Aus dem Bauch heraus handeln – das sagt man so dahin, wenn man ausdrücken möchte, dass man eine Entscheidung intuitiv getroffen hat, es eben eine Gefühls- und keine Kopfentscheidung war.

Oft ohne es zu beabsichtigen, drückt diese Redensart allerdings weit mehr aus, als auf den ersten Blick zu vermuten wäre. Neueste wissenschaftliche Forschungen belegen und untermauern in hohem Grad, welch immensen Einfluss unser Bauch, und im Besonderen der Darm und seine Bakterien, auf unser Denken hat. Dieser Effekt wird meist unterbewertet, obwohl die Auswirkungen von Gesundheit und Beschaffenheit des Darmes auf die Gehirnfunktion nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Ganz aktuell schreibt zu diesem Thema die AOK Hessen in der Rubrik Gesundheitswissen: „In deinem Bauch verbirgt sich ein zweites Gehirn: dein Darm. Er ist ein hochkomplexes Nervensystem, das ähnlich aufgebaut ist wie das Gehirn in unserem Kopf. Deshalb wird er als Bauchgehirn bezeichnet. Unser Darm kann quasi eigenständig ,denken’ und vielfältige Prozesse in Gang bringen. Er erhält nicht nur Anweisungen aus dem Gehirn, sondern sendet auch selbst Signale dorthin. Kommuniziert wird über bestimmte Nervenbahnen, der sogenannten Darm-Hirn-Achse. Und zwar intensiv und wechselseitig! Die meisten Nervenimpulse werden dabei von unserem Darm ans Gehirn gesendet. Es gibt Anzeichen, dass spezielle Darmbakterien die Hirnaktivität verändern und das seelische Gleichgewicht positiv beeinflussen können.“

Ebenfalls ganz aktuell beschäftigt sich ein Beitrag des Deutschlandfunks vom 29. März 2021 mit diesem Thema und untertitelt: „Gerät die Darmflora aus dem Gleichgewicht, kann das Menschen krank machen. Bei Diabetes und entzündlichen Darmerkrankungen steht die Mikrobengemeinschaft im Darm schon länger unter Verdacht. Nun rücken Depressionen ins Visier der Forscher. Sie hoffen auf neue Therapieansätze.“

Dr. Shaohua Hu

Demnach habe schon 2019 ein Forscherteam im Fachblatt Nature Microbiology Hinweise dafür präsentiert, dass bestimmte Bakterienstämme im Darm von depressiven Menschen seltener vorkämen. Nun hätten Wissenschaftler um Shaohua Hu von der Zhejang Universität in China diese Ergebnisse bestätigt. So sei sich auch genauer angesehen worden, wie das gesamte mikrobielle Ökosystem im Darm die mentale Gesundheit beeinflusse.

„Wie die mikrobiellen Darmbewohner das Ökosystem im Darm beeinflussen, beginnt die Wissenschaft gerade erst zu verstehen. Klar sei, dass bestimmte Viren, so genannte Bakteriophagen, Bakterien befielen und diese töteten. Gleichzeitig könnten sich harmlose Pilze, deren Wachstum normalerweise von Bakterien kontrolliert werde, nach einer Antibiotika-Behandlung so stark vermehren, dass sie Schaden im Körper anrichteten. Indirekt könnten diese Mikroben die mentale Gesundheit also ebenfalls beeinflussen. Denn wenn bestimmte Darmbakterien seltener würden, gelangten weniger mikrobielle Stoffwechselprodukte in den Blutkreislauf.“

