Wie in christlichen Kirchen und Gemeinschaften weltweit ist es auch bei den methodistischen Brüdern und Schwestern ein Thema, welches polarisiert: Die Haltung zur traditionellen Ehe und zur ausgelebten Homosexualität. Unter dem Titel: „Warum Gemeinden nicht mit dem Austritt aus der United Methodist Church (UMC) warten“, beschäftigt sich Christianity Today vom 16. Juli 2021 mit der Frage der drohenden Spaltung innerhalb der weltweiten Methodistischen Kirche.

Aufgrund einer jahrhundertealten Treuhandklausel innerhalb der UMC kann ein spontaner Kirchenaustritt bei den Methodisten richtig ins Geld gehen. Dabei geht es u. a. um kircheneigene Gebäude und Gehälter von Pastoren. Seit einer bei einer Sondertagung im Jahr 2019 geschaffenen Klausel können einzelne Gemeinden auf eine Bestimmung zurückgreifen, die es ihnen ermöglicht, sich aus „Gewissensgründen“ im Zusammenhang mit der menschlichen Sexualität von der UMC zu trennen. Wird der offizielle Werdegang eingehalten, in dem ein Antrag auf Kirchenaustritt gestellt wird, über den diskutiert, beraten und über den bei der nächsten Generalkonferenz ein Beschluss gefasst wird, kann eine methodistische Kirche auch günstiger davonkommen. „Dann ist es den Gemeinden möglich, die UMC zu verlassen und den Pastoren, ihre Pensionen ohne Gebühren zu beziehen“, sagte John Lomperis, Direktor des United Methodist Institute on Religion and Democracy. „Wenn man das Austrittsprotokoll einhält, verzichtet die Konfession auf ihr Recht, die Treuhandklausel geltend zu machen, und die Kirchen können ihre Gebäude behalten.“

Einigen methodistischen Gemeinden allerdings ist ihr Anliegen so dringend, dass sie nicht auf den Beschluss und die Genehmigung der Konferenz warten wollen. So waren die Verantwortlichen der Boyce Church der festen Überzeugung, dass ihre Zukunft nicht in der UMC läge. Zusätzlich waren sie sich nicht sicher, wann ihr Antrag genehmigt werden oder wie der endgültige Wortlaut lauten würde, so dass sich die Gemeinde im September letzten Jahres abspaltete. Für den Austritt musste sie eine Gebühr von 92.000 Dollar zahlen.

„Wir hatten das Gefühl, dass der Herr uns zu diesem Schritt geführt hat…“, sagte Alvin Talkington, ein Mitglied des Austritts-Teams der Boyce Church, einer 100 Mitglieder zählenden Gemeinde in Ohio, die die Denomination im letzten Herbst verließ. Die Entscheidung zum Austritt kam nach Jahren der Frustration über die East Ohio Conference, die die konservative Lehrmeinung der Kirche zu Themen wie Homosexualität nicht schätzte und keine konservativen Pastoren für die Kirche fand.

Einige dieser ausgetretenen Gemeinden finden in anderen christlichen Denominationen ihre neue Heimat, während die Boyce Church oder auch die Grove Community Church als unabhängige Gemeinden weitermachen.

Vor 2020 waren die meisten Gemeinden, die sich von der UMC abspalteten, auf der traditionellen Seite des theologischen Spektrums angesiedelt. Sie verließen die Hauptkirche, weil sie des Debattierens überdrüssig waren oder einen biblisch begründeten konsequenteren Weg der Denomination in Bezug auf Homosexualität nicht durchsetzen konnten. Aus diesem Grund wurde die Wesleyan Covenant Association gegründet, der 125.000 Menschen in 1.500 Kirchen angehören und die sich für eine positive Haltung der UMC zur traditionellen Ehe einsetzt. Jetzt ist die Gruppe zum Kern der Global Methodist Church geworden, einer konservativen Denomination, die nach der Abspaltung ausscheidende Gemeinden aufnimmt.

Lomperis hofft, dass einige der konservativen Gemeinden, die die UMC verlassen haben, sich schließlich der neu gegründeten Global Methodist Church anschließen werden. Er versteht die Frustration, die die Kirchgemeinden gegenüber Konferenzen empfinden, die ihre konservative Theologie nicht anerkennen. Aber die Ablehnung der konfessionellen Struktur sei keine Lösung, sagte er. Er hofft, dass die Global Methodist Church eine schlankere, weniger bürokratische Struktur entwickeln kann, die den Ortsgemeinden mehr Einfluss verleiht.

Aber auch liberale Gemeinden verlassen die UMC. Im Jahr 2020 kehrten drei Gemeinden in Maine und eine texanische Megakirche der UMC wegen der ihrer Meinung nach bestehenden Diskriminierung von LGBT den Rücken. Die Bering Memorial United Methodist Church in Houston verließ die UMC zugunsten der United Church of Christ. Die New Brackett Church in Peaks Island, Maine, wurde unabhängig, erwägt jedoch einen Beitritt entweder zur United Church of Christ oder zur Unitarian Universalist Association.

Hierzulande wurde mittlerweile eine elegantere Lösung für das gleiche Problem gefunden. „Deutsche Methodisten legen Streit um Homosexualität bei – Künftig können deutsche Methodisten auch homosexuelle Paare segnen. Gleichzeitig soll ein konservativer Bund innerhalb der Kirche gegründet werden“, titelte das reformierte Nachrichtenportal ref.ch, herausgegeben von den Reformierten Medien, dem Kommunikationsunternehmen der reformierten Kirchen in der Deutschschweiz. 

Während die Bildung der neuen, traditionell orientierten methodistischen Kirche auf Weltebene von der Evangelisch-methodistischen Kirche getrennt und eigenständig strukturiert ist, wird im deutschsprachigen Raum die Neuformierung eines „Gemeinschaftsbundes“ innerhalb der deutschen Methodisten geplant, „der besonders in Fragen von Sexualität und Ehe eine ausdrücklich konservative Profilierung haben wird. Der ‚Gemeinschaftsbund‘ bleibt Teil der Kirche. Einzelne Kirchenglieder sowie Gemeinden oder Bezirke könnten sich diesem Bund anschließen, hieß es. Menschen und Gemeinden mit überwiegend konservativer Prägung in sexualethischen Fragen hätten damit weiterhin innerhalb der Kirche eine Heimat.“

In Deutschland zählt die Evangelisch-methodistische Kirche rund 51.000 Gläubige. Insgesamt verbindet der Weltrat Methodistischer Kirchen rund 51 Millionen Menschen. Im 18. Jahrhundert hatte sich der Methodismus in England als Erweckungsbewegung gebildet. Auch auf die frühen Adventisten hatte der Methodismus keinen geringen Einfluss. Als am 6.Oktober 1861 die erste Vereinigung der Siebenten-Tags-Adventisten, die „Conference of Michigan“, gegründet wurde, geschah dies nach dem Vorbild der Methodisten unter regionaler Kirchenleitung. 

StpH, 15.09.2021

Dieser Artikel hat 1 Kommentare

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare auf dieser Website sollen für nachfolgende Besucher von Nutzen sein. Unsere ganz subjektiven Moderatoren mögen daher Beiträge, die zum Thema passen, kultiviert sind und Lesewert mitbringen.