Alle Welt schaut nach Wuhan wegen dem Coronavirus. Aber im Hintergrund, von der Weltpresse ignoriert, spielt sich auch eine andere Tragödie dort ab:

In China gibt es inzwischen mit steigender Tendenz mehr Christen (geschätzt 130 Mio.) als Mitglieder der Kommunistischen Partei (85 Mio). Warum das? Nun, Chinesen werden von Kindesbeinen an auf Konkurrenzkampf gedrillt und viele sind das leid. Die christlichen Gemeinden dagegen behandeln Lebensfragen positiv, leben Solidarität und zeigen Emotionen. Dies ist ein echter Kontrapunkt zur ansonsten von Korruption und Kälte geprägten Gesellschaft.

Die Regierung schaut dem nicht untätig zu. Sie führt Kontrollen durch, inwieweit die religiöse Politik vor Ort umgesetzt wird, bevor eine neue Runde von Razzien beginnt. In Vorbereitung auf so eine Kontrolle veröffentlichte das Städtische Komitee für ethnische und religiöse Angelegenheiten in Wuhan, der Hauptstadt der Provinz Hubei, im Oktober 2019 ein Dokument. Demzufolge sollten weitere Korrekturkampagnen, also Maßnahmen zur Unterdrückung von Religionen, ab dem 1. November 2019 erfolgen.

Das Dokument nennt 15 Hauptforderungen für staatliche religiöse Einrichtungen, darunter

  • das Hissen der Nationalflagge,
  • ein vollständiges Verbot nicht offiziell genehmigter Publikationen
  • das Verbot der theologischen Ausbildung in Gotteshäusern.
  • regelmäßige Inspektionen und Aufsicht der Gottesdienststätten
  • die Gewährleistung der persönlichen Verantwortung und Rechenschaftspflicht der für die religiöse Arbeit verantwortlichen lokalen Regierungsbeamten.

Ebenso berief der städtische Ausschuss für ethnische und religiöse Angelegenheiten von Wuhan eine Sitzung für die Verantwortlichen der offiziell genehmigten religiösen Orte ein, um die Umsetzung des Plans zu erörtern. Während der Sitzung wurde betont, dass jeder religiöse Ort, der Minderjährige, Ausländer oder Parteimitglieder hereinlässt, sofort geschlossen werden sollte.

Das religiöse Leben wird in China mehr und mehr unterdrückt und in Wuhan ist man dabei sehr eifrig. Dabei war es in den letzten Jahren bereits kein Zuckerschlecken, religiös zu sein.

Bereits seit April 2018 hat die Regierung die Verwendung von nicht offiziell zur Veröffentlichung genehmigten Versionen der Bibel und anderer religiöser Bücher strikt verboten.

Ende Januar 2019 führte das Volksgericht des Bezirks Gong’an in der zentralchinesischen Provinz Hubei eine Anhörung für neun verhaftete Mitglieder der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten durch. Pastor Zhu Zhongcai und acht Mitarbeiter der Kirche wurden beschuldigt, „illegale Geschäfte“ zu betreiben, indem sie Predigten, das Buch der Offenbarung und das Buch Daniel gedruckt und an die Gemeinde verteilt haben. Pastor Zhu wurde zu fünf Jahren, Gemeindeleiter Li Aihui zu vier und sechs Mitarbeiter zu ein bis dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt; einer wurde von der strafrechtlichen Verfolgung ausgenommen.

Obwohl sich die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in den 1950er Jahren der von der Regierung genehmigten Drei-Selbst-Patriotischen Bewegung angeschlossen hat, verfügen nur wenige ihrer Kirchen und Versammlungsorte in Hubei über Registrierungszertifikate für religiöse Aktivitäten. Außerdem genehmigen die beiden chinesischen Christenräte nicht die offizielle Veröffentlichung von Materialien oder Büchern der Kirche. Ohne diese Genehmigung kann die Kirche nur selbst erstellte Publikationen für Mitglieder der Gemeinde herausgeben. Und genau das hatten der Pastor und die Mitarbeiter getan.

Der Verteidiger von Pastor Zhu sagte, dass „illegale Geschäftsvorgänge“ bedeuten würden, dass die Veröffentlichung und Verteilung von religiösem Material auf der Suche nach illegalen Gewinnen erfolgt sei oder dass sie die soziale Ordnung schädigen und den Markt stören würden. Aber sie taten nichts dergleichen: Die Predigtsammlung und andere Veröffentlichungen bestehen aus kirchlichen Materialien, die innerhalb der Kirche verteilt wurden. Darüber hinaus wurden nur geringe Geldbeträge zur Deckung der Druck- und Transportkosten gesammelt, ohne dass die Absicht bestand, illegale Gewinne zu erzielen. Trotzdem wurden diese Menschen verurteilt.

Arrested computer hacker and cyber criminal with handcuffs, close up of hands

Es war dies nicht das erste Mal, dass Pastor Zhu zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Im Juli 2011 verurteilte ihn der Volksgerichtshof des Bezirks Shahekou zu neun Jahren Haft wegen „illegaler Geschäftsvorgänge“ für den Druck der Bibel. Seine Strafe wurde später umgewandelt, und er wurde am 3. September 2017 entlassen.

Nun ist er erneut inhaftiert.

Lasst uns für unsere Glaubensgeschwister in China beten. Es bleibt der Trost aus

Mt. 5,10-12

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. 11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen. 12 Seid fröhlich und jubelt; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.

Quellen:

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