Quelle: wikimedia.org, CC BY 3.0 BR, Tania Rego/Agência Brasil

Sollte man als Christ das Evangelium verkünden und seinen Glauben teilen? Ein kürzliches Statement von Papst Franziskus sorgte in dieser Frage kurz vor dem Jahreswechsel für Aufsehen.

In einem Gespräch mit katholischen Gymnasiasten in Rom wurde der Papst gefragt, wie man mit Andersgläubigen umgehen solle und was seiner Meinung nach ein kräftiges Argument für den christlichen Glauben sei. In seiner Antwort verurteilt Franziskus es, Andere vom christlichen Glauben überzeugen zu wollen und spricht missionsbegeisterten Christen außerdem ab, wahre Nachfolger Christi zu sein. Im Wortlaut sagt er:

„Es käme mir niemals in den Sinn, zu einem Jungen oder einem Mädchen zu sagen: ‚Du bist Jude, du bist Moslem – bekehre dich!‘ Sei du im Einklang mit deinem Glauben und diese Beständigkeit ist es, die dich reifen lässt. Wir leben nicht in der Zeit der Kreuzzüge.“

Und weiter heißt es:

„Gegenüber einem Nichtgläubigen ist es nicht meine Aufgabe, zu versuchen ihn zu überzeugen. Niemals. Es ist nicht meine Aufgabe zu sprechen. Ich muss im Einklang mit meinem Glauben leben. Und das wird mein Zeugnis sein, um die Neugier, des anderen zu wecken, welcher fragt: ‚Aber warum tust du das?‘ Und ja, hier darf ich antworten. Aber hört zu, bringt nie, wirklich niemals das Evangelium durch das Missionieren. Wenn jemand sagt, er sei ein Jünger Jesu und versucht, dich zu missionieren, dann ist das kein Jünger Jesu. Man sollte nicht missionieren, die Kirche wächst nicht durch das Missionieren.“

In Anbetracht der vielen Missionare vergangener Jahrhunderte, die die christliche Botschaft mit Herzblut und Opferbereitschaft in ferne Länder brachten, sind diese Aussagen durchaus verwunderlich.

Bereits die Apostel, auf die sich das Papsttum stets beruft, leisteten christliche Überzeugungsarbeit. In der Bibel lesen wir beispielsweise über Paulus:

Und er lehrte in der Synagoge an allen Sabbaten und überzeugte Juden und Griechen.

Apostelgeschichte 18,4

Der biblische Bericht steht im unvereinbaren Gegensatz zu den päpstlichen Aussagen. Jesus selbst beauftragte seine Nachfolger dazu, der ganzen Welt die frohe Botschaft zu bringen:

Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.

Markus 16,15

Wer Jesus wirklich nachfolgen will, der wird proaktiv das Evangelium weitersagen, damit auch andere Menschen vom ewigen Tod errettet werden können. Sprechen Sie sanft, aber mutig von Jesus; teilen Sie Ihren Glauben. Der Heilige Geist ist es, der dann die Herzen bekehren kann.

Quelle: http://www.vatican.va/content/francesco/it/speeches/2019/december/documents/papa-francesco_20191220_visita-liceo-albertelli.html

Dieser Artikel hat 9 Kommentare

  1. Joachim Spornhauer Antworten

    nachdem die katholische Kirche schon immer „das Ehebett“ und die „Kindertaufe“ als DIE Missionsmethode betrachtet hat, ist die Aussage doch nur folgerichtig, oder?

  2. Stephan Figliola Antworten

    Ich bin erst mit ca. 35 Jahren zum christlichen Glauben und zur Adventgemeinde gekommen. Durch Menschen wie Walter Veith „Offenbarung“, Nicola Taubert „Die Terror(f)lüge“, David Ascherick „Bible Prophecy Seminar“, aber auch die Arbeit der Studiengemeinschaft Wort und Wissen…

    Aber heute muss ich aus meiner subjektiven Sicht heraus feststellen, dass m. E. bereits sehr viel babylonisches Denken an Hand und/oder Stirn in der Adventgemeinde verbreitet ist. Laodizea wird ja auch nicht grundlos so dargestellt. Wenn wir ehrlich sind, dann ist diese Lehre des „kleinen Horns“ auch bei Adventisten sehr weit verbreitet:

    „Es ist nicht meine Aufgabe zu sprechen. Ich muss im Einklang mit meinem Glauben leben. Und das wird mein Zeugnis sein, um die Neugier, des anderen zu wecken, welcher fragt: ‚Aber warum tust du das?‘ Und ja, hier darf ich antworten. “

    Denn es ist ja so schön einfach und bequem und die Welt und meine Nachbarn haben mich weiter lieb, wenn ich gegenüber Un- oder Andersgläubigen so tue, als ob deren Irrtum keinen Unterschied machen würde.

