Das höchste amerikanische Gericht, der Supreme Court, besteht aus neun Richtern. Einer von ihnen, Richter Anthony Kennedy, wird Ende dieses Monats im Alter von 82 Jahren in den Ruhestand gehen. Als Nachfolger hat Präsident Trump den 53-jährigen Bundesrichter Brett Kavanaugh nominiert.

Bevor Kavanaugh sein Amt antreten kann, muss er sich einer Befragung im Senatsausschuss stellen und vom Senat bestätigt werden. Da die Amtszeit eines Verfassungsrichters nicht begrenzt ist, wäre er dann praktisch auf Lebenszeit gewählt. Dieser Umstand gibt der Berufung eines Richters an den Obersten US-Gerichtshof großes Gewicht für die politische Zukunft des Landes, möglicherweise über Jahrzehnte hinweg.

Kavanaugh ist wie sein Vorgänger Kennedy katholisch und engagiert sich aktiv für seine Kirche. Auffällig ist seine häufige Berührung mit dem mächtigen Orden der Jesuiten, wie sich seiner professionellen Biografie entnehmen lässt:

  • Studienvorbereitung an der jesuitischen Schule in Georgetown
  • Fördert Kinder an der jesuitischen Akademie in Washington und sitzt im Aufsichtsrat dieser Akademie
  • Ist Glied und regulärer Lektor (Prediger) in der katholischen Kirche Blessed Sacrament in Washington, D. C.
  • Trainiert ein Mädchen-Basketballteam der katholischen Jugendorganisation
  • Beteiligt sich regelmäßig an der Essensausgabe der katholischen Diakonie in Washington, D. C.
  • Hielt Vorlesungen an der Jesuiten-Universität in Georgetown
  • Ist Mitglied der John-Carroll-Gesellschaft (John Carrol war Amerikas erster jesuitischer Priester und Bischof sowie Gründer der jesuitischen Georgetown-Universität)

In seiner Rede nach der Nominierung dankte Richter Kavanaugh Präsident Trump und äußerte sich lobend über seine jesuitische Ausbildung. Er zitierte auch das Jesuiten-Motto „Männer für andere“, das der ehemalige Jesuitengeneral Pedro Arrupe geprägt hat.

Die Mehrheitsverhältnisse im Senat sind mit 51 Republikanern zu 49 Demokraten denkbar knapp für die Bestätigung von Trumps Wunschkandidat. Dazu kommt, dass der an Krebs erkrankte Republikaner John McCain voraussichtlich nicht anwesend sein wird. So ist Kavanaugh aufgrund republikanischer Abweichler auch auf das Wohlwollen einiger Demokraten angewiesen – eine schwierige Herausforderung für jemanden, der als Abtreibungsgegner und deutlicher mehr rechts gilt als sein Vorgänger Kennedy. Seine Kritiker fürchten vor allem, mit seiner Stimme könnte das 1973 entschiedene Urteil zum Recht auf Abtreibung („Roe vs. Wade“) wieder rückgängig gemacht werden. Denn Trump hatte vor seiner Wahl versprochen, „Pro Life“-Richter an das höchste Gericht zu berufen, sodass die Aufhebung der Abtreibungsrechte nur eine Frage der Zeit wäre. Es wird sich zeigen, ob Kavanaugh diese Gratwanderung meistern kann, wenn er etwa im September / Oktober dieses Jahres vor den Senat treten wird.

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