Erst zu Beginn dieses Monats war in Schweden das Rauchverbot an öffentlichen Orten verschärft worden. Wenige Tage später kam aus den Reihen der FDP der Vorschlag, sich auch in Deutschland am schwedischen Vorbild zu orientieren. Wieland Schinnenburg, der drogenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, forderte das Rauchen überall dort zu verbieten, „wo Menschen nicht oder nur schwer ausweichen können: öffentliche Spielplätze, Bushaltestellen oder Bahnsteige“.

Dieser Vorstoß erregte eine Diskussion sowohl unter den Parteien als auch in der Öffentlichkeit. Zwar plädieren die wenigsten für ein generelles Rauchverbot, doch in einem ist man sich einig: Es braucht einen konsequenten Schutz vor dem Passivrauchen.

Die deutsche Politik reagiert damit auf Erkenntnisse, die wissenschaftlich längst anerkannt sind. Zwar galt bis ins 20. Jahrhundert das Rauchen in vielen Kreisen als gesundheitsfördernd, doch gelang Anfang der 1950er Jahre endlich der wissenschaftliche Beweis: Unzählige Studien stellten einen direkten Zusammenhang zwischen der beliebten Droge und Lungenkrebs fest. Auch den toxischen Effekt des Nikotins auf den menschlichen Körper hat man Mitte des 20. Jahrhunderts nachweisen können.

Bis diese Erkenntnisse auch in der deutschen Öffentlichkeit Akzeptanz fanden, sollte es noch einige Jahrzehnte dauern. Nur wenige Kreise entsagten dem Tabak konsequent. Unter diesen war beispielsweise die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, über deren Vorbild als Nichtraucher der SPIEGEL schon 1964 berichtete. Siebenten-Tags-Adventisten erkennen in der Bibel unter anderem den Aufruf zu einem gesunden Lebensstil. Bereits im 19. Jahrhundert, weit vor den medizinischen Errungenschaften in der Raucherforschung, brandmarkten Adventisten den zerstörerischen Charakter der Alltagsdroge und mieden ihren Gebrauch dementsprechend.

In der heutigen Gesellschaft gewinnt ein gesunder Lebensstil für die meisten Menschen zunehmend an Bedeutung. Von einem generellen Rauchverbot ist man in Deutschland zwar weit entfernt, doch wird der Nichtraucherschutz im Zuge der unlängst losgetretenen Debatte neuerdings einmal mehr nicht nur in der deutschen Öffentlichkeit, sondern auch im Bundestag diskutiert.

Dieser Artikel hat 2 Kommentare

  1. Dr. Bernd Ampt Antworten

    Guten Abend,

    hier versucht der Staat die Bevölkerung durch „nudging“ an weitere Vorschriften und Gesetze zu gewöhnen. Mir ist neu, daß unsere Politiker und der Staat um unsere Gesundheit besorgt sind (Impfzwang, Kiegsbeteiligungen , Alkohol, Monsanto,Waffenhandel,….).
    Das ist Massenpsychologie.
    Das ist- wie gesagt- die raffinierte Gewöhnung an Vorschriften und Gesetze. Der „mündige“ Bürger ist für seine Gesundheit selbst verantwortlich. Das kann Ihm niemand abnehmen.

  2. Roland Schneider Antworten

    In der Schweiz wird seit Anfang Juni im öffentlichen Verkehr das Rauchen auf den Bahnsteigen verboten. Es sind bestimmte Plätze, an denen noch geraucht werden darf. Die Umsetzung dauert noch bis Ende Jahr.

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