    Unser „Talent“ (das biblische Wissen über die Wahrheit Gottes) wird einfach vergraben, weil „Gott ja sowieso erntet, wo er nicht gesät und sammelt, wo er nicht zerstreut hat“. Vor allem die Bibelprophetie über diese unsere Endzeit ist vielen peinlicher denn je geworden…

    CO2 Weltuntergangsfanatismus oder religiös motivierter Terror haben nur ein Ziel, nämlich dass die Menschen von den Themen „Endzeit“ und „Fundamentalisten jeder Religion“ genervt und angewidert sind und wir Adventisten uns genau deswegen auch nicht mehr trauen unseren Mund darüber aufzumachen… und es funktioniert!

    Hesekiel 3

    18 Wenn ich zu dem Gottlosen sage: »Du musst gewisslich sterben!«, und du warnst ihn nicht und sagst es ihm nicht, um den Gottlosen vor seinem gottlosen Weg zu warnen und ihn am Leben zu erhalten, so wird der Gottlose um seiner Missetat willen sterben; aber sein Blut werde ich von deiner Hand fordern!

    19 Warnst du aber den Gottlosen und er kehrt doch nicht um von seiner Gottlosigkeit und von seinem gottlosen Weg, so wird er um seiner Missetat willen sterben; du aber hast deine Seele gerettet!

  3. Herbert Bodenmann Antworten

    Ich hätte gerne die Quellen der Zitate. Ich möchte den Zusammenhang lesen können.
    Danke.

  4. Reinhard Müller Antworten

    Wieso schickt aber die kath. Kirche Missionare in die Welt? Das ist doch widersprüchlich. Hätte man mich nicht missioniert, wäre ich weiter blind durch die Welt gegangen. Andererseits ist die kath. Kirche die weltweit größte Religionsgemeinschaft und kann es sich vielleicht erlauben nicht missionieren zu müssen, denn ihr Bestand ist durch die Kindertaufe gesichert, trotz zunehmender Kirchenaustritte.

  5. Siegfried Klein Antworten

    Der Kommentar von Herbert Bodenmann, sofern er derjenige ist der sich geschämt hat die Aussage unserer Gemeinde/Kirche betreffend Papstum zu bestätigen, ist nicht verwunderlich.
    Andrerseits, zeugt die Aussage des Papstes, daß derjenige der aktiv das Evangelium hinausträgt zu den Menschen, kein Jünger Jesu ist, welch ein Missverständnis er von dem Auftrag Jesu hat.

  6. Apache Antworten

    Wie Markus 16,15 zu verstehen ist, darüber wäre zu diskutieren.

    Aller Erfahrungen zeigen doch, daß Missionstätigkeiten mit vielen Problemen belastet sind.
    Für mich ist Religion sehr wichtig und gleichzeitig ist mein Verständnis für Religion und deren Inhalte sehr anders als das, was die meisten Menschen darunter verstehen. Ich erlebe es nicht sehr gerne, wenn mich Christen von ihrem Verständnis ihres Glaubens überzeugen wollen und mein Denken und meine Überzeugungen in ihrem Sinne verbiegen wollen. Gleichzeitig hören sie nicht zu und wollen auch gar nicht wirklich wissen, wovon ich überzeugt bin und warum.

    Der Pontifex Maximus Franziskus liegt meiner Meinung nach auf der richtigen Spur.
    Dennoch ist es mit großer Vorsicht zu genießen, was er sagt.
    Theoretisch naiv sollte es möglich sein, daß in einem politisch organisierten Gebiet viele Religionen parallel und friedlich zusammenleben. Praktisch ergeben sich in solchen Konstellationen stets mehr oder weniger zeitnah diverse große Probleme.

    Wie immer, die Natur ist der große Lehrmeister.

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