Das neuartige Virus Covid-19 beeinträchtigt weltweit sämtliche Bereiche des Lebens. Dazu gehört auch die mediale Öffentlichkeit, die herbe Einschnitte zu verzeichnen hat. Dies jedenfalls behauptet der Medizin-Journalist Harald Wiesendanger in einem Gastbeitrag im Online-Magazin „Nachrichten-Fabrik“.

Mit „blankem Entsetzen und ohnmächtiger Wut“ verfolge er das „unwürdige Treiben“ in der Berichterstattung über die Coronakrise. Die Presse sei in einen ohnmächtigen Zustand verfallen, der es ihr unmöglich mache, ihre Aufgabe als kritisches Kontrollorgan gegenüber der Staatsmacht in unabhängiger und unvoreingenommener Weise wahrzunehmen. Besonders stört sich Wiesendanger daran, dass offizielle Informationen ungeprüft und vorbehaltlos an die Bevölkerung weitergegeben würden:

Keiner recherchiert, wer den blutigen Medizinlaien am Kabinettstisch der Bundesregierung eigentlich all die apokalyptischen Infos und Lageanalysen gesteckt hat, die ihnen einen Notstandsaktionismus alternativlos erscheinen lassen; mit wie vielen und welchen Lobbyisten sie vor und während der Krise worüber gesprochen haben. Kaum einer traut sich, auch nur das schüchternste Fragezeichen hinter irgendeine Infektionsschutzmaßnahme zu setzen.

In einem Interview mit Sputnik wiederholt Wiesendanger seine Kritik und beklagt gegenüber seinen Berufskollegen insbesondere, dass gewisse Fragen ungestellt blieben, vorhandenes Wissen ignoriert werde und Interessenkonflikte verschwiegen würden.

Quelle: Otfried Jarren, detektor.fm

Dieselbe Ansicht teilen mittlerweile einige Medienwissenschaftler. Otfried Jarren, Professor Emeritus am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich, kritisiert insbesondere die aktuelle Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland. „Die Chefredaktionen haben abgedankt“, schreibt er und bemängelt das Fehlen journalistischer Debatten in Bezug auf die Coronakrise. Diese würden durch kurze, oftmals politische Statements ersetzt. Ein Diskurs finde nicht statt. Des Weiteren würden die immergleichen Experten auftreten, um munteren „Systemjournalismus“ zu betreiben.

 
Quelle: ndr.de, Andrej Reisin

Der Journalist Andrej Reisin tadelt die Gleichförmigkeit der Corona-Berichterstattung. Auch in Krisenzeiten dürften Medien als die so genannte Vierte Gewalt nicht die Rolle als verlängerter Arm der Regierung einnehmen. Dem beipflichtend wird die aktuelle Medienberichterstattung in einem Artikel des Deutschlandfunks als „eine Art Service-Journalismus“ bezeichnet.

Ähnliche Kritik muss sich auch die österreichische Medienlandschaft gefallen lassen. Vor wenigen Tagen beklagte der FPÖ-Abgeordnete Herbert Kickl in seiner Parlamentsrede die Verwobenheit der österreichischen Bundesregierung mit der vermeintlich gleichgeschalteten Presse.

Kritisches Hinterfragen ist enorm bedeutsam und eine der ersten Aufgaben unserer Medien. Ist freier Journalismus in Deutschland kurz davor, zum Erliegen zu kommen?

Wahrheit ist hinterfragbar und braucht sich vor ehrlichem Nachforschen nicht zu verstecken. Schon in der Bibel werden die Juden aus der griechischen Stadt Beröa dafür gelobt, dass sie die Lehre vom auferstandenen Jesus detailliert anhand der Heiligen Schrift prüften. In der Apostelgeschichte heißt es über sie:

Sie nahmen das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte.

Apostelgeschichte 17,11b

Gott ist die Quelle aller Wahrheit und in Seinem Wort finden wir wertvolle Hinweise und Prinzipien.

Dieses beröanische Prinzip, das Forschen und Prüfen, Hinterfragen und Debattieren, ist das Rückrat einer Demokratie. Halten wir daran fest.

Dieser Artikel hat 1 Kommentare

  1. Herbert Bodenmann Antworten

    Ja, Journalismus soll die vierte Gewalt im Staat sein, da gehe ich einig. Er soll kritisch hinterfragen und so objektiv wie möglich informieren. Ich habe aber den Eindruck, dass dieser Artikel zwischen den Zeilen suggerieren will, dass viele Journalisten dies nicht täten. Es wird im Artikel von „Wahrheit“ geschrieben, die hinterfragbar sei. Das würde ich auch teilen, sofern es denn schon eine „Wahrheit“ gäbe. Problematisch ist doch, dass in dieser Pandemie vieles unklar ist und man im jetzigen Zeitpunkt das Virus bzw. alles, was damit zusammenhängt, kaum kennt.

    Ich finde da den Ansatz eines Atheisten sehr nachvollziehbar und bescheiden:
    Michael Schmidt-Salomon, Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, hat im gbs-Newsletter vom 30. April 2020 zur Pandemie geschrieben:
    „Wir wollten klarstellen, dass zum rationalen Handeln eben auch die Fähigkeit gehört, mit Ungewissheiten umgehen zu können. Das fällt uns Menschen schwer, ist aber ungemein wichtig: Man stelle sich nur einmal vor, welchen Vertrauensverlust das Wissenschaftssystem erleiden würde, falls sich herausstellen sollte, dass Sars-CoV-2 weit ungefährlicher (oder auch weit gefährlicher) ist, als dies bisher angenommen wurde! Daher hätten die Politik und die Medien meines Erachtens noch sehr viel klarer kommunizieren müssen, dass die einschneidenden Massnahmen gegen die Pandemie rational nicht dadurch zu begründen sind, dass wir bereits so viel über das Virus wüssten, sondern vielmehr dadurch, dass wir noch viel zu wenig über dieses Virus wissen.“

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