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25. April 2016, ktfnews.com, Hal Mayer – Die christliche Welt ist von Papst Franziskus fasziniert. Führer und Mitglieder der evangelikalen und Pfingst-Gemeinden sind wie hypnotisiert von den Videos von Papst Franziskus, mit denen er in den letzten Monaten die Hand nach den Evangelikalen und anderen ausstreckt – mit einfachen, direkten Worten und einem verschmitzten Lächeln.

Papst Franziskus versucht, die Kluft zu den amerikanischen Evangelikalen zu überbrücken, und bekommt dafür sehr positive Resonanz. Er hat sich mit evangelikalen Führern bereits verschiedene Male im Vatikan getroffen und dabei sogar James Robison „abgeklatscht“ (high five) – ein Novum in Franziskus‘ Leben. Er betonte außerdem, dass im Zentrum der christlichen Wirklichkeit eine lebendige Beziehung mit Jesus Christus stehe. Selbst in seiner Enzyklika Evangelii Gaudium (Die Freude des Evangeliums) sagte er: „Ich lade in diesem Moment alle Christen auf der ganzen Welt zu einer neuen persönlichen Begegnung mit Jesus Christus ein.“ Natürlich bedeutet dies etwas anderes für Katholiken als für Evangelikale und vielleicht alle anderen christlichen Gruppen und Konfessionen.

Franziskus bittet auch häufig seine Zuhörer darum, für ihn zu beten. Damit hat er bereits in seiner Zeit in Argentinien begonnen, und er hat es in seinem Pontifikat fortgesetzt.

Papst Franziskus hat eine Begabung für provokative symbolische Gesten wie die Fußwaschung von Frauen und Nicht-Christen, das Bezahlen seiner eigenen Hotelrechnung in Rom, das Wohnen in der bescheidenen Unterkunft Casa Santa Marta und das Fahren in kleinen Autos.

Seine Öffentlichkeitsarbeit geht über das rein Symbolische hinaus und gründet sich auf seine eigenen theologischen Verpflichtungen. Die Katholiken haben sich bislang unwohl gefühlt mit der evangelischen Betonung von der Annahme Jesu „als meinen persönlichen Herrn und Retter“, da sie befürchten, es könne die Mittlerrolle der Kirche in der katholischen Theologie beeinträchtigen. Obwohl sich Papst Franziskus dessen sicher bewusst ist, meint auch er, eine übermäßige Betonung der kirchlichen Theologie könne das christliche Leben abstrakt und institutionell machen – was die Evangelikalen ablehnen. Er schrieb auch: „Es ist unmöglich, sich auf Dauer für Evangelisation zu begeistern, wenn wir nicht aus persönlicher Erfahrung überzeugt sind, dass es Unterschied ist, ob man Jesus kennt oder nicht.“

Um den Evangelikalen zu gefallen, riskiert Papst Franziskus, von den Katholiken missverstanden zu werden. Und die Evangelikalen glauben es alles. Franziskus trägt tief in sich eine evangelische Dringlichkeit. Er streckt seine Hände nach den Evangelikalen aus, in einem leidenschaftlichen Versuch, sie mit Rom zu vereinen, und um jeglichen Widerstand gegen die Lehren und Praktiken Roms zu beseitigen. Er weiß, dass wenn er seine Führerschaft auf die Lehren Roms gründet, es nur zu einer intellektuellen Debatte führen würde. Wenn er sich auf moralische Lehren beriefe, würde er als kleinlich und puritanisch wahrgenommen werden. Deshalb betont er in seinem Aufruf an Evangelikale und andere christliche Gruppen die „Herrschaft Jesu Christi“ – eine Sprache, die bei den Evangelikalen instinktiv Anklang findet.

Er betont die Freude am Evangelium (in welcher Variante auch immer) und macht sich über Christen lustig, denen sie fehlt: Christen, die „zu mürrischen und desillusionierten Pessimisten und ,Miesepetern‘ geworden sind“, würden niemals erfolgreiche Evangelisten sein. Folglich hat Papst Franziskus auf eine Beschäftigung mit Liturgie, dogmatischer Kleinlichkeit und auf die Betonung von Kunst verzichtet, die die Kirche zu einem „Museumsstück“ macht.

Seine Betonung des missionarischen Antriebs und moderner Kulturformen beinhaltet vieles, was bei Evangelikalen Resonanz findet.

Es gibt immer noch theologische Differenzen, wie die Rechtfertigungslehre, wenn auch der verstorbene Tony Palmer den Führern der Pfingstgemeinden verkündet hatte, die Reformation sei vorbei, weil die Kirche sich reformiert habe und bezüglich Rechtfertigung Katholiken und Evangelikale das Gleiche glaubten.

Der evangelikale Trommelschlag von Papst Franziskus hat gewaltigen Einfluss auf die Einstellung der Evangelikalen zu Rom, mag es auch noch so naiv von ihnen sein. Seine Betonung der Herrschaft Jesu Christi und andere Neuheiten haben viele dazu gebracht, ihm Vertrauen zu schenken, selbst wenn sie tief innen wissen, dass Rom dogmatische Begriffe anders füllt als sie selbst. Um von der katholischen Kirche akzeptiert zu werden, sind sie trotz allem überraschenderweise bereit, sich mit dem Papst von Rom zu verbinden und so zu tun, als gäbe es eine Art Einheit zwischen ihnen.

„Nicht ohne Grund ist die Behauptung in protestantischen Ländern aufgestellt worden, dass der Katholizismus sich weniger stark vom Protestantismus unterscheidet als in früheren Zeiten. Es hat eine Veränderung gegeben, aber die Veränderung liegt nicht beim Papsttum. Der Katholizismus ähnelt tatsächlich dem heutigen Protestantismus, denn der Protestantismus hat seit den Tagen der Reformatoren einen starken Niedergang erlebt.“ (Ellen G. White, The Great Controversy, S. 571)

Quelle:
„Papst Franziskus und die Evangelikalen“
25. April 2016 – zenit.org – Hal Mayer

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