In Zeiten, wo die Negativmeldungen sich überschlagen, freut man sich über positive Nachrichten ganz besonders. Von zwei solchen soll im Folgenden die Rede sein.

Am 18. Juni 2021 erschienen im Spiegel kurz hintereinander zwei Artikel, die beide von außergewöhnlicher Geistesgegenwart, Entscheidungsschnelle und Mut handeln.

Der erste handelt von dem Oberstabsgefreiten Denis Gebhardt. Dieser dient normalerweise in einem Transportzug, um seine Kameraden mit Material, Sprit oder Munition zu versorgen. Am Mittwoch, dem 16. Juni 2021, auf dem Weg von der Kaserne nach Hause, aber passiert etwas, das mit Normalität wenig zu tun hat. Das Presseportal der Autobahnpolizeinspektion schildert das Geschehen wie folgt:

„Am Mittwoch dem 16.06.2021 kam es gegen 17:40 auf der Bundesautobahn 4 zwischen den Anschlussstellen Gotha und Wandersleben zu einer filmreifen Szenerie. Ein aufmerksamer PKW-Fahrer bemerkte beim Überholen eines anderen PKW, dass dessen Fahrerin ein medizinisches Problem hatte und bewusstlos wurde. Geistesgegenwärtig setzte sich der PKW-Fahrer vor den anderen PKW und bremste langsam ab. Dadurch kam es zur leichten Kollision, wodurch der PKW der bewusstlosen Fahrerin zum Stillstand gebracht werden konnte. Der zweite Held der Szene war ein 7-jähriges Kind im Fahrzeug der bewusstlosen Frau. Das Kind schaltete genauso geistesgegenwärtig die Warnblinkanlage des PKW ein, als es bemerkte, dass es der Mutter nicht gut ging. Dadurch konnten andere Verkehrsteilnehmer gewarnt und Schlimmeres verhindert werden. Die Frau konnte medizinisch versorgt werden. Es entstand leichter Sachschaden an beiden Fahrzeugen.“

Im Gespräch mit Spiegel ergänzt Denis Gebhardt einige Details: Wie er auf das Fahrzeug mit eingeschalteter Warnblinkanlage auf der Mittelspur aufmerksam wurde. Dass er feststellte, als er links neben das Fahrzeug der Fahrerin fuhr, ,,dass diese das Bewusstsein verloren hatte und neben ihr ein kleiner Junge saß. Wie er „das Fahrzeug dann mit seinem Skoda-Oktavia auf die rechte Spur schob, […] vorsichtig, ,Seitenspiegel an Seitenspiegel, um den Schaden minimal zu halten und nicht zu viel Kraft aufzubringen’. Beide Autos seien noch mit etwa Tempo 70 unterwegs gewesen.“ Wie er dann, als der Wagen mit Frau und Kind auf der rechten Spur gewesen sei, er sein Auto vor ihres gesetzt habe, die Geschwindigkeit angepasst, den Wagen leicht habe auffahren lassen und nach und nach ausbremste.

Als beide Autos auf der rechten Spur zum Stillstand gekommen waren, schob er den Wagen der Frau auf den Seitenstreifen, beruhigte den Jungen, brachte die Mutter, die möglicherweise dehydriert war, in stabile Seitenlage und bot ihr Wasser an.

„Gezögert, ob er eingreifen solle, habe er nicht: ,Ich habe die bewusstlose Frau gesehen, dann hat mein Gehirn in den Funktionsmodus geschaltet, und ich habe einfach gehandelt.‘ Angst, dass etwas schiefgehen könnte, habe er keine gehabt.“

Gebhardt sieht sich selbst nicht als Helden, vielmehr sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen zu helfen. Jeder sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen, wenn dies notwendig sei. Auf der Autobahn aber habe er das Gegenteil davon erlebt. Die Leute seien alle vorbeigefahren. „,Die haben die Frau dort liegen sehen, die haben mich gesehen, und als der Wagen noch fuhr, müssten viele auch erkannt haben, dass die Frau bewusstlos ist.‘ Fast jeder habe Angehörige, Kinder oder Familie. ,Wenn die in solch eine Situation kommen, möchten die doch auch, dass ihnen geholfen wird.‘“

Die zweite Meldung spielt ebenfalls in Thüringen. Dort war ein 30-Jähriger Mopedfahrer im thüringischen Unterbreizbach über eine abgemähte Wiese gefahren, hatte einen gespannten Stacheldraht übersehen und stieß dagegen, wie die Polizei mitteilte. Der zehnjährige Lennard beobachtete den Unfall.

„Bei dem Sturz verletzte sich der Mopedfahrer lebensgefährlich am Hals. Lennard zog sofort sein T-Shirt aus und drückte es auf die Wunde. So verhinderte er, dass der Mopedfahrer am Unfallort verblutete.“

wie die Seite ,Thüringen 24‘ meldet. Danach habe der Junge laut um Hilfe gerufen, bis ein Passant ihn hörte und den Notruf alarmierte. Die Rettungskräfte flogen den schwer Verletzten dann in ein Krankenhaus nach Erfurt. Dank der reaktionsschnellen Hilfe des zehnjährigen Lennard überlebte er.

Im Buch der Sprüche, Kapitel 3, Verse 27 und 28 steht:

„Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag. Sprich nicht zu deinem Nächsten: Geh hin und komm wieder; morgen will ich dir geben –, wenn du es doch hast.“

Und Sprüche 24, Verse 11 und 12 ergänzt:

„Errette, die man zum Tode schleppt, und entzieh dich nicht denen, die zur Schlachtbank wanken. Sprichst du: ,Siehe, wir haben’s nicht gewusst!‘, fürwahr, der die Herzen prüft, merkt es, und der auf deine Seele achthat, weiß es und vergilt dem Menschen nach seinem Tun.“

Fadenscheinige Ausreden zählen nicht. Der Ruf, barmherziger Samariter zu sein, gilt für jeden. Notlagen, gleich welcher Art, zu erkennen und zu helfen ist Menschenpflicht und erst recht Christenpflicht. Die nötige Courage, die schnelle Geistesgegenwart und den fälligen Mut möge Gott uns schenken.

StpH 29.06.2021, 13:59

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