11. März 2016, fulcrum7.com, David Read

Der adventistische Neurochirurg Dr. Ben Carson, der für das US-Präsidialamt kandidierte, hat sich heute hinter den Immobilien-Mogul Donald Trump als Präsidenten der Vereinigten Staaten gestellt.

Nach den enttäuschenden Ergebnissen des „Super-Dienstages“ am 1. März 2016, an dem der New Yorker Milliardär Trump in sieben Staaten siegte, der texanische Senator Ted Cruz in drei Staaten und Floridas Senator Marco Rubio in einem Staat, während Carson leer ausging, beendete dieser vor Kurzem seine republikanische Präsidentschaftskampagne.

carson_docDr. Carson hat eine faszinierende Lebensgeschichte: Er wurde in Detroit von einer ungebildeten, alleinstehenden Mutter aufgezogen, die als Haushaltshilfe arbeitete, schloss trotzdem sein Medizinstudium an der Yale-Universität in Michigan ab und wurde zum führenden pädiatrischen Neurochirurgen der Welt. Diese Geschichte gab seiner an sich wenig erfolgversprechenden Präsidentschafts-Kampagne anfangs viel Auftrieb.

Dr. Carson kündigte seinen Einstieg in die politische Szene im Jahr 2013 beim „Nationalen Gebetsfrühstück“ an, wo er die amerikanische Gesundheitsreform „Obamacare“ scharf kritisierte, während Präsident Obama einen Meter weiter seinen Missmut kaum verbergen konnte (Carson berichtet, seine Steuererklärungen würden seither jährlich kontrolliert). John Philip Sousa IV., Großenkel des gleichnamigen, legendären Dirigenten und „Königs der Marschmusik“, gründete ein großes politisches Aktionskomitee und brachte drei Millionen Dollar auf, um Carson von einer Präsidentschaftskandidatur zu überzeugen.

Nach den ersten republikanischen Debatten schnitt Dr. Carson in Wahlumfragen fast ebenso gut ab wie Trump. Bei einer Wahlumfrage von NBC / WSJ am 2. November sowie mehreren Umfragen im Bundesstaat Iowa lag Carson sogar vor Trump. Aber noch vor den ersten Wahlen gingen diese Zahlen zurück, und Carson gelang es nicht, eine Vorwahl zu gewinnen (obwohl er in Iowa besser abschnitt als Jeb Bush und andere Kandidaten). Nach den enttäuschenden Ergebnissen des Super-Dienstages ließ Carson verlautbaren, er sehe „kein Weiter auf dem politischen Weg“ und werde an der nächsten Debatte der Republikaner nicht mehr teilnehmen. Am 4. März beendete er offiziell seine Kampagne und gab bekannt, er werde neuer Bundesvorsitzender von My Faith Votes werden, einer Gruppe, die Christen zur Wahl ermutigt.

Auf einer Pressekonferenz in New York erklärte Dr. Carson heute seine Unterstützung des Milliardärs Trump:

Manche fragen, warum ich einen Mann wie Donald Trump unterstütze. Ich will es Ihnen sagen. Zunächst einmal habe ich Donald Trump in den letzten Jahren persönlich kennengelernt. Er ist ein sehr intelligenter Mensch, dem Amerika wirklich am Herzen liegt. Es gibt zwei verschiedene Donald Trumps. Der eine steht auf der Bühne, der andere ist sehr intellektuell, setzt sich hin und überdenkt die Dinge sorgfältig. Man kann sich mit ihm gut unterhalten. Und diesen Donald Trump wird man jetzt immer häufiger zu sehen bekommen … Donald Trump spricht viel darüber, Amerika groß zu machen. Und das sagt er nicht nur, er meint es auch.

Dr. Carson hat sich besonders im Bereich Bildung für das Gemeinwohl eingesetzt. 1994 gründete er mit seiner Frau Candy den Carson Scholars Fund, der Stipendien im Wert von $ 1000 an vielversprechende Studenten verleiht, als Hilfe für ihre Studienkosten. Eine Hochschule für Wissenschaft und Medizin in Detroit sowie eine medizinische Fakultät der Siebenten-Tags-Adventisten in Nigeria sind nach Dr. Carson benannt.

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Donald Trump zeigte sich von Dr. Carsons Interesse und Kompetenz auf dem Gebiet der Bildung beeindruckt. Bei der republikanischen Debatte am Donnerstagabend hob er hervor, Carson sei ein zuverlässiger Berater für Bildung:

Ich traf mich heute mit Dr. Ben Carson, der sich morgen für mich aussprechen wird. Wir haben uns mehr als eine Stunde über Bildung unterhalten; er hat ein umfassendes Verständnis davon. Er möchte konkurrenzfähige Schulen. Er will einige fantastische Dinge erreichen, darunter auch [meist private] Charterschulen, die von den Gewerkschaften übrigens sehr bekämpft werden, obwohl sie gut funktionieren. Es gibt da noch einiges mehr. Jedenfalls möchte ich ihn stark in das Bildungsprogramm involvieren, denn in diesem Bereich ist er Experte.

Quelle:
Ben Carson Endorses Donald Trump

Dieser Artikel hat 4 Kommentare

  1. Jerry A. Brainard Antworten

    Ich bin etwas verwundert diesen doch neutral bis positiv wirkenden Bericht bei AD zu lesen.
    Realität ist doch, dass die Entscheidung von BC eine absolut schädliche ist. In der evangelikalen Welt der USA wird er u.a. als Heuchler gesehen, der wohl darauf abzielt ein mögliches Pöstchen im Umfeld eines möglichen Präsidenten zu bekommen. Die Entscheidung DT zu unterstützen könnte nicht krasser sein, und seine Reputation geht gegen null. DT hatte ihn ja als pathologischen Lügner gesehen, sowie einer der mit „Kind-Belästiger“. Und dann hat er sich nun für eine Initiative „Vote Christian“ engagiert.
    In der „hohen“ Politik haben Christen nichts zu suchen. Sie kommen nicht gegen Machtgelüste, Korruption, etc. an.

  2. michael Antworten

    Dr. Carson ist durch seinen Eintritt in die Politik eine große Enttäuschung. Die Schönfärberei mit der Bildung ist schockierend. Er sollte am besten seinem Beruf nachgehen

  3. Vin Antworten

    Daniel und Josef hatten auch ranghohe Ämter in der Politik inne. Von daher ist daran nichts unbiblisch. Politisch interessiert zu sein ist meiner Meinung nach auch für einen Adventisten wichtig. Immerhin betrifft die Politik die gesamte Bevölkerung Deutschlands bzw. Europas und der globalen Gemeinschaft. Desinteresse empfinde ich eher als negativ, gerade im Hinblick ein Vorbild zu sein.

  4. Nedok Martin Antworten

    Ich finde, man sollte sich mit abwertenden Kommentaren zurückhalten und nachdenken. Ich glaube nicht, dass auch nur einer von Euch nur ansatzweise so viel geleistet hat in seinem Leben wie Ben. Er weiß ganz genau was er tut und ihr kennt den genauen Hintergrund nicht. Ben hat selber unter den schlechten Bildungssystem in den USA gelitten. Dort aber, in der Schulen, sollte lernen allen Schichten gleichermaßen möglich sein. Dafür braucht es aber ernsthafte Veränderungen in den USA. Aber klar, Ihr könnt Euren Bruder auch weiter kritisieren. Aber richtig ist das auf keinen Fall.

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