die Themen rund um die Selbstbefriedigung schon lang nicht mehr. Dazu trägt nicht zuletzt auch der Beitrag der BARMER bei.

Der Prophet Jesaja rügt die Bewohner Jerusalems zu diesem Thema und sagt über sie in Jesaja 3,9:

… von ihren Sünden sprechen sie offen wie die Sodomiter und verbergen sie nicht. Wehe ihrer Seele, denn sie fügen sich selbst Schaden zu!

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