Sind soziale Netzwerke gar nicht „sozial“, sondern sogar eine Gefahr für unsere Gesellschaft? In letzter Zeit mehren sich Vorwürfe gegen die Internetriesen Facebook, YouTube und andere. Zu den Kritikern zählen Leute, die selbst jahrelang in der Branche tätig waren und zum Erfolg der Plattformen beigetragen haben.

Facebook hat über 2 Milliarden Mitglieder, ist aber erst ab 13 Jahren zugänglich. Anfang Dezember 2017 führte das Unternehmen nun „Messenger Kids“ ein: eine neue Nachrichten-App, speziell zugeschnitten auf Kinder zwischen 6 und 12 Jahren. Vorerst ist sie nur in den USA und für Apple-Geräte erhältlich. Mit ihr können Texte, Bilder und Videos verschickt oder Videochats geführt werden. Eltern haben zahlreiche Kontrollmöglichkeiten. Um eine kindgerechte App zu entwickeln, befragte Facebook nach eigenen Angaben Tausende von Eltern und führte Gespräche mit verschiedenen Organisationen.

Doch sind Kinder überhaupt in der Lage, mit sozialen Medien angemessen umzugehen? Nein, sagt eine sogenannte „Kampagne für eine Kindheit ohne Werbung“, unterzeichnet von rund 20 Organisationen und über 100 Ärzten, Psychologen und anderen, die beruflich mit jungen Menschen zu tun haben. In einem offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg fordern sie die Einstellung des neuen Dienstes und weisen darauf hin: „Immer mehr Studien zeigen, dass die übermäßige Nutzung digitaler Geräte und sozialer Medien Kindern und Teenagern schadet. Daher wird diese neue App sehr wahrscheinlich die gesunde Entwicklung von Kindern untergraben.“ Kinder hätten noch kein ausreichendes Empfinden für Privatsphäre und seien auch dem Druck sozialer Netzwerke nicht gewachsen, heißt es in dem Schreiben. Angeführt werden Forschungsergebnisse mit Kindern und Erwachsenen, wonach der häufige Gebrauch sozialer Medien u. a. Unzufriedenheit, depressive Stimmung und Schlafstörungen fördert.

Widerstand gegen die Übermacht von Smartphone & Co. kommt auch aus Insiderkreisen der Technikunternehmen. Ehemalige Mitarbeiter und Investoren von Facebook und Google haben sich zu einem „Zentrum für Humantechnologie“ zusammengeschlossen. Darunter befinden sich Personen wie Justin Rosenstein, Erfinder des Like-Buttons bei Facebook, Technikinvestor Roger McNamee und Natasha Schüll, Autorin des Buches Addiction by Design. Sie planen eine millionenschwere Aufklärungskampagne über die Gefahren der neuen Technologie unter dem Titel „The Truth About Tech“ – die Wahrheit über Technik. Ihr Hauptkritikpunkt ist, dass Dienste wie Snapchat, Instagram und YouTube vor allem einen Zweck verfolgten: die Aufmerksamkeit der Nutzer so lange wie irgend möglich zu halten, um eine maximal große Zielgruppe für Werbeeinnahmen zu schaffen. Letztlich werde damit Suchtverhalten gefördert. Die immer längeren Stunden vor den Geräten schüfen eine Traumwelt, die das reale Leben und persönliche Beziehungen verarmen lasse. Damit werde eine ganze Gesellschaft negativ geformt.

James Williams

Der frühere Google-Entwickler James Williams verglich die Wirkungsweise sozialer Netzwerke mit Glücksspielautomaten. Es sei der „Kick der Überraschung“, der das Belohnungssystem im Gehirn auslöse, wenn man auf der Suche nach Neuigkeiten im Smartphone nach oben streiche. Die Öffentlichkeit müsse darüber diskutieren, welches Ausmaß an psychologischen Tricks beim Software-Design noch akzeptabel sei. Nach einer Umfrage von 2016 hat die Hälfte der Teenager in den USA das Gefühl, handysüchtig zu sein und Nachrichten sofort beantworten zu müssen.

 

Großaktionäre von Apple fürchten um dessen Börsenwert und haben den Konzern nun aufgefordert, der Suchtgefahr aktiv zu begegnen. Sie zitieren eine Studie der Professorin Jean Twenge, wonach Teenager mit 3+ Stunden an elektronischen Geräten eine 35 % höhere Wahrscheinlichkeit haben, einen Risikofaktor für Selbstmord zu entwickeln, als solche, die unter 1 Stunde damit verbringen. Bei 5 Stunden und mehr steigt die Wahrscheinlichkeit auf 71 %. Am glücklichsten sind Kinder, die relativ wenig Zeit vor dem Schirm sitzen. Prof. Twenge hat bereits mehrere Bücher verfasst, das neuste mit dem vielsagenden Titel iGen[eration]: Warum die Superconnected-Kids von heute weniger rebellisch, toleranter, weniger glücklich und völlig unvorbereitet auf das Erwachsensein aufwachsen und was das für uns bedeutet.

Wenn Technik echte zwischenmenschliche Begegnungen zugunsten virtueller Kontakte verdrängt, bereichert sie nicht, sondern verarmt. Gott setzte die ersten Menschen in einen wunderschönen Garten. Sie waren vollkommen glücklich und zufrieden in dieser ganz natürlichen Umgebung, wo sie sich Auge zu Auge begegnen und austauschen konnten. Diese Qualität von Beziehung ist es, die der Mensch wirklich braucht.

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