Die Gesichtserkennung kommt

China hat landesweit geschätzte 30 Millionen Überwachungskameras installiert – auf Straßen und Plätzen, in Parks, Aufzügen und Taxis. Nicht nur das: Auch bei der Entwicklung von Techniken zur Gesichtserkennung und ihrer praktischen Anwendung ist das Land ganz vorne dran. Eine explosive Kombination. Die einen schätzen die neue Bequemlichkeit, sich allein mit seinem Gesicht identifizieren zu können. Andere fürchten die Möglichkeiten für die kommunistische Regierung, Dissidenten total zu kontrollieren und die moderaten Freiheiten der Chinesen willkürlich wieder wegzunehmen. Mithilfe der Gesichtserkennung will China das Leben seiner Bürger weitgehend kontrollieren und mit einem Punktesystem bewerten: Wer bestimmte Punkte gesammelt hat, erhält Privilegien, und anderen werden sie eben verweigert.

Wie so oft wird der Erfolg der neuen Technik auch durch wirtschaftliche Interessen angetrieben. Der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba, vergleichbar mit Amazon im Westen, lässt seine Mitarbeiter nach Gesichtsscan in das Bürogebäude. Sein Bezahldienst Alipay wird von Hunderten Millionen Kunden genutzt und funktioniert per Handy-App allein mit Gesichtserkennung. Das chinesische Start-up Face++ [„Face plus plus“] in Peking ist einer der Technologieführer in Sachen Gesichtserkennung. In über 80 Punkten wird das Gesicht exakt vermessen und sogar Eigenschaften wie Geschlecht, Alter und Gefühlszustand bestimmt. Rund 300.000 Entwickler weltweit nutzen die Plattform für ihre eigenen Anwendungen. Zur Erkennung benutzt Face++ künstliche Intelligenz und neuronale Netzwerke. Die Zuverlässigkeit der Systeme hat sich in den letzten Jahren dramatisch verbessert; die Erkennungsrate liegt heute mit 99 % gleichauf mit Techniken wie Fingerabdrucksensoren.

Was in China unter einem autoritären System sicher leichter funktioniert, ist allerdings auch in demokratischen Ländern auf dem Vormarsch. Das amerikanische FBI besitzt eine Datenbank zur Gesichtserkennung von rund 120 Millionen Bürgern, wie kürzlich bekannt wurde. In Deutschland besitzt die Bahn bereits 6000 Kameras, die 80 % der Fahrgäste erfassen, und will die Anzahl weiter ausbauen. Ein Großteil des öffentlichen Verkehrs in Berlin wird von Kameras festgehalten, und ein Volksbegehren fordert, die gefährlichsten Plätze und Straßen der Stadt von weiteren 2500 Kameras überwachen zu lassen.

Zurzeit läuft am Berliner Bahnhof Südkreuz ein 6-monatiger Feldversuch mit rund 300 Freiwilligen, bei dem Besucher automatisch per Abgleich mit hinterlegten Fotos erkannt werden sollen. Die Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk kritisierte das Szenario als „sehr, sehr tiefgreifenden Eingriff in Grundrechte, insbesondere in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung“, mit anderen Worten: das Grundrecht jedes Bürgers, „sich unbeobachtet und anonym in der Öffentlichkeit zu bewegen“.

Die Erfahrung zeigt: Was technisch möglich ist, setzt sich in aller Regel auch durch. Die Gesichtserkennung wird kommen. Samsungs Tophandy Galaxy S8 unterstützt die neue Technik ebenso wie Apples neues iPhone X. Praxistests mit dem iPhone zeigen, dass die Erkennung sehr zuverlässig funktioniert und kaum zu überlisten ist.

Mit den neuen Möglichkeiten steigt aber auch das Risiko, dass immer ausgefeiltere Techniken als Machtinstrumente gegen bürgerliche Freiheiten missbraucht werden. Die Bibel sagt voraus, dass dies am Ende der Zeit tatsächlich geschehen wird, um eine religiöse Agenda durchzusetzen. Doch spricht Gottes Wort noch von einer ganz anderen Art der Gesichtserkennung, die für das Leben der Christen von weit größere Bedeutung ist: Im Angesicht von Jesus Christus erkennen wir das Wesen Gottes, und indem wir sein Wesen betrachten, werden wir ihm immer ähnlicher. Gläubige sollten alles dafür tun, dass sich diese Art Gesichtserkennung weltweit verbreitet!


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