„,Kollateralschaden’ ist das ,Unwort des Jahres 1999‘. Die Jury aus sechs Sprachwissenschaftlern hat entschieden: Platz eins für den Nato-Begriff ,Kollateralschaden’. Mit dem „Unwort“ habe die Nato den Tod unbeteiligter Zivilisten im Kosovo-Krieg als ungewollten Nebeneffekt heruntergespielt, erklärte Jury-Sprecher Horst Dieter Schlosser.“ So lautete eine Schlagzeile des SPIEGEL vor genau 11 Jahren, am 25. Januar 2000.

Kollateralschäden spielen auch heute wieder eine bedeutende, wenn auch weithin unterschätzte Rolle, wenn es um die „Nebeneffekte“ geht, die all die staatlichen Maßnahmen rund um Corona und insbesondere die Lockdowns für die Menschheit auslösen. Diese sind nämlich immens. Konträr zu ihrem ungeheuren Ausmaß steht das Schweigen der Medien und Politiker angesichts der katastrophalen Auswirkungen auf Milliarden von Menschen überall auf der Welt.

Seit dem 16. Dezember ist das öffentliche Leben in Deutschland erneut drastisch heruntergefahren worden. Strenge Kontaktbeschränkungen, Schließung des Einzelhandels mit Ausnahme der Geschäfte des täglichen Bedarfs sowie von Schulen und Kindergärten kennzeichnen die momentane Situation. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hatte in ihrer 7. Ad-hoc-Stellungnahme einen solch harten Lockdown empfohlen. Die Kollateralschäden eines Lockdowns dagegen werden in der Stellungnahme der Leopoldina kaum angesprochen.

Dabei sind die dramatischen Nebenwirkungen von einem Lockdown auf die körperliche, psychische und soziale Gesundheit von Menschen inzwischen empirisch belegt.

Prof. Dr. Christof Kuhbandner mit Lehrstuhl für Psychologie an der Universität Regensburg nennt eine Vielzahl verschiedener Erhebungen, welche dies untermauern:

  • Eine als Preprint veröffentlichte Studie aus Großbritannien weist nach, dass Menschen mit Demenz und psychischen Krankheiten von den negativen Folgen eines Lockdowns stark beeinträchtigt sind. Während der Zeit des Lockdowns in Großbritannien erhöhte sich, verglichen mit der Zeit zwischen Januar und Anfang März 2020, die Sterbewahrscheinlichkeit von Demenzpatienten um 53 Prozent und von Patienten mit schwereren psychischen Störungen um 123 Prozent.
  • Zudem belegen Studien, dass bei in Kliniken eingelieferten Patienten mit Herzkrankheiten die Sterberate zur Zeit des Lockdowns substantiell angestiegen ist. So ergab eine Studie der Medizinischen Universität Graz, dass in der Steiermark zur Zeit des Lockdowns im Vergleich mit den vorherigen vier Jahren die Sterberate bei den in Krankenhäusern aufgenommenen Patienten mit Herzkrankheiten um 65 Prozent zugenommen hat, bei Herzinfarktpatienten sogar um 80 Prozent. Laut den Studienautoren ist die höhere Sterberate in Krankenhäusern darauf zurückzuführen, dass Patienten zur Zeit des Lockdowns zu spät Kliniken aufsuchen, was die lebensrettende Behandlung verzögert und die Sterberate erhöht.
  • Weiterhin zeigen Studien, dass die Gewalt gegenüber Frauen und Kindern durch Lockdowns erhöht wird, weil Konflikte durch das erzwungene Verbleiben in der Wohnung erhöht werden, ein Entkommen des Opfers erschwert ist, Möglichkeiten des Hilfesuchens reduziert sind und die Schutz- und Früherkennungsfunktionen von Instanzen außerhalb der Wohnung (z.B. Schule) wegfallen.
  • Ähnliche Ergebnisse gibt es zur Häufigkeit des sexuellen Missbrauchs. Laut Daten aus Irland ist die Anzahl an Personen, welche sich zur Beratung an Vergewaltigungs-Krisenzentren wendeten, zwischen März und Ende Juni im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um 98 Prozent gestiegen.
  • Inzwischen ist auch in Studien belegt, dass ein Lockdown das Gesundheitsverhalten von Menschen beeinträchtigt. Laut einer Studie aus den USA gaben 28 Prozent der Personen mit normalem Trinkverhalten an, dass ihr Alkoholkonsum im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Krise zugenommen hat; bei Personen, welche zu Alkoholexzessen neigen, gaben das sogar 60 Prozent an.
  • In Studien ist inzwischen auch bestätigt, dass sich die im Rahmen des Lockdowns verordneten Schließungen von Sportvereinen, Fitnessstudios, Schwimmbädern und öffentlichen Sportanlagen negativ auf die Sport- und Bewegungsaktivität in der Bevölkerung auswirken. In einer deutschlandweit repräsentativen Umfrage von Forschern der Justus-Liebig-Universität Gießen gaben 31 Prozent der befragten Personen an, dass sich ihre sportlichen Aktivitäten mit Beginn des Lockdowns sehr stark reduziert haben oder sie ganz mit dem Sporttreiben aufgehört haben. Laut der Studie waren damit negative Wirkungen auf die Stimmung verbunden.

Das ist nur ein Ausschnitt der mittlerweile verfügbaren Studien zu den verheerenden Auswirkungen der Corona-Maßnahmen.

Zusätzlich müssten Kollateralschäden in Folge derselben in riesigem Ausmaß insbesondere in ärmeren Ländern erwartet werden, welche von der Wirtschaftskraft und dem Kaufverhalten reicherer Länder abhängig seien. „Eine Hochrechnung der Weltbank kommt zum Ergebnis, dass als Konsequenz der Corona-Krise weltweit allein bis Ende dieses Jahres zwischen 88 und 115 Millionen Menschen in solch extreme Armut gestürzt wurden, dass ihr Überleben gefährdet ist, eine Zahl, welche im kommenden Jahr auf bis zu 150 Millionen Menschen steigen könnte.“ Unicef-Chefin Henrietta Fore sagte: „Familien, die gerade dabei waren, der Armut zu entkommen, sind wieder hineingezogen worden, während andere mit nie gesehenen Entbehrungen umgehen müssen.“

Es ist eine Sache, vorzugeben, die Bevölkerung vor einer Erkrankung schützen zu wollen; eine andere Sache ist, wenn durch Kollateralschäden eine ganze Welt ins Unglück gestürzt wird.

st

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