So erklärt es die Forscherin Mireia Vallès-Collomer, die an der Universität von Trento in Italien untersucht, welchen Einfluss Darmbakterien auf Depressionen haben und an der wegweisenden Studie von 2019 beteiligt war. Sie setzt fort: „Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte können nicht nur die Darmbarriere und die Blut-Hirn-Schranke, also die Grenze zum Gehirn überwinden und dort ihre Wirkung entfalten. Sie können auch direkt den Vagusnerv, also das Nervensystem im Darm beeinflussen oder dafür sorgen, dass die Zellen in der Darmwand Stoffe freisetzen, die das Nervensystem beeinflussen. Und diese Kommunikation geht in beide Richtungen.‘ Die Nervenzellen könnten also auch umgekehrt auf die Darmbakterien einwirken.“

Festzuhalten ist: Was wir über die Nahrung aufnehmen, wird über die Darmnerven als Information zum Gehirn weitergeleitet. Unsere Darmflora spielt dabei die Hauptrolle. „Im menschlichen Verdauungstrakt wurden bis heute in der Darmflora, also dem Darm-Mikrobiom, mehr als 1.000 verschiedene Bakterienarten gefunden. Die kleinen Mikroben helfen uns, die tägliche Nahrung zu verarbeiten. Sie produzieren lebenswichtige Vitamine (z.B. B-Vitamine und Vitamin K) und kommunizieren mit unserem Nerven-, Immun- und Hormonsystem.“

Die AOK spricht sich deshalb für eine psychobiotische Ernährung aus, um eine gesunde Balance des Mikrobioms zu fördern. „Bei dieser Ernährungsform stehen vor allem Gemüse, Obst und ballaststoffreiche Getreidesorten auf dem Speiseplan. Nüsse, Körner, Samen, gesunde Fette (Olivenöl, Leinöl) und fermentierte Lebensmittel (Joghurt, Sauerkraut, Kefir) solltest du am besten täglich essen. Fleisch und Süßigkeiten dagegen so wenig wie möglich. Gerade Zucker füttert Bakterien, die entzündliche Prozesse fördern.“

Um psychobiotische Darmbakterien zu vermehren, empfiehlt die AOK ausreichend Pro- und Präbiotika zu sich zu nehmen. Probiotika förderten die Produktion von Glückshormonen; Präbiotika würden den Stresspegel ausbalancieren, indem sie das Stresshormon Kortisol senken.

Probiotika seien Lebensmittel mit lebenden Milchsäurebakterien, die sich besonders positiv auf die Darmflora auswirken, während Präbiotika Ballaststoffe seien, welche die probiotischen Bakterien sozusagen füttern würden. Vor allem der Ballaststoff Inulin habe positive Auswirkungen auf unsere Darmbakterien.

Interessant ist, wie genau die Ernährungsratschläge der AOK den biblischen Ratschlägen für gesunde Ernährung entsprechen: „Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise“, ist in 1.Mose 1,29 zu lesen. Nach dem Sündenfall kam das „Kraut“ (1.Mose 3,18) hinzu, welches anfangs für die Tiere gedacht war (1.Mose 1,30). Erst nach der Sintflut erlaubte Gott den Fleischgenuss (1.Mose 9,3). Die Lebenszeit des Menschen nahm daraufhin rapide ab.

In 3.Mose 11 findet sich die Unterscheidung zwischen rein und unrein, nicht jedes Tier war für den Verzehr geeignet und gedacht. Jahrhunderte später war es Daniel und seinen Freunden sehr wichtig, sich gesund und rein zu ernähren (Daniel 2). Diese konsequente und bestimmte Haltung war ihnen und wird allen, die ihrem Beispiel folgen, zum Segen sein. Heute, wo ein Großteil der Tiere krank, hochgezüchtet und antibiotikaverseucht ist, entspricht ein durchdacht vegetarischer oder veganer Lebensstil am Besten dem Grundgedanken Gottes für den Menschen.

Du bist, was du isst! Wenn es um die Nahrung geht, ist es ratsam, nicht nur dem Bauch und dem Gaumen, sondern gottgegebenen Prinzipien zu folgen! Sowohl Ihr Darm als auch Ihr Denken werden es Ihnen zu danken wissen.

stph

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